Hauptkinderheim

Das ehemalige Hauptkinderheim ist ein denkmalgeschütztes Bauwerk von Max Taut in der Ritterstraße 69, Ecke Alte Jakobstraße 11–13, im Berliner Ortsteil Kreuzberg.[1] Es besteht aus einem 6-stöckigen Hochbau und einem niedrigeren Gebäuderiegel entlang der Ritterstraße, dem sich ein Garten mit neun Pavillons anschließt.

Geschichte und Funktion des Gebäudes

Das Hauptkinderheim war das letzte große Projekt, dessen Ausführung Max Taut im Zuge eines Wettbewerbes 1963 gewann. Die Bauarbeiten begannen 1964, das Richtfest konnte am 2. November 1966[2] gefeiert werden. Nach dem Tod Tauts im Februar 1967 wurden die Arbeiten am Gebäude von Fritz Bornemann weitergeführt, sodass das Gebäude 1968 fertiggestellt und das Heim 1969 eröffnet werden konnte. Der Garten wurde von dem Landschaftsarchitekten Hermann Mattern gestaltet.[3] Das Kinderheim wurde wegen mangelnder Auslastung und einem allgemeinen Wandel in der pädagogischen Konzeption der Heimunterbringung bereits 1971 wieder geschlossen.

Der Gebäudekomplex wurde in der Folgezeit von der Berliner Verwaltung und unterschiedlichen sozialen Einrichtungen genutzt. 1985 zog nach einem Umbau durch feddersenarchitekten die Freie Waldorfschule Kreuzberg in das Gebäude ein, eine 1985 gegründete, allgemeinbildende, öffentliche Gesamtschule in privater Trägerschaft. Auf dem Nachbargrundstück des Kinderheims in der Ritterstrasse 78 errichtete die Waldorfschule Kreuzberg 1989 bis 1999 einen Neubau nach Entwürfen des Architekten Christian Michael Küssner; das Hauptgebäude des ehemaligen Kinderheims wird nun für Küche und Mensa, Werkstätten sowie die Räume der Oberstufe genutzt. In den Gartenpavillons der ehemaligen Wohngruppen sind Unterrichtsräume der Mittelstufe und Hort und Kita untergebracht.[4]

2005 wurde das Gebäude von der Architektengruppe Mohr und Winterer Gesellschaft von Architekten mbH saniert und um eine Mensa ergänzt. Gleichzeitig konnte eine Reduktion des CO2-Ausstosses um 55 Prozent erreicht werden.[5]

Im Gebäudekomplex des ehemaligen Hauptkinderheims ist seit 1984 auch das türkischsprachige Theater Tiyatrom angesiedelt.

Literatur

  • Hauptkinderheim, Alte Jakobstraße 10–13. In: Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Berlin. Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg – Ortsteil Kreuzberg. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2016, S. 193–194.
  • Annette Menting: Max Taut. Das Gesamtwerk. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2003, ISBN 3-421-03440-0, S. 203–205, 355–356 (Kat.Nr. 178).

Einzelnachweise

  1. Eintrag 09031074 in der Berliner Landesdenkmalliste
  2. Taut-Max-Fotosammlung, Signatur 122, Nr. 29–42. Bestand Baukunst im Archiv der Akademie der Künste, Berlin.
  3. Ehem. Kinderheim der Stadt Berlin (Freie Waldorfschule Kreuzberg) (Memento vom 7. Januar 2019 im Internet Archive). Programm zum Tag des offenen Denkmals 2011. Landesdenkmalamt Berlin.
  4. Location. Freie Waldorfschule Kreuzberg, abgerufen am 29. September 2025.
  5. Bausteine der Nachhaltigkeit: Ökologisch Bauen in Berlin. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Berlin, März 2009, S. 36.

Koordinaten: 52° 30′ 15,3″ N, 13° 23′ 59,1″ O