Hans Taubken
Hans Taubken (* 8. September 1943 in Minden; † 2. September 2015 in Münster)[1] war ein Germanist und Mundartforscher, der sich insbesondere der Niederdeutschen Sprache widmete.
Leben
Nach der Mittleren Reife und einer Lehre als Maschinenschlosser in seiner Geburtsstadt Lingen holte Hans Taubken auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur am Overberg-Kolleg in Münster nach. Danach begann er 1968 ein Studium der Germanistik und Geographie in Münster mit dem Ziel Gymnasiallehrer zu werden. Nach dem Staatsexamen 1973 wurde er wissenschaftlicher Referent in der Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). Dort arbeitete er an dem Groß-Projekt der Erstellung des Westfälischen Wörterbuchs mit. 1979 wurde er von der Universität Münster mit einer Dissertation über Die Geschichte der Schriftsprache in der ehemaligen Grafschaft Lingen promoviert. Seit 1990 war Hans Taubken der Geschäftsführer der Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens.
Taubken schrieb über seine Hinwendung zur westfälischen Namenforschung: „Als Student mit dem Ziel des Lehramtes an Gymnasien war mein Studium zum größten Teil auf die Schule hin konzipiert. Eine Wende bedeutete für mich das Angebot eines meiner akademischen Lehrer, über die wechselhafte Sprachgeschichte der Grafschaft Lingen vom Niederdeutschen zum Niederländischen und schließlich zum Hochdeutschen zu promovieren. Als mir dann noch eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am großlandschaftlichen Westfälischen Wörterbuch in Münster angeboten wurde, fiel mir der Entschluß leicht, mich künftig beruflich ganz der niederdeutschen Sprache und Literatur zu widmen.“[2]
1978 übernahm Taubken einen Lehrauftrag für die niederdeutsche Sprache und Literatur im Fachbereich 3 (Sprache und Literatur) der damaligen Gesamthochschule Paderborn. 1992 verlieh die Gesamthochschule Paderborn ihm eine Honorarprofessur. Er lehrte in Paderborn bis 2008.[3]
Taubken war Mitglied in der 1983 gegründeten „Augustin Wibbelt-Gesellschaft“ und Redakteur des Jahrbuches der Gesellschaft. Im Frühjahr 1985 übernahm er die editorische Bearbeitung der neuen auf 22 Bände angelegten Wibbelt-Edition, die er bis zu seinem Tod fortsetzte.[4] Nach 35 Jahren Tätigkeit in der Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens wurde er 2008 pensioniert.
Schriften (Auswahl)
Als Verfasser
- Niederdeutsch, Niederländisch, Hochdeutsch. Die Geschichte der Schriftsprache in der Stadt und in der ehemaligen Grafschaft Lingen vom 16.–19. Jahrhundert. (Dissertation Münster 1979/80). (= Niederdeutsche Studien, 29). Böhlau, Köln und Wien 1981.
- Die Kämmereirechnungen der Stadt Lingen von 1549 bis 1567. Faksimile, Edition, Übersetzung. Burgtor-Verlag, Lingen 1982.
- Die Wissenschaft vom Platt (autobiographischer Bericht, wie er zur Westfälischen Mundartforschung kam): In: Theo Mönch-Tegeder, Bernd Robben (Hrsg.): Wat, de kann Platt? Emsländer und Grafschafter über ihre Mundart. Mönch & Robben, Emsbüren 1998, S. 255–256 (online, Watt-up-Platt.de, abgerufen am 13. Dezember 2025).
- Niederdeutsche Sprache – westfälische Mundarten. (Erschienen in Westfalen regional, herausgegeben von Heinz Heineberg unter Mitarbeit von Horst Pohlmann und Markus Wieneke, Band 35 der Reihe Siedlung und Landschaft in Westfalen.) 2007 (Web, PDF)
Als Herausgeber
- Bernhard Garmann: Plattdeutsche Sprichwörter, Redensarten und Bauernregeln aus dem Emsland. Bearbeitet und herausgegeben von Hans Taubken. Heimatverein für das Lingener Land, Lingen 1978.
- mit Heinrich Book: Hümmlinger Wörterbuch auf der Grundlage der Loruper Mundart. Emsländischer Heimatbund, Sögel 1993, ISBN 3-88077-127-8.
- 2., durchgesehene und erweiterte Aufl. 1998, ISBN 3-88077-135-9.
- 3., wiederum durchgesehene und erweiterte Aufl. 2006, ISBN 3-88077-142-1.
- Die Beschrivinge der Niedergrafschaft Lingen. Ein landesherrliches Einkünfteverzeichnis aus den Jahren 1555 bis 1592 . (= Quellen und Forschungen zur Lingener Geschichte, 2). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 1999, ISBN 3-89534-307-2.
- Augustin Wibbelt: Gesammelte Werke in Einzelausgaben.
- Band 20: Kleinkraom. Vertellsels in mönsterländsk Platt. Edition Heckmann im Landwirtschaftsverlag, Münster 1999, ISBN 978-3-89534-020-8.
- Band 22, Teilband 1: Wat de aolle Drüke-Möhne daoto segg. Münsterländisches aus dem „Ludgerus-Blatt“ 1891–1896. Edition Heckmann, Münster 1997, ISBN 3-7843-2838-5; 2., durchgesehene Aufl. 2014: Edition Heckmann im Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld, ISBN 978-3-89534-822-8.
Literatur
- Literatur von und über Hans Taubken im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Peter Hansen: Die niederdeutsche Literatur. Autoren und mehr, darin: Hans Taubken (Bibliographie seiner Schriften, und zwar in Niederdeutsch und über Niederdeutsch).
Weblinks
- Prof. Dr. Hans Taubken, langjähriger Professor für Niederdeutsche Sprache und Literatur an der Universität Paderborn, verstorben, Universität Paderborn, Pressemitteilung vom 7. September 2015.
- Prof. Dr. Hans Taubken geht nach 35 Jahren bei der Kommission für Mundart- und Namenforschung in den Ruhestand, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Pressemitteilung vom 2. Oktober 2008.
- Kurzbiografie Hans Taubken, auf der Webseite der Rottendorf-Stiftung.
- Hans Taubken, Prof. Dr. In: Germanisten-Verzeichnis der Universität Erlangen.
- Germanist und Mundart-Forscher Hans Taubken gestorben. Mit Westfalen eng verbunden. In: Westfälische Nachrichten vom 8. September 2015.
Einzelnachweise
- ↑ https://traueranzeigen.noz.de/traueranzeige/hans-taubken
- ↑ Hans Taubken: Die Wissenschaft vom Platt, in: Watt-up-Platt.de, abgerufen am 13. Dezember 2025.
- ↑ Universität Paderborn: Prof. Dr. Hans Taubken, langjähriger Professor für Niederdeutsche Sprache und Literatur an der Universität Paderborn, verstorben, Pressemitteilung vom 7. September 2015, abgerufen am 13. Dezember 2025.
- ↑ Augustin Wibbelt-Gesellschaft: Publikationen, abgerufen am 13. Dezember 2025.