Hans Möhring (Typograf)

Hans Karl Gustav Möhring (* 29. November 1894 in Halle/Saale; † 21. Mai 1958 in Ludwigsburg) war ein deutscher Gebrauchsgrafiker, insbesondere Typograf und Buchgestalter.

Leben und Werk

Möhring studierte von 1912 bis 1914 in Leipzig bei Walter Tiemann und Paul Horst-Schulze an der Königlichen Akademie für graphische Künste und das Buchgewerbe. Er wurde dann zum Deutschen Heer eingezogen und nahm am Ersten Weltkrieg teil, wobei er verwundet wurde. Von 1919 bis 1920 setzte er sein Studium in Tiemanns Meisterklasse fort. 1920 war er Buchdrucker in der Buchdruckerei Offizin Pöschel & Trepte in Leipzig. Dann machte er buchkünstlerische Arbeiten wie Entwürfe für Bucheinbände und Schutzumschläge für Verlage, u. a. Philipp Reclam Leipzig, J. C. Hinrichs, Leipzig, und Schaubeck.[1][2] Als Typograf arbeitete er u. a. für die Fachzeitschrift Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgrafik und für weitere Zeitschriften. Später war er Schriftgraphiker für die Schriftgießereien D. Stempel AG Frankfurt a. M., Schriftguß KG Dresden und Genzsch & Heyse in Hamburg. Er entwarf mehrere Schriften.[3] Zu der von Möhring für D. Stempel entworfenen Schrift Elegant Grotesk schrieb das Unternehmen 1929: „Von einem Schriftkünstler entworfen, in dessen Schaffen sich beste klassische Überlieferung mit dem Willen zur Gestaltung im Sinne der Zeit vereinigt zeigt, wirken sie schön und wahrhaftig modern.“[4]

Ab 1925 war Möhring Vorsitzender der Landesgruppe Mitteldeutschland des Bunds Deutscher Gebrauchsgrafiker (B.D.G.)[5] Er war mehrfach Preisträger von Wettbewerben.

Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Möhring zur Wehrmacht eingezogen. Er nahm am Krieg teil und geriet in Kriegsgefangenschaft.

Möhring wohnte in Leipzig-Eutritzsch in der Lothringer Straße (heute Coppistraße) 4. Das Gebäude fiel wohl den Luftangriffen auf Leipzig zum Opfer, und Möhring zog nach Naumburg in die Buchholzstraße 4.

Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft arbeitete Möhring in Naumburg als freischaffender Gebrauchsgrafiker. Er zog Ende der 1949er/Anfang der 1950er Jahre in die Bundesrepublik und arbeitete als Werbegraphiker der Firma für Textilausrüstungsmaschinen Famatex GmbH Kornwestheim. Dann war er in Kornwestheim freiberuflich tätig. Er entwarf nun insbesondere für Zwecke der Innenarchitektur und Dekoration u. a. Glasfenster, Fenstergitter und Treppengeländer sowie Schriftbilder für die Außenwerbung.

Zeitgenössische Rezeption

„…gehört zu der kleinen Gruppe deutscher Gebrauchsgraphiker, die an der neuen Typographie und dem Reichtum neuer Schriften schöpferischen Anteil haben. Dementsprechend ist die typographische Gestaltung von Büchern und Zeitschriften sein hauptsächlichstes Aufgabengebiet.“[6]

Beispiele für typografische Arbeiten

  • Deckblatt der Zeitschrift Gebrauchsgraphik (Heft 12/1926)[7]
  • Werbung für die Rossberg´sche Buchdruckerei Leipzig (um 1929)[8]
  • Mein Leipzig lob ich mir (um 1929)[9]

Ausstellungen (unvollständig)

  • 1947: Leipzig, Museum der bildenden Künste („Buch – Schrift – Werbekunst. Schau des graphischen Schaffens seit 1945“)
  • 1954: Stuttgart (Einzelausstellung zum 60. Geburtstag)

Literatur

  • Julius Zeitler: Hans Möhring. In: Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik 64 (1927), Nr. 1, ISSN 0233-0024, S. 29–37.
  • Hans Möhring. In: Gebrauchsgraphik. International Advertising Art 11 (1934), Nr. 2, ISSN 0016-5743, S. 12–17 (online).
  • Charlotte Fergg-Frowein (Hrsg.): Kürschners Graphiker Handbuch. Deutschland Österreich Schweiz. Walter De Gruyter und Co., Berlin, 1959, S. 119.
  • Möhring, Hans. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 6, Nachträge H–Z. E. A. Seemann, Leipzig 1962, S. 277 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).

Einzelnachweise

  1. SLUB Dresden: Werkansicht. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
  2. SLUB Dresden: Werkansicht. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
  3. SLUB Dresden: Werkansicht. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
  4. Gebrauchsgraphik, 6.1929,9
  5. Handbuch des Kunstmarktes. Kunstadressbuch für das Deutsche Reich, Danzig und Deutsch-Österreich. Antiqua Verl.-Ges. Kalkoff, Berlin, 1926, S. 621
  6. H. K. Frenzel: Hans Möhring. In: Gebrauchsgraphik, 2/1934, S. 12
  7. Gebrauchsgraphik, 12, 1926 - Design Reviewed. Abgerufen am 23. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
  8. SLUB Dresden: Werkansicht. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
  9. SLUB Dresden: Werkansicht. Abgerufen am 23. Oktober 2025.