Haus aus Idstein

Haus aus Idstein

Haus aus Idstein im Hessenpark (2020)

Daten
Ort Neu-Anspach
Bauherr Johannes Sebastian und Johanna Christina Koch
Baujahr 1743
Koordinaten 50° 16′ 32,7″ N, 8° 31′ 52,3″ O

Das Haus aus Idstein ist ein Mitte des 18. Jahrhunderts erbautes zweistöckiges Fachwerkhaus. Das Gebäude wurde 1979 in Idstein abgetragen und 1985 im Freilichtmuseum Hessenpark wieder aufgebaut. Im Haus befindet sich eine Dauerausstellung zur Geschichte des Friseurhandwerks.

Lage und Geschichte in Idstein

In der Idsteiner Altstadt stand das Haus ursprünglich in der Hinteren Kirchgasse, der heutigen Albert-Schweitzer-Straße 6, in unmittelbarer Nähe zur Unionskirche.[1] Um Platz zu schaffen für den Bau der Stadthalle, erwarb die Stadt Idstein die Gebäude der Gasse und gab das abgetragene Haus an den Hessenpark.[2]

Die Hintere Kirchgasse endete als Sackgasse vor dem späteren Kalmenhof und dieser Bereich der Stadt wurde als „Belzeck“ bezeichnet. Der Name leitet sich vom mittelhochdeutschen „belzen“ bzw. vom lateinischen „(im)pellitare“ ab und bedeutet „veredeln“. Hier befand sich früher ein Pfropfgarten oder eine Baumschule. Heute ist dieses Areal mit dem Evangelischen Gemeindehaus und der Stadthalle überbaut.[3]

Das zweigeschossige Fachwerkhaus auf einem Sockel aus Bruchsteinen wurde 1743 vom Idsteiner Diakon Johannes Sebastian Koch und seiner Ehefrau Johanna Christina Koch, geborene Funck, als Wohnhaus erbaut. Koch hatte 1735 das Amt des Diakons angetreten und zu seinen Aufgaben zählte auch der Schulunterricht. Das Schulgebäude grenzte unmittelbar an die Giebelseite des Wohnhauses – heute im Hessenpark auf der marktplatzabgewandten Seite des Hauses. Von der Wohnung erlaubte eine Tür den direkten Zugang zur Schule. Eine Besonderheit des Hauses ist das Mansarddach, das für Städte typisch war und in Idstein nur selten vorkam.[4]

Um 1850 wurde das Haus vom Fabrikarbeiter und Bürstenmacher Johann Karl Friedrich Bourdy und seiner Familie bewohnt. Lange vor der Niederlegung und Überführung des Gebäudes in den Hessenpark war das angrenzende Schulhaus abgerissen worden. Dem Wohnhaus fehlte anschließend das Nebenhaus als statische Stütze und bekam eine Neigung.[5]

Im Hessenpark

1985 wurde das Haus im Hessenpark wieder aufgebaut. Als Standort für das städtische Gebäude wurde ein Gelände am Rande des Marktplatzes in der Nähe weiterer städtischer Gebäude gewählt. Wie zuvor bereits in Idstein zeigte sich auch im Hessenpark, dass sich das Gebäude ohne das benachbarte Schulgebäude wieder zur Seite neigte. 2012 wurde es daher saniert und die Neigung beseitigt.[5]

Ausstellung Friseurhandwerk

Heute wird das frühere Wohnhaus für die Dauerausstellung „Der Friseurberuf – ein Handwerk des Körpers“ untergebracht. Im Erdgeschoss ist ein historischer Friseurladen aus Steinau an der Straße eingezogen, er von 1890 bis 1991 betrieben wurde. Im Obergeschoss wird die neuere Entwicklung des Friseurhandwerks veranschaulicht. Anfangs konnte das Handwerk nur abends und sonntags ausgeübt werden und so blieb Zeit für die Nebenerwerbslandwirtschaft. Als nach dem Ersten Weltkrieg die Bartrasur bei Männern zurückging, verlagerte sich der Schwerpunkt auf das Damengeschäft – nachvollziehbar auch an der Ausstattung in der Ausstellung.[5][6]

Literatur

Commons: Haus aus Idstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Söder: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Rheingau-Taunus-Kreis II: Altkreis Untertaunus, S. 337
  2. Gerd Hermann Boettger: Idsteins Löherplatz. Von der Stadtgrenze zum Stadtzentrum. Eine lokalhistorische Dokumentation. Idstein [o. J.] (ohne ISBN), S. 26
  3. Belzeck, bei alt-idstein.de
  4. Freilichtmuseum Hessenpark (Hrsg.): Entdeckerhandbuch Freilichtmuseum Hessenpark, S. 18 (Angaben des Entdeckerhandbuchs online unter Haus aus Idstein.)
  5. a b c Freilichtmuseum Hessenpark (Hrsg.): Entdeckerhandbuch Freilichtmuseum Hessenpark, S. 19
  6. Der Friseurberuf – ein Handwerk des Körpers., bei hessenpark.de