Hans Mezger (Ingenieur)
Hans Mezger (* 18. November 1929 in Ottmarsheim; † 10. Juni 2020) war ein deutscher Ingenieur und Chef der Motorsportabteilung von Porsche.[1]
Leben
Hans Mezger wurde in Ottmarsheim (damals Oberamt Marbach) als jüngstes von fünf Kindern geboren. Seine Eltern betrieben einen Landgasthof. Kunst und Kultur wurden im Hause Mezger großgeschrieben, aber er begeisterte sich auch für Flugzeuge und das Fliegen. Bis zur 6. Klasse besuchte er das Gymnasium Besigheim, danach bis zum Abitur das Friedrich-Schiller-Gymnasium Ludwigsburg.
Nach einem Maschinenbau-Studium an der Technischen Hochschule Stuttgart mit Abschluss 1956 als Diplom-Ingenieur musste sich Mezger in der Wirtschaftswunderzeit nicht bewerben, sondern hätte unter 28 Stellenangeboten auswählen können.[2] Er wollte jedoch zu Porsche, wo man ihn im Porsche-Diesel Motorenbau für Traktoren unterbringen wollte. Er konnte dann in der Berechnungsabteilung bei Porsche in Zuffenhausen anfangen.
Mezger war schon Ende der 1950er-Jahre an der Entwicklung der Rennmotoren für die Formel 2 und des 1,5-Liter-Achtzylinders im Porsche 804 für die Formel 1 beteiligt, der 1962 mit Dan Gurney zweimal siegreich war. Das Formelwagen-Projekt wurde Ende 1962 eingestellt da zu teuer und fern der Serienproduktion die im Umbruch war. Der erste luftgekühlte Sechszylinder-Boxermotor für den Porsche 911 von 1963, der den simplen VW-Käfer-Vierzylinder-Boxer des 356 sowie den komplizierten Fuhrmann-Motor ablöste und die Basis für die Motorisierung aller folgenden 911er-Generationen bildete, war eine Konstruktion von Hans Mezger.
Ferdinand Piëch, der damalige Chef der Versuchsabteilung, schuf 1965 eine spezielle Motorsportabteilung, deren Leiter Mezger wurde. Porsche konzentrierte sich im Motorsport werksseitig auf Sportwagen-Rennen mit den Modellen 904, 906/910, 908 und 917. Mit dem Porsche 917, den Hans Mezger konstruierte und für den Piëch die Rahmenbedingungen schuf, gewann Porsche 1970 erstmals das 24-Stunden-Rennen von Le Mans und außerdem die Marken-Weltmeisterschaft 1969, 1970 und 1971. Auch in den US-amerikanischen Rennserien CanAm und IMSA konnten Erfolge gefeiert werden.
1972 wurde Mezgers Abteilung im Zuge einer Reorganisation nach Weissach verlegt. Ende der 1970er-Jahre dominierte Porsche mit den 935 die GT und mit dem 936 die Sportwagen-Rennen. Im Herbst 1981 beauftragte McLaren Porsche mit der Entwicklung eines Turbo-Motors für die Formel 1. Der von Mezger entwickelte V6-Motor „TTE P01“ wurde von Mansour Ojjehs TAG finanziert und als „TAG-Porsche“ bekannt. Er gewann 1984, 1985 und 1986 mit Niki Lauda und Alain Prost die Fahrer-Weltmeisterschaft, zweimal die Konstrukteurswertung.
Parallel zur Entwicklung der Rennsportmotoren verantwortete Hans Mezger auch zahlreiche Entwicklungen in Serienfahrzeugen. Zu den wichtigsten gehört die Abgasrückführung in Turboladern, durch die das Turboloch weitgehend vermieden wird.[3] Wenig bekannt ist, dass Hans Mezger als Auftragsarbeit in den 1970er Jahren einen Dieselmotor für Daimler-Benz entwickelte.
Parallel zur Formel 1 waren die Sportwagen 956 C und 962 erfolgreich im Renneinsatz. 1987 stieg Porsche, im zweiten Anlauf nach 1979, mit dem Typ 2708 in die US-amerikanische CART-Serie ein. Mezgers Team entwickelte zunächst Wagen und Motor, Erfolg stellte sich allerdings erst ein, als auf Fahrwerke von March umgestiegen wurde. Teo Fabi konnte ein Rennen gewinnen, bevor sich das Team 1990 aus der Serie zurückzog.
1990 kehrte Porsche mit dem neuen V12-Saugmotor Typ 3512 für Footwork in die Formel 1 zurück. Übergewicht durch Kombination zweier V6-Blöcke, Probleme mit der Ölversorgung und ausbleibender Erfolg führten Mitte 1991 jedoch zum schnellen Ende des Projekts.
Mitte der 1990er-Jahre ging Mezger nach 40 Jahren bei Porsche in den Ruhestand. Er war dem Motorsport immer noch eng verbunden und hielt Vorträge an Universitäten.
Mezger-Motor
Seit 1999 war der Rentner Hans Mezger auch jüngeren Porsche-Sportfahrern ein Begriff denn die kostengünstig produzierten Motoren der 1997 vorgestellten erstmals wassergekühlten 911-Baureihe Porsche 996 erwiesen sich für Motorsportzwecke als wenig geeignet. Für den Renneinsatz in der GT3- bzw. nun GT-Klasse des 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1999 griff Porsche daher „ins Regal“ und verbaute den mit zahlreichen Le-Mans-Gesamtsiegen von 1981 bis 1998 rennsporterprobten „Mezger-Motor“ aus den Turborennwagen von Porsche 936/81, 956C, 962 bis Porsche 911 GT1 als Saugmotorvariante im Porsche 996 GT3. Der bessere der beiden pseudoprivaten Einsatzwagen kam auf Platz 13 ins Ziel, wurde nur durch zwei der stärkeren GTS-Rennwagen geschlagen, und ließ viele Chrysler Viper GTS-R mit 8.0L V10 oder Porsche 993 GT2 mit Turbomotor hinter sich.
Die GT-Modelle des 911 – Porsche GT3 und Porsche GT2 – und Turbo-Modelle der wassergekühlten 911-Baureihe 996 und Baureihe 997 wurden weiterhin mit einem sogenannten Mezger-Motor ausgerüstet. Dieser hat ein zweiteiliges Aluminium-Kurbelgehäuse, das Hans Mezger noch konstruiert hatte, statt des mehrteiligen Kurbelgehäuses der anderen aktuellen Porsche-Autos. Merkmal der mehr in Richtung Motorsport ausgelegten Konstruktion ist unter anderem die verbesserte Ölrückförderung für die Trockensumpfschmierung. Hierdurch ist insbesondere bei den hohen Querbeschleunigungskräften, die mit modernen (Semi-)Slick-Reifen im Rennbetrieb erreicht werden können, die Motorschmierung sichergestellt.
Literatur
- Gordon Wingrove, Hans Mezger: Porsche 917: The Undercover Story. Peter Morgan Media Ltd, 2006, ISBN 0-9549990-2-9.
- Tobias Aichele, Hans Mezger: Porsche 911: Engine History & Development. Motorbooks International, 1999, ISBN 0-7603-0702-4.
Weblinks
- Der Power-Mann - Porträt aus MSa 13/2002 (PDF-Datei)
- Ewig fährt am längsten – Bericht über Mezgers ersten Formel-1-Motor (PDF-Datei; 442 kB)
- Statistik des TAG-Porsche-Motors in der Formel 1
- Eines der letzten (Audio-)Interviews mit Hans Mezger als Podcast (aufgenommen am 22. Oktober 2019)
Einzelnachweise
- ↑ Porsche – Internetseite: Porsche trauert um Hans Mezger. In: www.porsche.com. 11. Juni 2020, abgerufen am 11. Juni 2020.
- ↑ https://www.walter-magazin.de/sport/abschied-von-hans-mezger/
- ↑ Patent DE3145114C2: Arbeitsverfahren einer Kolben-Brennkraftmaschine mit Abgasturbolader. Angemeldet am 13. November 1981, veröffentlicht am 14. August 1985, Anmelder: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Erfinder: Hans Mezger.