Harriet Whitney Frishmuth
Harriet Whitney Frishmuth (* 17. September 1880 in Philadelphia, Pennsylvania; † 1. Januar 1980 in Waterbury, Connecticut) war eine amerikanische Bildhauerin. Sie wurde vor allem durch ihre Bronzen mit Darstellungen tanzender Frauen und eleganter weiblicher Akte bekannt.[1]
Leben
Harriet Frishmuth wurde 1880 in Philadelphia geboren. Die Eltern waren beide Ärzte. Nach der Trennung ihrer Eltern zog sie mit ihrer Mutter und ihren Schwestern nach Europa. In der Schweiz begann sie erste bildhauerische Versuche; ihr erstes Werk war eine Büste ihrer Mutter, die sie aus dem Gedächtnis modellierte. Im Alter von neunzehn Jahren schrieb sich Frishmuth in einen Modellierungskurs in Paris ein, den Auguste Rodin alle zwei Wochen besuchte und in dem er Frishmuths Arbeiten lobte. Ermutigt durch ihre Fortschritte wechselte Frishmuth sechs Monate später an die Académie Colarossi, um einen regelmäßigen Unterricht zu erhalten. Nach Studienaufenthalten in Frankreich und Deutschland – bei Cuno von Uechtritz-Steinkirch – kehrte sie in die Vereinigten Staaten zurück.[2]
Nach ihrer Rückkehr studierte sie am Art Students League of New York bei Gutzon Borglum und Hermon Atkins MacNeil. Zudem besuchte sie Kurse in Anatomie und nahm an Präparationsübungen am College of Physicians and Surgeons teil, um ihre Kenntnisse des menschlichen Körpers zu vertiefen. Im Jahr 1910 erhielt sie ihre erste größere Auftragsarbeit: ein Relief für die New York County Medical Society. 1913 bezog sie ein Atelier in Sniffen Court, New York, wo sie viele ihrer bedeutenden Arbeiten schuf. 1916 begegnete Harriet Frishmuth der jugoslawischen Tänzerin Desha Delteil, die ihr Modell und Muse wurde. Desha Delteil war die Inspiration für viele von Frishmuths bekanntesten Werken, darunter Extase (nach dem Musikstück L’Extase von Skrjabin) und The Vine (1923, Bronze, McClung Museum).[3]
Die Weltwirtschaftskrise und sich wandelnde ästhetische Trends wirkten sich negativ auf die Karriere von Harriet Whitney Frishmuth aus. Der wirtschaftliche Abschwung und die sich wandelnden künstlerischen Vorlieben der Sammler stellten sie vor große Herausforderungen. Dies führte zu einem Rückgang ihrer kreativen Produktion, zur Schließung ihres Ateliers im Jahr 1937 und schließlich zu ihrer Rückkehr nach Philadelphia.[3]
1947 lernte Harriet Frishmuth durch einen gemeinsamen Freund Ruth Talcott kennen. Sie wurde ihre Sekretärin, Buchhalterin und schließlich ihre Lebensgefährtin. 1951 kauften sie das erste von zwei Häusern in Connecticut. Harriet Frishmuth verbrachte den Rest ihres Lebens damit, Ausstellungen an der National Academy of Design und der Pennsylvania Academy of the Fine Arts zu organisieren und ihre früher entstandenen Werke zu verkaufen. Über die Jahre hinweg pflegte sie eine enge Beziehung zu ihrer Muse Desha. Wenn Harriet Frishmuth nach Paris und Desha in die Vereinigten Staaten reisten, besuchten sie sich weiterhin gegenseitig. Harriet Whitney Frishmuth starb 1980 im Alter von 99 Jahren in Waterbury, Connecticut. Desha starb sieben Monate später.[3]
Werk
Harriet Frishmuth bevorzugte professionelle Tänzerinnen als Modelle, allen voran Desha Delteil, die mehrfach für sie posierte und ihr Bildrepertoire maßgeblich beeinflusste. Die Zusammenarbeit der beiden Frauen führte zu einer neuen Ausdruckskraft in Frishmuths Skulpturen, in denen sie Bewegung, Leichtigkeit und Körperbewusstsein auf besondere Weise verband. Zu ihren bedeutenden Werken zählt The Vine (1921/1923), eine überlebensgroße Bronze, die vielfach in Bronze gegossen wurde.[4] Weitere bekannte Arbeiten sind Slavonic Dancer (1921), Joy of the Waters (ca. 1920) und Play Days (1923). Frishmuth erhielt mehrere Preise und Auszeichnungen, unter anderem den Julia A. Shaw Memorial Prize für The Vine. Ihre Arbeiten wurden in Institutionen wie dem Pariser Salon (1903), der National Academy of Design, der Pennsylvania Academy of the Fine Arts und der National Association of Women Artists ausgestellt. Ein wichtiger Teil ihres Nachlasses, darunter Fotografien ihrer Werke, Skizzen und Ausstellungskataloge, wird an der Syracuse University in New York aufbewahrt.[5][3]
Literatur
- Brookegreen Gardens, The Sculpture of Harriet Frishmuth. Murrell's Inlet, South Carolina, 1937.
- B.G. Proske: Brookegreen Gardens Sculpture. Murrell’s Inlet, South Carolina, 1968.
- Charles N. Aronson: Sculptured Hyacinths. New York, 1973.
- Janis Connor, Leah Rosenblatt Lehmbeck, Thayer Tolles: Captured Motion – The Sculpture of Harriet Whitney Frishmuth. A Catalogue of Works, New York, Christies/Hohmann Holdings, LLC, 2006.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 5: Dyck – Gémignani. Paris, 2006.
Weblinks
- Nelson-Atkins Museum of Art
- Frank L. Hohmann Collection on Harriet Whitney Frishmuth, Syracuse University Libraries
- Smithsonian American Art Museum: Harriet Whitney Frishmuth
- Metropolitan Museum of Art: The Vine von Harriet Whitney Frishmuth
- Surovek Gallery
- Taylor Graham
- Wolfs
Einzelnachweise
- ↑ Harriet Whitney Frishmuth (1880–1980) – Find a... Abgerufen am 7. Oktober 2025.
- ↑ Harriet Whitney Frishmuth. Abgerufen am 7. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ a b c d Janis Connor, Leah Rosenblatt Lehmbeck, Thayer Tolles: Captured Motion – The Sculpture of Harriet Whitney Frishmuth. A Catalogue of Works. Christies/Hohmann Holdings, New York 2006.
- ↑ Harriet Whitney Frishmuth (American, Philadelphia, Pennsylvania 1880–1980 Waterbury, Connecticut): The Vine. Abgerufen am 7. Oktober 2025 (1921; revised 1923: this cast 1924).
- ↑ Harriet Whitney Frishmuth Papers An inventory of her papers at Syracuse University. Abgerufen am 7. Oktober 2025.