Harriette Beanland

Harriette Mary Beanland (* 5. November 1866 in Chester, Cheshire; † 2. März 1922 in Australien) war eine englisch-britische Textilarbeiterin und Suffragette.[1]

Leben

Beanland war die Tochter von Bolton Beanland und Emma Saword. Ihr Vater, der ursprünglich aus Colne in Lancashire stammte, stand im Dienst der britischen Armee und war an ihrem Geburtsort Chester während seiner Versetzung von Jamaika nach Gibraltar temporär stationiert. Er starb im Alter von 33 Jahren. Ihre Mutter verstarb 1876, im Alter von 38 Jahren, sodass Beanland mit zehn Jahren zur Waise wurde. Beanland stand daraufhin unter der Obhut ihres Onkels Emmett Beanland in Gibraltar. Sie führte ein umfangreiches Tagebuch, das sich auf die Jahre ihres Aufenthalts in Gibraltar bezieht.[2]

Beanland arbeitete später als Textilarbeiterin in Nelson, Lancashire, nachdem sie nach England zurückgekehrt war, um näher bei der Familie ihres Vaters zu leben.[3] Dort lernte sie Selina Cooper kennen und wurde eine enge Freundin. Als Armenpflegerin (Poor Law Guardian) für die Stadt Nelson kümmerte sie sich um die finanzielle Unterstützung der Ärmsten im Rahmen der Armengesetzgebung.[4]

Sie wurde Mitglied der Independent Labour Party (ILP). Im Jahr 1906 unterzeichnete Beanland das Manifest der ILP zugunsten des Frauenwahlrechts.[4] Sie trat der Nelson & Clitheroe Suffrage Society bei, zusammen mit Mary Atkinson und Margaret Aldersley, sowie der National Industrial and Professional Women’s Suffrage Society. Sie wurde Sekretärin des Zweigs der Women’s Labour League in Nelson im Jahr 1900, bis dieser ein Jahr später aufgelöst wurde.[5] Sie wurde MItglied der Women’s Social and Political Union (WSPU).

Als die WSPU zu Beginn des Ersten Weltkriegs ein Stillhalteabkommen zur Unterstützung der Krieganstrengungen schloss, brach sie mit der WSPU. Sie sandte einen Brief an die Anführerin des Nelson-Zweiges, in dem sie die Unterstützung verurteilte:

[It gives] the erroneous impression that countries are at war with each other. They are not. Their governments, composed of men and responsible only to the men of each country and backed by the majority of men who have caught the war and glory fever, have declared war on one another. The women of all these countries have not been consulted as to whether they would have war or not […] If they [men] deliberately shut out women, the peace loving sex, from their rightful share in ruling their countries and Churches, then all the appeals and sentiments and prayers will be of no avail in preventing hostilities. Yours, etc. […] HM Beanland

„[Es vermittelt] den falschen Eindruck, dass Länder miteinander im Krieg liegen. Das tun sie nicht. Ihre Regierungen, bestehend aus Männern und nur den Männern jedes Landes gegenüber verantwortlich, unterstützt von der Mehrheit der Männer, die vom Fieber nach Krieg und Ruhm erfasst wurden, haben einander den Krieg erklärt. Die Frauen all dieser Länder sind nicht gefragt worden, ob sie Krieg wollen oder nicht. […] Wenn sie [die Männer] Frauen – das friedliebende Geschlecht – absichtlich von ihrem rechtmäßigen Anteil an der Führung ihrer Länder und Kirchen ausschließen, dann werden alle Appelle, Gefühle und Gebete nichts bewirken, um Feindseligkeiten zu verhindern. Hochachtungsvoll. […] HM Beanland“

Harriette Beanland[6]

Sie starb 1922 in Australien und wurde von der Society of Friends in Sydney beigesetzt.[7]

Einzelnachweise

  1. Harold Benenson: Patriarchal Constraints on Women Workers' Mobilization: The Lancashire Female Cotton Operatives 1842–1919. In: The British Journal of Sociology. Band 44, Nr. 4, 1993, S. 613–633, doi:10.2307/591413, JSTOR:591413.
  2. Malcolm Beanland: The Diary of Harriet Beanland as a Girl, 1874–1876. In: Gibraltar Heritage Journal. Band 10, 2003.
  3. June Hannam, Karen Hunt: Socialist Women. Britain, 1880s to 1920s. Routledge, London 2012, ISBN 978-1-134-76667-3, S. 34 (google.de).
  4. a b Jill Liddington und Jill Norris: One Hand Tied Behind Us: The Rise of the Women’s Suffrage Movement. Virago, London 1978, ISBN 0-86068-007-X, S. 110, 139, 161, 207, 1234, 269 (archive.org).
  5. Christine Collette: For Labour and for Women: The Women's Labour League, 1906–1918. Manchester University Press, 1989, ISBN 978-0-7190-2591-4 (englisch, google.com).
  6. Jill Liddington: The road to Greenham Common: feminism and anti-militarism in Britain since 1820. Syracuse University Press, New York City 1991, ISBN 0-8156-2539-1, S. 88 (google.com).
  7. In: Sydney, Australia, Cemetery Headstone Transcriptions, 1837–2003.