Hans Lampe (Baumeister)

Hans Lampe (* unbekannt; † 1604 in Braunschweig) war der Baumeister des Gewandhauses in Braunschweig, eines der bemerkenswertesten Renaissancebauten Norddeutschlands.

Leben und Wirken

Lampe war seit 1572 Ratsherr im Weichbild Altewiek und wurde von Ostern 1589 bis 1593 zum Generalbaumeister Braunschweigs ernannt. Damit war er für das Bauwesen in der gesamten Stadt, auch für die Fortifikation zuständig.

Die prunkvolle Ostfassade (1591) von Hans Lampe[1]
Die ältere Westfassade des Gewandhauses von 1589 von Meister Wolter[2] aus Hildesheim[3]

Er war als Bauherr und Architekt für die Neugestaltung des Gewandhauses zuständig. Der erste Umbau des im Laufe der Zeit baufällig gewordenen Gebäudes erfolgte von 1588 bis 1592 nach seinen Entwürfen und unter seiner Aufsicht. Auf ihn geht die Umgestaltung des Ostgiebels (1591 fertiggestellt) als Schaufassade zurück. Bemerkenswert ist, dass sein Zeichen als ein Steinmetzzeichen neben dem Zeichen des Bildhauers Balthasar Kircher, der die Steinmetz- und Steinbildhauerarbeiten zum Teil gemeinsam mit dem Bildhauer Jürgen Röttger ausgeführt hat, im Bauwerk eingeschlagen ist. Er wurde nicht nur als Baumeister, sondern auch als „Kämmerer“ des Weichbilds Altewiek bezeichnet.[4]

Es besteht laut Fritz Nötzoldt eine architektonische Ähnlichkeit mit dem Haus zum Ritter St. Georg in Heidelberg, das 1592 errichtet wurde. Lampe soll durch den Maler und Architekten Hans Vredeman de Vries, der ein Schüler des Architekten Cornelis Floris war, beeinflusst worden sein, der zu jener Zeit zunächst für den Braunschweiger Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel und anschließend in Braunschweig tätig war.[5]

In der Bauzeit der Martinsschule von 1592 bis 1595 trat er wie ein Bauherr auf und zeichnete die Materialbeschaffung und Abrechnungen nachweislich ab. Als Generalbaumeister war er mit Sicherheit nicht nur für das Material und die Bauabrechnung, sondern auch für die Gesamtplanung verantwortlich. Die Steinmetz- und Steinbildhauerarbeiten führte Balthasar Kircher aus. Die Martinsschule wurde im Zweiten Weltkrieg in der Bombennacht des 15. Oktober 1944 zerstört. Von der Martinsschule existiert heute lediglich ein Portal am Eingang zur Aula des Gymnasiums Martino-Katharineums.

Lampe starb 1604 als wohlhabender Besitzer zweier Häuser mit Braugerechtigkeit in der Altenwiek, die schon vor ihm im Besitz der Familie Lampe waren. Dabei handelte es sich bei dem einen um das Haus Dammstraße Nr. 17, ass. Nr. 2143, dessen Besitzer von 1560 bis 1566 Ernst Lampe war. Anschließend bewohnte dessen Witwe das Haus bis 1569 und es war spätestens seit 1573 im Besitz von Hans Lampe, der vermutlich deren Sohn oder mindestens ein enger Verwandter war. Lampe war jedoch kein Angehöriger der Bauhandwerkszunft.[6]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Gustav Glück: Die Kunst der Renaissance in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, etc. Propyläen-Verlag, Berlin 1928, S. 507 und 639 (Textarchiv – Internet Archive – Ansicht um 1928).
  2. Wolter, Baumeister von Hildesheim. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 36: Wilhelmy–Zyzywi. E. A. Seemann, Leipzig 1947, S. 234 (biblos.pk.edu.pl – er soll auch der Baumeister des Hauses zur Rose gewesen sein).
  3. Braunschweig – Gewandhaus. In: Bremen, Niedersachsen. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 1974, ISBN 3-422-00337-1, S. 54 und 363 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
  4. Paul Jonas Meier: Das Kunsthandwerk des Bildhauers in der Stadt Braunschweig seit der Reformation. In: Werkstücke aus Museum, Archiv und Bibliothek der Stadt Braunschweig VIII. S. 26.
  5. Günter Heinemann: Heidelberg. Prestel, München 1983, ISBN 3-7913-0622-7, S. 261–262 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
  6. Karl Steinacker: Hans Lampe, der Schöpfer der Prunkfront des Gewandhauses zu Braunschweig. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen. 86. Jahrgang, Heft 3/4, Lax, Hildesheim 1921, S. 121–134 (Textarchiv – Internet Archive).