Hans Völter (Pfarrer)
Hans Völter (* 2. August 1877 in Neckargröningen; † 10. November 1972 in Heilbronn-Sontheim), vollständig Johannes Stephanus Benedikt Völter, auch mit anderer Schreibweise Hans Voelter[1][2.1], war ein württembergischer evangelischer Pfarrer.[3][4]
Leben und Wirken
Nach seinem Schulbesuch der Evangelischen Seminare Maulbronn und Blaubeuren trat Hans Völter 1895 in das Evangelische Stift Tübingen ein und studierte bis 1900 Evangelische Theologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Es folgte seine erste theologische Dienstprüfung und ab 1901 die Tätigkeit als Vikar der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Tätigkeit als Vikar bzw. Stadtvikar führte ihn bis 1908 nach Wain bei Biberach/Riß, Heilbronn, Schwenningen und Talheim bzw. Horkheim bei Heilbronn sowie Esslingen am Neckar, unterbrochen von einer weitläufigen Studienreise (1903/4) und der zweiten theologischen Dienstprüfung. Bis 1917 arbeitete er dann als Pfarrer in Baiereck-Schlichten bei Schorndorf und bis 1923 als Stadtpfarrer in Bietigheim. Von 1919 bis 1924 war er Mitglied der Landeskirchenversammlung. Bis 1939 amtierte er als erster Stadtpfarrer an der Friedenskirche in Heilbronn. Schließlich versah er bis 1947 das Amt des Dekans für den Kirchenbezirk Brackenheim. Als Pfarrer beschäftigte sich Völter vor allem mit sozialen und diakonischen Problemen seiner Gemeinden. Wichtig war für ihn der intensive Kontakt mit der Arbeiterschaft. Er stand der Sozialdemokratie nahe[5] und betätigte sich auch durch eine Reihe von Veröffentlichungen.
Im Jahre 1957 wurde ihm von Bundespräsident Theodor Heuss in Brackenheim das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.[6.1]
Einer seiner Mitschüler in Maulbronn war Hermann Hesse, mit dem er zeit seines Lebens in Kontakt blieb. Die Freundschaft verarbeitete Hesse in seiner Erzählung „Unterm Rad“.[6.2][7]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Die deutsche Volkshochschule. In: Hans Völter (Hrsg.): Schwäbische Heimatgabe für Theodor Haering zum 70. Geburtstag. Salzer, Heilbronn 1918, S. 190–199.
- Hrsg.: Schleiermacher und die Gegenwart. Fünf Vorträge. Salzer, Heilbronn 1919 (Digitalisat).
- Hrsg.: Friedrich Schleiermacher: Deutscher Glaube. Worte Schleiermachers an das deutsche Volk. Eine Gabe des deutschen Südens an den Norden. Verlag für Volkskunst Keutel, Stuttgart 1920 (Digitalisat)
- Wenn Du könntest glauben! Salzer, Heilbronn 1933.
- Hrsg.: Ernstes und Heiteres aus dem Leben des Schulmeisters Christof Erhard Michael Völter in Metzingen 1772–1849. Kohlhammer, Stuttgart 1939.
- Friedrich Naumann und der deutsche Sozialismus. Salzer, Heilbronn 1950.
- Die evangelisch-soziale Bewegung und der Bietigheimer Tag. Der evangelisch-soziale Kongreß und die württembergische evangelisch-soziale Vereinigung. In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte, Bd. 59 (1959), S. 3–91.
- Lebensgefühl und Lebensschicksal der alten Generation. Erinnerungen an die Jahrhundertwende. Vortrag vor jüngeren Freunden 1958. In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte, Bd. 59 (1959), S. 171–187.
- Die Revolution von 1918 und ihre Auswirkung auf die württembergische evangelische Landeskirche. In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte, Bd. 62 (1962), S. 309–341.
- Demokratie, Marxismus, Sozialismus und evangelische Kirche seit 1848. Theodor Heuss zum Gedächtnis. Kohl, Brackenheim 1968.
Literatur
- Bernhard Müller: „Ganz unter Gott, ganz da für die Menschen“. Hans Völter (1877–1972). In: Christhard Schenk (Hrsg.): Heilbronner Köpfe. Bd. 5. Stadtarchiv Heilbronn 2009, S. 259–284, ISBN 978-3-940646-05-7.
Einzelnachweise
- ↑ siehe unter anderem: Landeskirchliches Archiv Stuttgart: D 12 Sammlung Hans Voelter - Sammlung Hans Voelter (1899-1960). In: Württembergische Kirchengeschichte Online. Abgerufen am 2. November 2025.
- ↑ 100 Jahre Bietigheimer Tag (= Schriftenreihe des Archivs der Stadt Bietigheim-Bissingen. Bd. 13). Archiv der Stadt Bietigheim-Bissingen, Oktober 2021, ISBN 978-3-9812755-6-8 (Digitalisat)
- ↑ Darin: Dietmar Kalusche: Hans Voelter, Initiator des Bietigheimer Tages, S. 10: „Mit der Schreibweise seines Namens geht Voelter selbst ‚großzügig‘ um. In jüngeren Jahren unterschreibt er meist mit „Johannes Völter“. Erst später wechselt er konsequent zu ‚Hans Voelter‘. Eine Begründung für den Wechsel gibt er nicht.“ .
- ↑ Völter, Hans Johannes Stephanus Benedikt. In: leo-bw (mit allen biografischen Daten, abgerufen am 31. Oktober 2025); Hermann Ehmer: Völter, Hans. In: Baden-Württembergische Biographien, Bd. 4 (2007), S. 381–383 (In: leo-bw, ebd.).
- ↑ Hans Völter (1877-1972). Abgerufen am 1. November 2025.
- ↑ Palitzsch: Hans Voelter: Auf den Tritt Gottes horchen. In: Palitzsch. 25. Mai 2015, abgerufen am 1. November 2025 (deutsch).
- ↑ Irmhild Günther: Hans Voelter - Dekan in Brackenheim, Begründer des Bietigheimer Tages. Ein Leben im Spannungsfeld zwischen Kirche und Sozialismus. In: Zeitschrift des Zabergäuvereins. Heimatblätter aus dem Zabergäu. Heft 4, Jahrgang 1991, ISSN 2568-1648, ISSN 3053-4194, S. 63–71.
- ↑ Kalliope | Verbundkatalog für Archiv- und archivähnliche Bestände und nationales Nachweisinstrument für Nachlässe und Autographen. Abgerufen am 1. November 2025.