Hedwig Götze-Sievers
Hedwig Götze-Sievers (geboren am 17. Oktober 1858 in Braunschweig; gestorben am 30. Oktober 1954 ebenda) war eine Stadtverordnete und Sozialreformerin.
Leben
Hedwig war eine Tochter des Tabakfabrikanten Johann Theodor Friedrich Hermann Bardenwerper (5. Februar 1820 – 22. April 1887) und dessen Frau Julie Wilhelmine Theodore (geborene Bode; 25. Oktober 1829 – 14. April 1872). Um 1875 lernte sie am Martino-Katharineum den Lehrer Otto Sievers (5. Mai 1849 – 25. Juli 1889)[1] kennen, den sie 1876, kurz vor ihrem 18. Geburtstag mit Zustimmung ihres Vaters heiraten durfte. Sie wohnte zunächst bei der Malerin Caroline Pockels in der Okerstraße. Sie lebte rund vier Monate in Wolfenbüttel und zog nach dem Tod ihres Ehemanns zurück nach Braunschweig. Sie eröffnete in der Schleinitzstraße 10 eine Pension für Schüler und Studenten.
Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verstärkte sie ihr soziales Engagement. Sie wurde Mitglied im Nationalen Frauendienst und Vorsitzende des Verbands der Frauenvereine im Herzogtum Braunschweig (siehe auch Bund Deutscher Frauenvereine). Sie setzte sich unter anderem für Frauen, Kinder und Soldaten ein. Sie war von 1919 bis 1922 und von 1926 bis 1933 für die nationalliberale DVP Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Götze-Sievers war Vorsteherin der Frauengruppe für soziale Arbeit und hatte das für den Frauendienst erworbene Haus in der Helmstedter Straße Nr. 8 im Jahr 1917 zu einem Heim für Kriegswaisen umbauen lassen. Dort ließ sie sich auch eine kleine Wohnung einrichten.
Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde 1933 das Vermögen des Frauendienstes beschlagnahmt und sie war gezwungen, das von ihr gegründete Kinderheim (Hedwig Götze Heim) zu räumen, um einer nationalsozialistischen Organisation Platz zu machen. Sie zog in eine Wohnung in der Blücherstraße und wurde in der Zeit des Zweiten Weltkriegs nach Schlesien evakuiert, von wo sie nach dem Kriegsende vertrieben wurde. Sie kehrte mittellos in ihre Heimatstadt zurück. Dort wurde ihr vom Stadtrat ihre ehemalige Wohnung in der Blücherstraße überlassen. Das Gebäude des Kinderheims wurde 1944 zerstört. Für einige Zeit gab es dort auf dem Grundstück noch eine Baracke, in der mehrere Handwerker ihr Unternehmen betrieben. Schließlich wurde diese abgerissen und das Grundstück wurde in eine städtische Grünfläche umgewandelt.[2]
Zu ihrem Engagement gehörten zudem eine Volks- und Kaffeehalle und eine Speiseanstalt. Als Vorsitzende des Nationalen Frauendienstes sorgte sie 1916 für den Ausschluss von Minna Faßhauer aus dieser Organisation.
Familie
Mit Otto Hermann Friedrich Ernst Sievers, der 1889 kurz vor seinem plötzlichen Tod Direktor der Großen Schule in Wolfenbüttel wurde, hatte sie drei Söhne.
- Richard Sievers (13. September 1877 – 24. Juli 1934)
- Walter Sievers (8. Januar 1880 – 16. Mai 1929) ⚭ Anna Amalie Paula Marie (geborene Kuchlenz)
- Paul Sievers (11. Juni 1881 – 6. März 1941)
Im Jahr 1898 heiratete sie den Oberlehrer Wilhelm Götze (1845–1923).
Schriften/Vorträge (Auswahl)
- Der Dienst der Armen- und Waisenpflegerin. In: Innere Mission im evangelischen Deutschland. (Sonderausgabe für Braunschweig – Vortrag … gehalten … zu Braunschweig, Juni 1909).
- Neue Frauenideale. (Vortrag gehalten am 27. Februar 1911 im „Verein ehemaliger Schülerinnen der städtischen höheren Mädchenschule“ zu Braunschweig).
- mit Albert Levy: Die Beschaffung der Geldmittel für die Bestrebungen der freien Liebestätigkeit (= Schriften des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit. 98). Duncker & Humblot, München [u. a.] 1912.
- Hedwig Götze-Sievers: Lebenserinnerungen der Braunschweiger Sozialreformerin (= Manfred Garzmann (Hrsg.): Kleine Schriften. Stadtarchiv Braunschweig, Heft 21). Waisenhaus-Druck, Braunschweig 1991.
Literatur
- Manfred Garzmann: Götze-Sievers, Hedwig. In: Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert. hrsg. im Auftrag der Braunschweigischen Landschaft e. V. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996, ISBN 3-7752-5838-8, S. 219.
Weblinks
- Park Helmstedter Straße 8 braunschweig.de
Einzelnachweise
- ↑ Gabriele Henkel: Sievers, Otto, Prof. Dr. In: Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert. hrsg. im Auftrag der Braunschweigischen Landschaft e. V. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996, ISBN 3-7752-5838-8, S. 571.
- ↑ Wolfgang Horn: Eine kleine Oase inmitten der Stadt – Helmstedterstraße 8. In: Klinterklater. 21. Jahrgang, Nr. 2, 67. Ausgabe, Mai 2019, S. 11 (spd-braunschweig.de PDF).