Hauts-furneaux et aciéries de Differdange, St-Ingbert, Rumelange
| HADIR – Hauts-Fourneaux et Aciéries de Differdange, St. Ingbert, Rumelange | |
|---|---|
| Rechtsform | Société Anonyme |
| Gründung | 1920 |
| Auflösung | 1967 |
| Auflösungsgrund | Übernahme durch ARBED – Aciéries réunies de Burbach-Eich-Dudelange |
| Sitz | Luxembourg, 26 avenue de la Porte-Neuve |
| Leitung | Maugas Gabriel (Generaldirektor) (1920–1932) |
| Branche | Montanindustrie |
Das luxemburgische Stahlunternehmen HADIR (Akronym für Hauts-fourneaux et aciéries de Differdange, St-Ingbert, Rumelange) war ein Unternehmen der rohstoffverarbeitenden Eisen- und Stahlindustrie. Wörtlich übersetzt bedeutet der Name Hochöfen und Stahlwerke von Differdingen.[1][2] HADIR wurde am 5. Februar 1920 mit luxemburgischem, französischem und belgischem Kapital gegründet und übernahm Aktivitäten und Vermögen der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-A.G. – abgekürzt DL – in Luxemburg und Lothringen.[3]
Im Jahre 1967 wurde die Standorte in Differdingen und St. Ingbert von der ARBED (Akronym für Aciéries Réunies de Burbach-Eich-Dudelange, deutsch Vereinigte Eisenhütten von Burbach-Eich-Düdelingen) übernommen.
Geschichte
Aus der luxemburgischen Société Industrielle (Industriegesellschaft des Großherzogtums Luxemburg, Niederkorn) entstand um 1883 am Standort Differdingen die Société anonyme des Mines et Hauts Fourneaux de Differdange und – nach Insolvenz und Übernahme – die Société de Mines et Hauts Fourneaux de Differdange. Nach Errichtung des Hüttenwerkes und der Fertigstellung von Stahlwerk und Hochofen begann um die Jahrtausendwende im Jahre 1901 das Walzen von Breitflanschträgern nach dem Verfahren von Henry Grey. Am 15. März 1905 wird die Fabrik Differdinge von der Gesellschaft Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten übernommen.
Im Jahre 1905 entstand durch Fusion der S.A. des Hauts-Fourneaux de Rumelange mit ihren Werken in Rumelange und Ottange und der Société des Hauts-Fourneaux et Aciéries de St. Ingbert – dem ehemaligen Eisenwerk Kraemer in St Ingbert – [4] mit seiner Eisenerzmine in Volmerange-les-Mines im Departement Moselle die Société anonyme des Hauts-Fourneaux et Aciéries de Rumelange – St.Ingbert (Aktiengesellschaft für Hochöfen und Stahlwerke von Rumelange – St. Ingbert) mit dem Hauptsitz in Rumelange.[5] Für die in Volmerange-les-Mines gelegene Grube Kraemer in der heutigen Region Grand Est wurde 1873 die Bergbaukonzession an die Firma Kraemer vergeben.[6][7][8]
Diese Unternehmung wurde im Jahre 1911 von der Gesellschaft Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten A.G. Abteilung Differdingen – abgekürzt DL – mit ihren Hochöfen sowie Stahl- und Walzwerken in Differdingen (Luxemburg) übernommen. Der Hauptsitz des Mutterkonzerns war Bochum.[9] Mit Hinblick auf die wachsende Konkurrenz der Eisen- und Erzindustrie aus Brasilien gründete man 1914 zusammen mit der Gelsenkirchener Bergwerks-A.-G., Gelsenkirchen, der „Phönix“ A.-G. für Bergbau- und Hüttenbetrieb in Hörde und dem Eisen- und Stahlwerk Hoesch in Dortmund die Interessengemeinschaft im deutsch-luxemburgischen Hüttengewerbe.
Nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten A.G ihre Beteiligungen und Werke in Luxemburg und Lothringen. St. Ingbert war seit 1919 durch den Versailler Vertrag Teil des neu geschaffenen Saargebiet und unter Verwaltung des Völkerbundes wirtschaftlich an Frankreich angeschlossen. Die deutschen Eigentümer wurde nach dem Ersten Weltkrieg von französischer Seite enteignet. Ihre luxemburgischen Besitzungen wurden von der neu gegründeten HADIR übernommen.[10] Der Sitz der Gesellschaft war in der Stadt Luxembourg, zunächst in der 2 avenue de la Porte-Neuve, später in der 26 avenue de la Porte-Neuve.[11]
In den Jahren 1940 bis 1944 musste das Stahlwerk in Differdingen den Namen Differdinger Stahlwerke A.G tragen.
Betriebe
In Differdingen wurden seit dem frühen 20. Jahrhundert sogenannte Differdinger-Profile, Differdingerträger, Differdinger oder Grey-Träger hergestellt, dabei handelt es sich Breitflanschträger. Bis zu den frühen 1930er Jahren waren am Standort Differdingen 10 Hochöfen in Betrieb genommen worden. In den 1950er Jahren gingen am Standort Differdingen eine neue Bandeisenwalzstraße, eine Sauerstofffabrik, eine Zerkleinerungsanlage, ein Rohrwalzwerk und ein neues Thomasstahlwerk – aciérie Thomas II – in Betrieb. In den 1960er Jahren kamen eine neue Grey-Anlage – installiert von Davy-United, UK – und 1964 ein neuer Hochofen zum Einsatz.[12]
In St. Ingbert endete schon bald nach der Übernahme durch HADIR in den 1920er Jahren die Stahlproduktion und der Standort wurde zu einem Spezialwerk für verschiedene Drahtsorten.
1967 wird HADIR von ARBED übernommen.[9] Nach der Übernahme durch ARBED gehörte der Standort in St Ingbert ab 1982 zur ARBED Saarstahl GmbH und wurde später nach dem Rückzug von ARBED als Tochterunternehmen Drahtwerk St Ingbert GmbH der Saarstahl GmbH fortgeführt.[13] ARBED seinerseits fusionierte 2002 mit Aceralia und Usinor zur Arcelor, diese wiederum im Jahre 2007 mit Mittal Steel zu ArcelorMittal.
Weblinks
- Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-Aktien-Gesellschaft. industrie.lu, archiviert vom am 5. Juli 2025; abgerufen am 18. November 2025.
- Walzzeichen HADIR auf Eisenbahnschienen bei walzzeichen.de
- Werkzeugmarke Sankt Ingbert – HADIR bei de.numista.com
Einzelnachweise
- ↑ Definition: Montanindustrie. In: Gabler Wirtschaftslexikon Online. (gabler.de [abgerufen am 25. Juli 2018]).
- ↑ Hauts-Fourneaux et Aciéries de Differdange, St. Ingbert, Rumelange. industrie.lu, archiviert vom am 5. Juli 2025; abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ locale Chronik. 3. März 1920, abgerufen am 27. Oktober 2023 (französisch).
- ↑ Schmelz St. Ingbert – Eisenwerk Kraemer (Deutschland). industrie.lu, archiviert vom am 5. Juli 2025; abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ Société anonyme des Hauts-Fourneaux et Aciéries de Rumelange - St. Ingbert. industrie.lu, archiviert vom am 5. Juli 2025; abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ La mine Kraemer bei ORGUERRA.COM von Aurélien Guerra
- ↑ Histoire bei https://volmerangelesmines.fr/
- ↑ Mine Kraemer Volmerange (France) bei www.industrie.lu
- ↑ a b Usine de Differdange – L'Historique. industrie.lu, archiviert vom am 4. Juli 2025; abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Henri Koch: Die Luxemburger Arbeiterklasse und ihre Gewerkschaften, 2. Teil. In: Hémecht. 30. Jahrgang, Nr. 3, 1. Juli 1978, S. 303 ff.
- ↑ HADIR – Siège - Luxemburg - Luxembourg. industrie.lu, archiviert vom am 10. Juli 2025; abgerufen am 19. November 2025 (französisch).
- ↑ Usine de Differdange. industrie.lu, archiviert vom am 2. Juli 2025; abgerufen am 8. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Chronik Alte Schmelz bei alte-schmelz.org