Harnekop (Prötzel)

Harnekop
Gemeinde Prötzel
Koordinaten: 52° 41′ N, 14° 1′ O
Eingemeindung: 1. Januar 1967
Eingemeindet nach: Sternebeck/Harnekop
Postleitzahl: 15345
Vorwahl: 033436

Harnekop, früher zeitweise auch Harnekopf und Harnecop geschrieben, ist ein Ortsteil der Gemeinde Prötzel im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg.

Lage

Harnekop liegt im äußerten Norden der Gemarkung von Prötzel und grenzt im Nordosten an Wriezen an. Westlich der Wohnbebauung befindet sich der Große See; östlich führt die Landstraße 35 von Norden kommend in südlicher Richtung am Ort vorbei. Es handelt sich um eine ehemalige Gutssiedlung, die auf einer wüsten Feldmarkt entstand. Südlich hiervon befindet sich der Flächenname d. kleine Harnekopf, ostsüdöstlich das Etablissement Z.

Geschichte

14. und 15. Jahrhundert

Harnekop wurde bereits 1375 im Landbuch Karls IV. als Kirchdorf Hernekopff, Hernekop mit einer Größe von 50 Hufen erwähnt. Davon besaß der Pfarrer vier Hufen. Den von Platen zu Prötzen und Harnekop gehörten von vor 1375 bis 1616 insgesamt 12 ½ Hufen sowie die Ober- und Untergerichtsbarkeit, das Kirchenpatronat, die Straßengerichtsbarkeit sowie 2/3 Acker (1517) und ein Wohnhof (1552). Im Dorf lebten außerdem die Familie Cleptow, die im Jahr 1375 insgesamt ebenfalls 12 ½ Hufen besaßen; hinzu kam die Familie von Brunke mit weiteren 25 Hufen. Vor 1493 besaß die Familie Pfuhl in zu Harnekop ein Drittel des Dorfes. Ihr Anteil ging 1493 an die Familie Dahme zu Sternebeck; hinzu kam die Ober- und Untergerichtsbarkeit. Außerdem besaßen sie eine freie Schäferei und das Recht, die Felder von Harnekop zu nutzen. Sie besaßen außerdem 1/3 am Streitland und Richteland (1493) bzw. 1/3 Acker (1517) bzw. über 1/3 wüste Feldmark mit Schäferei, 20 Hufen, 1/3 See (1518, 1543). Dieser Anteil fiel 1671 an die Familie Hammerstein. Eine Schäferei der Dame zu Sternebeck auf der Feldmark Harnekop wurde 1493 erwähnt.[1]

16. und 17. Jahrhundert

Im Jahr 1539 erschien der Wohnhof der Familie Platen zu Harnekop in den Akten. Im Jahr 1580 existierte nach wie vor die Schäferei mit einem Pachtschäfer. Die Schreibweise des Dorfes erschien im Jahr als 1599 als auf Harnikopff.[1]

Im Jahr 1600 gab es keine Pfarrhufen mehr. Der Pfarrer erhielt eine Wispel 10 Scheffel Meßkorn von den Junkern und Kossäten.[2] Im Jahr 1616 ging der Anteil der Familie von Platen an die von Blumenthal, die 1671 auch den von Dameschen Anteil übernahmen. Er lag von 1672 bis 1691 wiederverkaufsweise bei der Familie Hammerstein und kam 1691 bis 1707 in den Besitz des Grafen von Schlieben. Im Dorf lebten im Jahr 1624 fünf Kossäten, ein Pachtschäfer und die Schäferknechte. Aus dem Jahr 1652 sind ein Verwalter mit zwei Knechten und zwei Hausleute überliefert.[1] Harnekop wurde im Dreißigjährigen Krieg annähernd zur Wüstung – Dorf und Dorfkirche Harnekop wurden schwer zerstört.[3] Aus dem Jahr 1678 sind ein besetzter Kossätenhof und vier wüsten Kossätenhöfe überliefern. Es gab außerdem einen Schmied und eine Schäferei.[1]

18. Jahrhundert

Im Dorf lebten im Jahr 1705 fünf Kossäten, der Schäfer mit dem Gesinde sowie vier Hausleute. Es gab außerdem das Rittergut mit der wüsten Feldmark Daberkow.[2] Das Dorf war von 1707 bis 1769 im Besitz der von Kameke, anschließend in den Jahren 1769 bis 1787 im Besitz des Reichsgrafen von Golofkin und anschließend von 1787 bis 1801 wieder im Besitz der von Kameke.[1] Aus dem Jahr 1734 ist ein Buschläufer überliefert; 1745 lebten im Dorf fünf Kossäten, 1776 waren es fünf Kossäten, ein Schäfer und dessen Knechte, ein Hirte ohne Vieh sowie ein Laufschmied.[2]

19. Jahrhundert

Von 1801 bis 1810 war das Dorf im Besitz des Freiherrn von Eckardstein, der es 1810 an die Familie von Beyrich weitergab, die es 1837 an den Grafen von Haeseler verkaufte. Dessen Familie besaß das Dorf bis 1872.[1] Im Dorf und Gut lebten im Jahr 1801 insgesamt vier Ganzkossäten, vier Büdner und 14 Einlieger. Es gab eine Schmiede, einen Krug sowie einen Förster. Die Bewohner betrieben 20 Feuerstellen (=Haushalte). Dorf und Gut bestanden im Jahr 1840 aus 17 Wohnhäusern. Im Jahr 1860 standen im Dorf zwei öffentliche sowie 12 Wohn- und 19 Wirtschaftsgebäude. Im Rittergut standen elf Wohn- und 15 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Brennerei und eine Ziegelei.[1] Das Dorf war 455 Morgen (Mg) groß: 36 Mg Gehöfte mit Gut Harnekop; hinzu kamen 419 Morgen Acker. Das Rittergut war 3605 Mg mit Monchoix groß und bestand zu 42 Mg aus Gartenland, 2251 Mg aus Acker und 1312 Mg aus Waldflächen.

20. Jahrhundert

Zur Jahrhundertwende war das Dorf 113 Hektar (ha), das Rittergut 969 ha groß.[1] Es gab 15 bzw. acht Häuser. Harnekop lag bis 1945 im Landkreis Oberbarnim der preußischen Provinz Brandenburg und unterstand dem Amtsgericht Wriezen. Bekanntester Gutsherr war der Generalfeldmarschall Gottlieb Graf von Haeseler, der hier 1919 starb und die Besitzung von seinem Vater geerbt hatte. Der Gutsbezirk Harnekop wurde 1928 mit der Gemeinde vereinigt und war 1931 insgesamt 1082 ha groß und umfasste 22 Wohnhäuser. Harnekop wurde 1932 Landgemeinde mit dem Wohnplatz Monchoix. Im Jahr 1939 gab es vier land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit einer Größe zwischen 20 und 100 ha; zwei Betriebe waren zwischen 10 und 20 ha, ein Betrieb zwischen 5 und 10 ha groß. Das westlich des Ortes gelegene Schloss Harnekop war in der Zeit des Nationalsozialismus des Generalstabs der deutschen Oderfront.[3] Das Bauwerk wurde im April 1945 gesprengt, und seine letzten Reste wurden 1970 beseitigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 490 ha enteignet und aufgeteilt: 415 ha gingen an 41 Landarbeiter und landlose Bauern. Zwei Hektar gingen an einen landarmen Bauern, 73 ha Ackerland an elf Umsiedler. Im Jahr 1952 gründete sich eine LPG Typ I, die im Folgejahr in eine LPG Typ III überging. Im Jahr 1960 gab es eine LPG Typ III mit 129 Mitgliedern und 873 ha Nutzfläche, die im genannten Jahr mit Sternebeck vereinigt worden war. Harnekop wurde 1965 ein Ortsteil der Gemeinde Sternebeck-Harnekop. Im Jahr 1969 gab es im Dorf die Groß-LPG-Harnekop-Sternebeck sowie das Institut für Forstwissenschaften Eberswalde und die Revierförsterei Harnekop.[2]

Etwa 1,5 km westlich des Ortes, am Ende der Lindenallee im Wald, liegt der Bunker Harnekop. Die in den 1970er Jahren gebauten weitläufigen Bunkeranlagen sollten im Fall eines Krieges als Hauptführungsstelle des Ministeriums für Nationale Verteidigung (MfNV) der DDR dienen.

Postalisch war der Ort zunächst über Sternebeck zu erreichen. 1964 wurde bei der Vergabe der neuen vierstelligen Postleitzahlen die Postanschrift 1311 Harnekop über Bad Freienwalde (Oder) vergeben.

Bevölkerungsentwicklung

Einwohnerentwicklung in Harnekop von 1734 bis 1964
Jahr 1734 1772 1801 1817 1840 1858 1895 1925 1939 1946 1964 1971
Einwohner 79 149 172 147 184 Dorf 83 und Gut 156 (ohne M.) 107 304 220 279 286

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Die Dorfkirche Harnekop ist eine mittelalterliche Saalkirche mit einem kurzen und eingezogenen Chor aus dem Jahr 1831. Im Innern steht unter anderem ein Kanzelaltar aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Commons: Harnekop – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Lieselott Enders (unter Mitarbeit von Margot Beck): Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VI, Barnim. S. 207, Weimar 1980.
  2. a b c d Lieselott Enders (unter Mitarbeit von Margot Beck): Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VI, Barnim. S. 208, Weimar 1980.
  3. a b Philipp Schauer: In Harnekop ist was los: 15 Jahre Förderverein müssen gefeiert werden, veröffentlicht in Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Alte Kirchen – Mitgliederzeitung des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V., Ausgabe November 2025, S. 3.