Harriet McIlquham
Harriet McIlquham, auch Harriett und M’Ilquham, geborene Medley (* 8. August 1837 in Tower Hamlets, London; † 24. Januar 1910 in Staverton, Borough of Tewkesbury, Gloucestershire), war eine englisch-britische Autorin, Aktivistin für das Frauenwahlrecht und eine der ersten Frauen in öffentlichen kommunalen Ämtern.[1]
Leben
McIlquham war die Tochter von Edward Medley, Bäckermeister, und Harriet Medley, geborene Sanders. Sie verbrachte ihre frühe Kindheit in London und wuchs in einer liberalen unitarischen Familie auf. Eine liberale Erziehung und die Begegnung mit radikalem Gedankengut führten sie in die Arbeit auf Ortsebene und Themen der fortschrittlichen sozialen Reformen und der politischen Emanzipation der Frau. Nach der Heirat am 23. September 1858 mit James Henry McIlquham (* 1832/3), einem Vermessungsingenieur der Cheltenham Improvement Commissioners, zog die Familie für den Rest ihres Lebens nach Gloucestershire. 1869 erwarb McIlquham ein Anwesen in Staverton, das sie persönlich als landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftete. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Gilbert und Harold, und zwei Töchter, Mary und Harriett.[1][2][3]
McIlquham war ab 1877 Mitglied der Manchester Society for Women’s Suffrage.[1] Sie gehörte auch der Bristol and West of England Society for Women’s Suffrage an und war Gründungsmitglied der Cheltenham Suffrage Society.[2] Als am 7. Dezember 1880 in der Cheltenham Debating Society die Frage „Sollten Frauen ebenso wie Männer mit dem parlamentarischen Wahlrecht ausgestattet werden?“ diskutiert wurde, nahm McIlquham an der Debatte teil. Der Antrag wurde angenommen.[4] Sie organisierte gemeinsam mit Maria Colby die Grand Demonstration zur Unterstützung des Frauenwahlrechts, die am 22. Februar 1881 in Birmingham stattfand.[1] 1890 war sie Delegierte bei einer Kundgebung in der St James’ Hall im Zentrum Londons.[2]
1889 war McIlquham Mitglied der Central National Society und gründete zusammen mit Alice Cliff Scatcherd und Elizabeth Wolstenholme Elmy die Women’s Franchise League (WFL), deren erste Präsidentin sie wurde.[5][6][7] Die WFL war die erste Organisation, die sich ausdrücklich für das Wahlrecht verheirateter Frauen einsetzte.[2] McIlquham sprach bei Treffen der WFL über Themen wie Frauenwahlrecht, Ausbildung und Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen sowie über den Representation of the People Act 1884.[8]
Aufgrund einer Meinungsverschiedenheit mit Ursula Bright innerhalb der WFL spaltete sich die Organisation 1891.[2][9] McIlquham gründete mit anderen 1892 die radikalere Women’s Emancipation Union (WEU) mit und gehörte deren Rat an. Sie war außerdem Mitglied des Cheltenham-Zweigs der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS), arbeitete jedoch auch mit der Women’s Social and Political Union (WSPU) zusammen und spendete für deren Arbeit.[10] 1905 lobbyierte sie gemeinsam mit Sylvia Pankhurst von der WSPU im House of Commons.[2]
McIlquhams enge Freundin Wolstenholme Elmy lehnte zunächst eine Bezahlung für ihre Arbeit in der Kampagne für das Frauenwahlrecht ab, doch nachdem ihr Haus 1894 zur Finanzierung ihres Engagements beliehen worden war, organisierten McIlquham und andere Freundinnen von Wolstenholme Elmy einen Fond, um ihr wöchentlich 1 Pfund zu zahlen. McIlquham war Treuhänderin dieses Fonds.[11]
McIlquham wurde im April 1881 zur Poor Law Guardian für Boddington im Rahmen der Armengesetzgebung für Tewkesbury gewählt – die erste verheiratete Frau, die dieses Amt im Land bekleidete.[3][12] Sie besiegte ihren männlichen Konkurrenten Henry Arkell mit 48 Stimmen.[2][3] Ihre Qualifikation für das Amt wurde infrage gestellt, doch da sie Eigentum in ihrem eigenen Namen besaß, scheiterte die Anfechtung. Sie nutzte diese Erfahrung für ihr weiteres Engagement und interessierte sich besonders für die politischen Rechte verheirateter Frauen.[13] McIlquham war dreizehn Jahre lang Armenpflegerin[2] und gehörte auch dem Finanzausschuss des Tewkesbury Board of Guardians an.[3]
Darüber hinaus wurde McIlquham Poor Law Guardian der Gemeinde Staverton, erste Vorsitzende des Staverton Parish Council und stellvertretende Vorsitzende des Boddington School Board sowie anderer lokaler Gremien.[1] 1889 kandidierte McIlquham erfolglos als liberale Kandidatin für die Cheltenham-Division des Gloucestershire County Council und erhielt 3 % der Stimmen.[14] Sie ermutigte andere Frauen, sich als Kandidatinnen für Kommunalwahlen aufstellen zu lassen.[2]
Im Januar 1883 schrieb McIlquham einen Brief an die Presse, in dem sie das Personal der örtlichen Irrenanstalt kritisierte, basierend auf einem Bericht des Besuchsausschusses und Informationen eines entflohenen Insassen.[3]
McIlquham veröffentlichte Broschüren auf Grundlage ihrer Vorträge, darunter The Enfranchisement of Women: An Ancient Right, A Modern Need im Jahr 1892. Außerdem verfasste sie eine Reihe von Essays zur Geschichte des Feminismus für die Westminster Review.
McIlquham starb 1910 im Alter von 72 Jahren an Herzversagen, Influenza und Bronchitis.[2] Ihr Tod ereignete sich nur wenige Stunden, nachdem ein Vortrag vor ihr über den Dichter Robert Williams Buchanan in der Cheltenham Ethical Society verlesen worden war.[15] In Nachrufen wurde sie als „unermüdliche Kämpferin für die Rechte ihres Geschlechts“ beschrieben.[14]
Die Papiere von Harriet McIlquham sind im Women’s Library Archiv an der London School of Economics and Political Science aufbewahrt.[10]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- The Enfranchisement of Women: An Ancient Right, a Modern Need. Women's Emancipation Union, London 1892.
- Early Writers on the Woman Question. In: Westminster Review. September 1902, S. 312–320 (google.com).
- Women’s Suffrage in the Early Nineteenth Century. In: Westminster Review. Februar 1903, S. 539–551 (google.com).
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Linda Walker: McIlquham [M’Ilquham; née Medley], Harriett (1837–1910). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/41213.
- ↑ a b c d e f g h i j Linda Pike: Harriett McIlquham (1837–1910), Petitioner and local politician. In: Maggie Andrews und Janis Lomas (Hrsg.): Hidden Heroines: The Forgotten Suffragettes. The Crowood Press, Ramsbury 2018, ISBN 978-0-7198-2762-4, Kap. 3 (google.com).
- ↑ a b c d e Jennifer Slack: Harriet McIlquham (1837–1910). In: Tewkesbury People and Connections. Tewkesbury Historical Society, 2006, abgerufen am 18. Dezember 2025.
- ↑ Sue Rowbotham: The Women’s Suffrage Movement in Cheltenham, 1871–1914. In: Cheltenham Local History Society. Band 31, 2015, S. 5, (3–18) (org.uk [PDF]).
- ↑ Susan Hamilton: Frances Power Cobbe and Victorian Feminism. Springer, Berlin 2006, ISBN 978-0-230-62647-8, S. 83 (google.com).
- ↑ Maureen Wright: Elizabeth Wolstenholme Elmy and the Victorian Feminist Movement: The Biography of an Insurgent Woman. Manchester University Press, Manchester 2014, ISBN 978-0-7190-9135-3, S. 246.
- ↑ Maroula Joannou und June Purvis: The Women's Suffrage Movement: New Feminist Perspectives. Manchester University Press, Manchester 1998, ISBN 978-0-7190-4860-9, S. 20.
- ↑ Philippa Levine: Victorian Feminism, 1850–1900. University Press of Florida, Gainesville, FL 2018, ISBN 978-0-8130-6388-1 (google.com).
- ↑ David Doughan und Peter Gordon: Women’s Franchise League. In: Dictionary of British Women's Organisations, 1825-1960. Routledge, London 2014, ISBN 978-1-136-89770-2, S. 166 (google.com).
- ↑ a b Papers of Harriet McIlquham, 1896–1903. In: 7HMC. The Women's Library, LSE, abgerufen am 18. Dezember 2025.
- ↑ Elizabeth Crawford: The Women's Suffrage Movement: A Reference Guide 1866–1928. Routledge, London 2003, ISBN 1-135-43402-6, S. 195 f.
- ↑ Sarah Richardson: The Political Worlds of Women: Gender and Politics in Nineteenth Century Britain. Routledge, London 2013, ISBN 978-1-135-96493-1, S. 97 (google.com).
- ↑ Jacqueline Broad: The Philosophy of Mary Astell: An Early Modern Theory of Virtue. Oxford University Press, Oxford 2015, ISBN 978-0-19-102620-1, S. 22 (google.de).
- ↑ a b Jenni Phillips: The legendary Gloucestershire women who made history. Gloucestershire Live, 16. Januar 2021, abgerufen am 18. Dezember 2025.
- ↑ Mrs. Harriet McIlquham. In: Leamington Spa Courier. 28. Januar 1910, S. 5 (robertbuchanan.co.uk).