Hartwig Eggers

Hartwig Karl Rudolf Eggers (* 10. Dezember 1888 in Berlin; † 1975 in Wolfenbüttel) war ein deutscher Mediziner und Hochschullehrer.

Leben

Herkunft und Familie

Hartwig Eggers wurde als Sohn des später in Rostock als Senator wirkenden Kunsthistorikers Karl Eggers und dessen zweiter Ehefrau Margarete, geb. Eggers, geboren.

Der Kunsthistoriker Friedrich Eggers war sein Onkel, der Rostocker Stadtarchivar Ernst Dragendorff sein Schwager (Mann seiner älteren Halbschwester).

Im August 1918 heiratete Hartwig Eggers Maria, Tochter des verstorbenen Kaufmanns Heinrich Meyer aus Guadalajara in Mexiko.

Werdegang

Nach anfänglichem Privatunterricht folgte Hartwig dem Umzug seines Vaters nach Rostock und besuchte dort die Große Stadtschule. Seine Schulausbildung setzte er am dortigen Humanistischen Gymnasium fort, an dem er in der Osterreifeprüfung 1908 sein Abitur bestand.

Hartwig Eggers begann sein Medizinstudium 1908 an der Universität München und wechselte im Oktober 1909 an die Universität Rostock.[1] Die ärztliche Vorprüfung absolvierte er in Rostock, bevor er seine klinischen Semester in München und an der Universität Bonn verbrachte. In Bonn entwickelte sich sein wissenschaftliches Profil durch experimentelle Arbeiten, die sein akademisches Leben prägen sollten.

Während des 8. und 9. Semesters beschäftigte er sich an der medizinischen Poliklinik in Bonn auf Anregung des Geheimrats Paul Krause mit experimentellen Untersuchungen über die Einwirkung der Röntgenstrahlen auf den Thymus des Kaninchens. Seine Ergebnisse wurden in der Zeitschrift für Röntgenkunde und Radiumforschung veröffentlicht.

Nach erfolgreichem Staatsexamen im Juni 1913 promovierte Hartwig Eggers im Juli 1913 an der Universität Bonn zum Doctor der Medizin. Seine Dissertationsarbeit trug den Titel Experimentelle Beiträge zur Einwirkung der Röntgenstrahlen auf den Thymus und das Blut des Kaninchens mit besonderer Berücksichtigung der therapeutischen Verwertbarkeit in Fällen von Thymushypertrophie des Menschen und dokumentierte bereits seine späteren Forschungsschwerpunkte.

Von Juni bis Mitte September 1913 arbeitete Eggers als Medizinalpraktikant auf der Inneren Abteilung des St.-Johannes-Hospitals in Bonn unter dem Geheimen Sanitätsrat Bardenhewer. Parallel wurde er bei Narkosen und zur Assistenz bei Operationen auf der chirurgischen Abteilung des Geheimrats Carl Garrè herangezogen. Während dieser Zeit unternahm er experimentelle Versuche zur Kupferbehandlung der Tuberkulose bei Lungen- und Hauttuberkulose und veröffentlichte seine Erkenntnisse in den Beiträgen zur Klinik der Tuberkulose und spezifischen Tuberkulose-Forschung.

Vom 1. Oktober 1913 bis zum 1. Juni 1914 war Eggers im Pathologisch-Anatomischen Institut der Stadt Magdeburg tätig. Dort, unter Professor Gustav Ricker, beschäftigte er sich mit Tierexperimenten zur Kupferbehandlung der Tuberkulose.

Chirurgische Ausbildung und Kriegserlebnisse

Am 1. Juli 1914 trat Hartwig Eggers als chirurgischer Assistent bei Geheimrat Garrè im St.-Johannes-Hospital in Bonn ein – zeitlich zusammenfallend mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die folgenden Jahre sollten seine chirurgische Praxis nachhaltig prägen. Beim Kriegsausbruch blieb er als einziger Assistent im Hospital zurück und übernahm damit eine außergewöhnlich verantwortungsvolle Position. Unter der Anleitung von Walter Capelle, dem Oberarzt der Klinik, gelangte er schnell zu großer Selbstständigkeit nicht nur im Operieren, sondern auch in allen Fragen der ärztlichen Leitung eines Krankenhauses mit 200 Betten.

Später, wenn Geheimrat Garrè häufiger anwesend war, erhielt Eggers direkte Unterweisungen von diesem. Über fünfzehn Monate hindurch war Eggers ununterbrochen sein Privatassistent und vertrat ihn gelegentlich. Daneben leitete Eggers unter anderem kontinuierlich eine Lazarettabteilung, die ausschließlich mit Kriegsverletzten belegt war.

Im September 1916 wurde Eggers ins Feld kommandiert. Zunächst war er als Truppenarzt bei einer Pionierkompanie in Galizien tätig, später im Westen. Neben der regulären truppenärztlichen Tätigkeit übernahm er in Galizien während einer Fleckfieberepidemie die Seuchenbekämpfung innerhalb der befallenen Truppenteile und der Zivilbevölkerung. Durch strenge Maßnahmen, zu denen ihm der Divisionsarzt die Vollmacht erteilte, gelang es Eggers, eine Ausdehnung der Krankheit zu verhindern und damit die Kampffähigkeit der Division zu bewahren. Diese Leistung wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

Von April 1917 bis zum Kriegsende gehörte Eggers als Chirurg einer neu aufgestellten Armeesanitäts-Kompanie an. Er nahm an lang dauernden Stellungskämpfen teil, die reichliche Gelegenheit zu exakter Kriegs-chirurgischer Tätigkeit gaben, sowie an mehreren großen Schlachten, darunter die Schlacht an der Aisne, die Schlacht am Chemin des Dames und die Frühjahrsoffensive im März 1918. Die Lehren aus seiner chirurgischen Tätigkeit während des Stellungskrieges fasste Eggers zur Veröffentlichung zusammen.

Nach Beendigung des Ersten Weltkriegs

Nach seiner Hochzeit 1918 erhielt er eine Assistentenstelle am Diakonissenhaus Bethanien in Berlin unter Geheimrat Max Martens (1869–1932)[2], die er von Januar bis 31. März 1919 innehatte.

Seit 1. April 1919 arbeitete Hartwig Eggers als Assistenzarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik in Rostock. Diese Position markierte seinen Übergang zur akademischen Medizin. Vom 1. Januar bis 30. September 1920 war ihm die Leitung der hiesigen Universitäts-Poliklinik übertragen worden.

Während seiner Zeit in Rostock setzte Eggers seine wissenschaftliche Arbeit fort. 1921 verfasste er seine Habilitationsschrift über Studien zur Frage der Entstehung milzähnlicher Neubildungen im subserösen Gewebe des Peritoneums nach Splenektomie, die seinen Forschungsfokus auf die Regeneration der Milz dokumentierte. In demselben Jahr wurde er Privatdozent, 1926 folgte die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor für Chirurgie.

Forschungsaufenthalt in Mexiko

Von 1923 bis 1925 unternahm Eggers einen Forschungsaufenthalt in Mexiko. Diese Erfahrung erweiterte seinen wissenschaftlichen Horizont erheblich und lieferte ihm Erkenntnisse für spätere Arbeiten in der vergleichenden Krankheitsforschung. Die mexikanische Periode stellte eine Bereicherung seines medizinischen Verständnisses durch den Kontakt mit tropischen Krankheitsmustern dar.

Niedergelassene Praxis und Klinische Führung

Ab 1927 ließ sich Hartwig Eggers als Facharzt für Chirurgie in Magdeburg nieder. Diese Phase markierte seinen Übergang von einer primär akademischen zu einer stärker klinisch-administrativen Laufbahn. In Magdeburg baute er eine umfangreiche chirurgische Praxis auf.

Von 1939 leistete Eggers während des Zweiten Weltkriegs erneut Kriegsdienst.

Ab 1945 übernahm er die Leitung der Chirurgischen Abteilung des Krankenhauses Kahlenberg-Stiftung in Magdeburg und wurde später dessen Direktor. Diese Positionen behielt er über Jahre hinweg bei.

Professur für Urologie

Zwischen 1956 und 1958 kehrte Eggers zur akademischen Lehrtätigkeit zurück. Er fungierte als Professor mit vollem Lehrauftrag für Urologie an der Medizinischen Akademie Magdeburg. Diese Spezialisierung auf die Urologie in den späten Jahren seiner Karriere zeigt die Entwicklung seiner klinischen Interessen. 1958 wurde Hartwig Eggers emeritiert, war jedoch noch als Professor mit dem Lehrauftrag für Geschichte der Medizin tätig.

Schriften (Auswahl)

  • Experimentelle Beiträge zur Einwirkung der Röntgenstrahlen auf den Thymus und das Blut des Kaninchens mit besonderer Berücksichtigung der therapeutischen Verwertbarkeit in Fällen von Thymushypertrophie des Menschen. 1913.
  • Studien zur Frage der Entstehung milzähnlicher Neubildungen im subserösen Gewebe des Peritoneums nach Splenektomie. 1921.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Eintrag im Rostocker Matrikelportal
  2. Rolf Winau, Ekkehard Vaubel: Chirurgen in Berlin: 100 Portraits. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2019, ISBN 978-3-11-086856-2 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).