Harald Mattfeldt

Harald Mattfeldt (* 26. Februar 1943 in Bremen)[1] war Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP).

Werdegang

Mattfeldt studierte Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin von 1962 bis 1967 bei Prof. Andreas Paulsen und bei Prof. Rudolf Schilcher mit dem Abschluss als Diplom-Volkswirt. Von 1967 bis 1968 begleitete er Schilcher als Assistent an die Ruhr-Universität Bochum. Ab 1968 arbeitete er für eine englische Großbank in Johannesburg, International Division als stellvertretender Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung. Nach seiner aufgrund seiner Ablehnung der südafrikanischen Apartheidpolitik erzwungenen Rückkehr in die Bundesrepublik Deutschland wurde er 1970 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Peter Bernholz,[2] Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität Berlin. Hier promovierte er 1972 mit einer geldtheoretisch-empirischen Arbeit zur Geldnachfrage in der Bundesrepublik Deutschland bei Peter Bernholz und Franz Holzheu. In seiner Dissertation untersuchte er die monetaristischen Thesen Milton Friedmans zur Stabilität der Geldnachfrage und kam zu dem Ergebnis, dass diese für die Bundesrepublik Deutschland nicht zutrafen. In späteren Veröffentlichungen setzte er sich kritisch mit einseitigen monetaristischen Positionen als Grundlage einer laissez-faire-Wirtschaftspolitik auseinander und wies dabei auch auf deren soziale und politische Folgen hin. Ab 1973 war er Professor für Geld und Währung an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin,[3] heute Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin).

Die Habilitation erfolgt 1974 bei den Professoren Peter Bernholz, Franz Holzheu und Norbert Andel an der Technischen Universität Berlin. Anschließend war er Privatdozent an der TU Berlin. Ab 1977 war er ordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg. Mattfeldt hat sich intensiv mit der Wirtschaftstheorie von John Maynard Keynes sowie mit den Themen Geld und Währung, Verteilung und Arbeitsmarkt beschäftigt.[4][5]

Nach der ersten freien Volkskammerwahl in der DDR im März 1990 war er bis zur deutschen Wiedervereinigung im Wirtschaftsministerium der DDR als volkswirtschaftlicher Berater tätig.[6]

Mattfeldt hat dem deutschen Publikum eine Werkauswahl von teilweise nicht so bekannten Veröffentlichungen von Keynes zugänglich gemacht sowie sie hinsichtlich ihrer wirtschaftspolitischen und politischen Implikationen kommentiert. Die Festschrift zu seinem 60. Geburtstag heißt folgerichtig auch „Keynes heute“.

Am Department für Wirtschaft und Politik (DWP; ehemals HWP), seit 2009 Fachbereich Sozialökonomie an der Universität Hamburg leitete er den neuen und gerade zertifizierten Masterstudiengang für Sozialökonomische Studien. Im Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien (ZÖSS) arbeitete er über die Profitrate und das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate.[7]

Zitat

„Das Theoriegebäude des Monetarismus und die darauf aufbauenden wirtschaftspolitischen Ratschläge waren die größten theoretischen und wirtschaftspolitischen Fake-News des 20. Jahrhunderts.[8]

Veröffentlichungen

Bücher

  • Das Geldmengenproblem. Empirische Untersuchungen in der Bundesrepublik Deutschland. 1973, ISBN 3-87061-081-6.
  • Kommentierte Werkauswahl zu Keynes. VSA, 1985, ISBN 3-87975-297-4.
  • mit Rudolf Hickel: Millionen Arbeitslose! Streitschrift gegen den Rat der Fünf Weisen. Eine Bilanz nach zwanzig Jahren. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1983, ISBN 3-499-15338-6.
  • mit Alfred Oppolzer und Udo Reifner (Hrsg.): Ökonomie und Sozialstaat. Leske + Budrich, Opladen 1998, ISBN 3-8100-2135-0.
  • Wirtschaftspolitik und Arbeitnehmerinteressen. Zum 100. Geburtstag von John Maynard Keynes. Fachverlag für Sozialwissenschaften, 1986, ISBN 3-923826-06-0.
  • mit Rudolf Hickel: Millionen Arbeitslose. Rowohlt TB-V., Reinbek 1986, ISBN 3-499-15338-6.
  • mit Rudolf Hickel und Klaus Peter Kisker: Politik des Kapitals, heute. VSA, 2000, ISBN 3-87975-777-1.
  • Jahrbuch für Politik und Gesellschaft in Sachsen-Anhalt, 2000–2006. Mitteldeutscher Verlag, 2000 ff
  • Herbert Schui, Holger Paetow (Hrsg.): Keynes heute, Festschrift für Harald Mattfeldt. VSA, 2003, ISBN 3-89965-019-0.

Diskussionspapiere zur Profitrate

  • Tendenzieller Fall der Profitrate? Zur Makroökonomischen Rentabilitätsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland. (= Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien). Hamburg 2005, (epub.sub.uni-hamburg.de)
  • Die gesamtwirtschaftliche Liquiditätsklemme der DDR-Wirtschaft. Makroökonomische Anmerkungen zum 15. Jahrestag der deutsch-deutschen Währungsunion (= ZÖSS Discussion Paper. Nr. 2). Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Hamburg 2005.
  • mit Nikolaus Dinkelacker: Trend- und Komponentenanalyse der Profitrate für Deutschland von 1850 bis 1913. (= Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien). Hamburg 2005, (wiso.uni-hamburg.de)
  • Lange Welle oder tendenzieller Fall? Marx' Profitratenfallgesetz als halber Kondratieff. (= Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien). Hamburg 2006, (wiso.uni-hamburg.de)
  • Zur Methode der Profitratenbestimmung. Anmerkungen zur Empirie der 'säkularen Entwicklung der Kapitalrentabilität'. (= Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien. Discussion Paper No. 01). Hamburg 2006. (wiso.uni-hamburg.de)

Aufsätze (Auswahl)

  • mit F. Holzheu: Spiegelbild von Widersprüchen - Hat der Sachverständigenrat im Hinblick auf eine kritische Zieldiskussion versagt? In: R. Molitor (Hrsg.): Zehn Jahre Sachverständigenrat. (= Wirtschaft Aktuell). Frankfurt am Main 1973, S. 33 ff.
  • Zum Problem der wissenschaftlichen Politikberatung am Beispiel des Gesamtindikators des Sachverständigenrats. In: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. 129. Band, Heft 4, 1973, S. 634.
  • Keynesianismus, Monetarismus und Demokratie. In: Das Argument. 26. Jahrgang, Heft 145, 1984, S. 391.
  • Linker Antikeynesianismus. In: Das Argument. 26. Jahrgang, Heft 148, 1984, S. 898 ff.
  • Aspekte Hamburger Wirtschaftswissenschaften im Nationalsozialismus. In: E. Krause, H. Huber, H. Fischer (Hrsg.): Hochschulalltag im „Dritten Reich“ - Die Hamburger Universität 1933–1945. Berlin/Hamburg 1991, S. 991 ff.
  • Politische Ökonomie der Judenverfolgung. In: Sozialismus. 15. Jg., Heft 1, Januar/Februar 1989, S. 46 ff.
  • mit K. Tonner: Wirtschaftsverfassung und Vierjahresplan. In: Demokratie und Recht. 12. Jg., Heft 3, 1984, S. 265 ff.

Einzelnachweise

  1. Gewerkschaftliche Monatshefte Nr. 11/83, S. 699.
  2. Bernholz, Peter: Grundlagen der politischen Ökonomie. Bd. 1. In: UTB Wirtschaftswissenschaften, Nr. 192. J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1972, ISBN 3-16-333801-1, S. Klappentext.
  3. Mitteilungen und Informationen von Prof. Mattfeldt, Bremen 2023, Mail vom 10. Februar 2023.
  4. Gewerkschaftliche Monatshefte Nr. 11/83, S. 699.
  5. Harald Mattfeldt: VWL an der HWP. In: Björn Engholm, Dieter Koch, Christian Wiechel-Kramüller (Hrsg.): Lernen. Lehren. Leben. Absolventinnen und Absolventen der HWP erinnern sich. Verlag WIEKRA Wissen, Suhlendorf 2022, S. 136–143.
  6. Harald Mattfeldt: Die gesamtwirtschaftliche Liquiditätsklemme der DDR-Wirtschaft: makroökonomische Anmerkungen zum 15. Jahrestag der deutsch-deutschen Währungsunion. ZÖSS Discussion Paper, Nr. 2. In: Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Fachbereich Sozialökonomie, Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien (ZÖSS). Universität Hamburg, 2005, S. 7, abgerufen am 16. Oktober 2025.
  7. Mattfeldt: Lange Welle oder tendenzieller Fall der Profitrate
  8. Björn Engholm, Dieter Koch, Christian Wiechel-Kramüller (Hrsg.): Lernen. Lehren. Leben. Absolventinnen und Absolventen der HWP erinnern sich. Verlag WIEKRA Wissen, Suhlendorf 2022, S. 142