Hans Siewert (Sänger)
Hans Friedrich Franz Siewert (26. November 1872 in Córdoba, Argentinien – 7. März 1941 in Berlin[1]) war ein deutscher Apotheker, Opernsänger (Tenor) und Regisseur.
Leben
Hans Siewert, der Sohn des Chemieprofessors Hermann Siewert[2] der Nationalen Universität Córdoba, kam 1876/77[2] nach Deutschland. Dort studierte er Pharmazie und arbeitete anschließend in Breslau als Apotheker.
Als man dort auf seine schöne Stimme aufmerksam wurde, ließ sich Hans Siewert in Breslau durch den Gesangslehrer Theodor Paul aus Crostau (* 1861) ausbilden. Sein Debüt gab er am Opernhaus Köln 1899. Dort blieb er bis 1903 und ging dann bis 1908 ans Opernhaus Breslau. Von 1909 bis 1911 war er am Stadttheater von Hamburg, von 1911 bis 1916 am Hoftheater von Karlsruhe, von 1916 bis 1917 am Stadttheater von Essen und von 1919 bis 1923 am Stadttheater von Königsberg (Ostpreußen) engagiert. Dort wirkte er vor allem im Charakterfach und später auch als Regisseur.
Gastspiele führten ihn an die Hofopern München (1901), Wien (1904), Dresden (1905) und Stuttgart (1916), Frankfurt am Main (1901), Leipzig (1903) und ans Berliner Theater des Westens (1903). Bereits im Jahr 1932 wurde er Mitglied der NSDAP.[3]
Hans Siewert war auch als Konzert- und Oratoriensänger geschätzt.
1906 heiratete er in Breslau die jüdische Konzertsängerin Frida Siewert (geb. Frida Mathilde Michels, * 1880 Berlin; † 1953). Das Paar hatte eine Tochter, die Journalistin, Schriftstellerin und Sängerin Eva Siewert, die 1907 in Breslau geboren wurde. Die Ehe wurde 1912 in Hamburg geschieden.[4][3] In zweiter Ehe heiratete Hans Siewert 1912 im britischen Dartford die Sängerin Louise „Lou“ Schmidt (* 1882 Frankfurt a. M.; † 1966 Berlin),[5] die eine Tochter, die spätere Schauspielerin Kundry Siewert (1904–1964, verheiratet Wallner-Basté), mit in die Ehe brachte.[6] Mit seiner zweiten Frau zusammen betrieb Hans Siewert nach dem Ende seiner musikalischen Karriere das Erholungsheim „Anker“ in Henkenhagen bei Kolberg, in dem sich der österreichische Journalist und Schriftsteller Hans Kafka (1902–1974) um 1934 zeitweise vor der nationalsozialistischen Verfolgung versteckt hielt.[7]
Hans Siewert starb 1941 im Alter von 68 Jahren im Berliner Krankenhaus Waldfriede an den Folgen einer Rippenfellentzündung. Sein Grab befand sich auf dem Friedhof Zehlendorf.[8] Nach Angaben der Friedhofsverwaltung existiert die Grabstätte, die bereits im Jahr 2008 anderweitig vergeben wurde, heute aber nicht mehr.[9]
Die Stimme von Hans Siewert ist durch sieben sehr seltene Schallplatten-Aufnahmen auf dem britischen Label „Gramophone“ dokumentiert (Breslau 1908).[10]
Weblinks
- Hans Siewert im Bayerischen Musiker-Lexikon Online (BMLO)
- Hans Siewert bei Operissimo auf der Basis des Großen Sängerlexikons
Literatur
- Siewert, Hans. In: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9 (7 Bände). S. 4397.
- Raimund Wolfert, Oranna Dimmig, Claudia Schoppmann (Hrsg.): Damals wurde uns klar, dass Bleiben Lebensgefahr bedeutete. Eva Siewert und Alice Carlé, eine Liebe während der Shoah. Lukas Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-86732-477-9 (= Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Reihe B: Quellen und Zeugnisse, 14).
Einzelnachweise
- ↑ Standesamt Berlin-Zehlendorf, Sterbeurkunde Nr. 218 vom 7. März 1941
- ↑ a b Max Siewert y el origen de la química en Salta (spanisch)
- ↑ a b Raimund Wolfert: Eva Siewert (1907–1994). Kurt Hillers „Schwester im Geiste“. In: Lambda Nachrichten. Band 37, Nr. 162, 1. Mai 2015, S. 48.
- ↑ Standesamt Breslau IV, Heiratsurkunde Nr. 220 vom 17. April 1906
- ↑ Standesamt Berlin-Zehlendorf, Sterbeurkunde Nr. 1792 vom 7. Juli 1966
- ↑ Siewert, Kundry | Frankfurter Personenlexikon. Abgerufen am 19. Oktober 2025.
- ↑ Raimund Wolfert, Oranna Dimmig und Claudia Schoppmann (Hrsg.): Damals wurde uns klar, dass Bleiben Lebensgefahr bedeutete. Eva Siewert und Alice Carlé, eine Liebe während der Shoah (Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Reihe B: Quellen und Zeugnisse, 14). Lukas Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-86732-477-9, S. 64 f.
- ↑ Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 679.
- ↑ Schriftliche Mitteilung durch das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin, Straßen- und Grünflächenamt, TG V 2 -Friedhofsverwaltung-, 14160 Berlin, vom 11. März 2019.
- ↑ The Gramophone Company Discography: Hans Siewert