Harold Trevenen Hall

Harold Trevenen Hall
Personalia
Geburtstag 30. September 1884
Geburtsort RigaGouvernement Livland
Sterbedatum 2. Februar 1943
Sterbeort Riga, Reichskommissariat Ostland
Position Mittelfeld
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1907 British Football Club
1908 Union Riga
1909–1914 British Football Club
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

Harold Trevenen „Trevy“ Hall (lettisch: Harolds Trevenens Holls; auch Hols geschrieben, * 18. Septemberjul. / 30. September 1884greg. in Riga; † 2. Februar 1943 ebenda) war ein britischer Fußballspieler, -trainer und -funktionär, Unternehmer und Agent des MI6. Hall gilt als Begründer und Wegbereiter des Fußballsports in Lettland.

Karriere und Leben

Harold Trevenen Hall, der in Riga geboren wurde, war der älteste von fünf Brüdern des aus Kent stammenden britischen Generalmajors und Leiters der Iļģuciems-Manufaktur, George Frederick Hatton Hall, und seiner Frau Cordelia Frenda Gryls. Die Familie lebte in Strazdumuiža, einem Stadtteil von Riga und hatte eine Sommerresidenz in Bulduri in der Nähe von Jūrmala. In Bulduri gab es eine große britische Gemeinde. Im Jugendlichenalter wurde Hall nach England geschickt, wo er eine Ausbildung am elitären Internat Radley College in der Nähe von Oxford erhielt. In Radley besuchte Hall die Schule gemeinsam mit Harry Addison, seinem späteren Schwager. Die 1847 gegründete Schule wurde hauptsächlich von Söhnen wohlhabender und gehobener Eltern besucht. Nach seiner Rückkehr nach Lettland übernahm Hall die Leitung der väterlichen Manufaktur. Hall heiratete 1911 Ive Frances Addison, die Tochter von Lucy und William Addison. Das Paar hatte zwei Töchter – Lorna und Rona. Im Jahr 1912 verstarb Vater sein George im Alter von 70 Jahren. 1917 starb seine Ehefrau an der Diphtherie. 1918 wurde Hall zum britischen Vizekonsul im finnischen Terijoki (heute als Selenogorsk zu Russland gehörend) ernannt und trat in den britischen Geheimdienst MI6 ein. Er nahm regelmäßig an Geheimdienstoperationen in Petrograd (heute Sankt Petersburg) und auf finnischem Gebiet teil. Über einen Einsatz im Jahr 1918 in Kronstadt, das durch die Royal Navy zum Überfall auf Kronstadt (englisch: Raid on Kronstadt) führte, gibt es heute ein populäres Buch „Operation Kronstadt“ von Harry Ferguson. Für den Rest seines Lebens blieb Hall dem Geheimdienst verbunden. Seine zweite Ehefrau war Lina (1891–1978). Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entschied sich Hall, in Lettland zu bleiben, viele der Briten, die sich damals in Riga niedergelassen hatten, verließen das Land bereits 1939. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs arbeitete Hall weiterhin für den MI6 und unterhielt enge Kontakte zu Agenten in Schweden und Finnland. Möglicherweise stellte er auch Kontakte zur lettischen Widerstandsbewegung her, direkte Beweise dafür wurden jedoch nicht gefunden. Nachdem das Deutsche Reich während des Kriegs in Lettland einmarschiert war, wurde Hall 1942 zusammen mit anderen britischen Staatsangehörigen in Riga von der Gestapo festgenommen, und fast ein Jahr lang im Zentralgefängnis in Riga inhaftiert. Während dieser Zeit wurde er nach brutaler Folter stark geschwächt, und seine Gesundheit wurde dadurch erheblich beeinträchtigt. Hall wurde im Juni 1942 nach vier Monaten freigelassen. Im Januar 1943 erkrankte Hall an Meningitis und starb einen Monat später im Alter von 58 Jahren. Ein Nachfahre von Hall ist der kanadische Neuropsychologe Ian Q. Whishaw (* 1939).

Im Jahr 2022 enthüllten ein Vertreter des Lettischen Fußballverbands und der britische Botschafter in Lettland Paul Brummell gemeinsam mit Nachkommen der Familie Hall auf dem Lielupe-Friedhof eine Gedenkstätte an der Grabstelle, an der Hall und seine Familie beigesetzt sind.[1]

Fußballspieler

Als „Vater des lettischen Fußballs“ bezeichnet, lernte Hall das Fußballspiel vermutlich während seiner Schulzeit in England kennen. Hall war 1907 einer der Hauptinitiatoren bei der Gründung einer Fußballabteilung beim SV Kaiserwald Riga. Als dies nicht gelang (die Fußabteilung bei „Kaiserwald“ wurde 1909 gegründet), gründete er einen eigenständigen Fußballverein, der 1907 gegründete British Football Club, der auf dem Gelände der Fabrik Salamandra im Rigaer Stadtteil Jugla angesiedelt war und in dem hauptsächlich britische Arbeiter spielten, die in der Baumwollmanufaktur Strazdumuiža und im Stahlwerk Salamandra arbeiteten. Hall war der erste Kapitän dieses Teams, wechselte jedoch bald zu einem anderen Verein – auch im Radfahrerverein Union Riga entstand Interesse am Fußball, und Hall erklärte sich bereit, Kapitän und spielender Trainer des neuen Teams zu werden. Hall selber galt einer der besten Fußballspieler des Landes in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Hall kehrte im Jahr 1911 zurück zum British Football Club und spielte in der Mannschaft bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs.

Fußballfunktionär

Hall war 1907 Gründer und Vorsitzender des ersten lettischen Fußballvereins, dem British Football Club. Zu den Ehren seines verstorbenen Vaters wurde 1912 in Riga der erste Fußballpokal organisiert, der Hutton-Hall-Pokal genannt wurde. Dieser Pokal kann als das erste echte Fußballturnier in Lettland und Riga zu Beginn des Jahrhunderts angesehen werden. In den Jahren nach der Unabhängigkeit Lettlands 1918 war Hall vor allem als Funktionär bekannt. Hall gehörte 1921 zu den Gründungsmitgliedern des Lettischen Fußballverbands (LFF) und war dessen erster Vorsitzender. Später wurde Hall zum Ehrenvorsitzenden des Verbandes ernannt. In dieser Funktion blieb Hall bis 1924, als er zurücktrat, um gegen das Verbot von ausländischen Spielern in den lettischen Meisterschaften zu protestieren.

Einzelnachweise

  1. Atklāta Latvijas futbola pamatlicēja piemiņas vieta. delfi.lv, abgerufen am 10. Januar 2026 (lettisch).