Hans Jäger (Schriftsteller)

Hans Jäger (* 5. April 1944 in Chur; † 7. August 1984 in Zürich) war ein Schweizer Schriftsteller. Mit seinem autobiografischen Werk Wenn ich nicht geschrien hätte machte er auf die Missstände in den Schweizer Gefängnissen der 1960er und -70er Jahre aufmerksam.

Leben

Hans Jäger wuchs auf einem Bauernhof im Kanton Graubünden auf. Im Alter von 14 Jahren wurde er von den kantonalen Behörden in ein Kinderheim und bald darauf in die Erziehungsanstalt Platanenhof in Oberuzwil SG eingewiesen.[1] Laut Hans Jägers eigenen Angaben geschah dies, weil sein alkoholsüchtiger Vater ihn häufig als Disziplinarmaßnahme geschlagen habe.[2] Die Familie Jäger bestritt, dass der Vater alkoholsüchtig war und behauptete, dass Jäger aufgrund von Jugenddelikten in ein Heim eingewiesen wurde.[3] Aufgrund von wiederholten Fluchtversuchen wurde Jäger daraufhin zunächst in eine Erziehungsanstalt bei Tessenberg und dann in die Strafanstalt Witzwil versetzt. Dort verbrachte er drei Jahre in administrativer Versorgung, ehe er 1965 als Unverbesserlicher entlassen wurde.[1] In den folgenden zwei Jahren gelang es Hans Jäger nicht, lange frei zu bleiben, und er war immer wieder im Gefängnis, bis er von Ende 1967 bis Februar 1971 als administrativ Versorgter in der Strafanstalt Schällemätteli in Basel interniert war.[1] Auch jetzt blieb er nicht lange frei, da er sich im Oktober 1971 an einem Raubüberfall auf eine Poststelle in Killwangen AG beteiligte.[4] Als Strafe wurde er zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.[5] Während dieser Haftzeit schrieb Hans Jäger sein erstes Buch, die Autobiographie Wenn ich nicht geschrien hätte, die 1975 nach seiner Entlassung erschien. In den folgenden Jahren gelang es Jäger, dem Gefängnis fernzubleiben. Er schrieb drei weitere Bücher, in denen er sich auch vom Thema «Knast» zu entfernen versuchte. Er starb am 7. August 1984 an den Folgen einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung.[6]

Werk und Rezeption

In seinem ersten Buch Wenn ich nicht geschrien hätte verarbeitete Hans Jäger unter anderem seine Erfahrungen, die er im Gefängnis gemacht hatte. So schrieb er vom Leben in Haft, aber auch von seinem Leben in Jugendheimen und den Phasen der Freiheit.[7] Das Buch wurde zum Erfolg und Hans Jäger hielt Lesungen in der ganzen Schweiz. Geschrieben hätte er das Buch nach eigenen Angaben zwar aus «Zeiten grossen Schmerzen» heraus, aber vor allem auch aus Widerstand und um die Missstände in dem Schweizer Vollzugswesens anzuprangern und sie an die Öffentlichkeit zu bringen.[8] Das Buch erschien im Herbst 1975 beim Greno-Verlag in zwei Auflagen. 1980 veröffentlichte Hans Jäger noch eine erweiterte Version im Eigenverlag.[9]

Im Herbst 1976 erschien sein zweites Buch „Wenn ich mein Schweigen nicht gebrochen“, in dem er von seiner Resozialisierung schreibt. Das Buch hatte wesentlich weniger Erfolg als sein Erstling.[10] Auch seine zwei weiteren Werke, „Die Schatten werden länger“ (1978) und Einer der quer liegt (1981) stiessen nicht auf gleich viel Anklang.

Neben seinen Büchern schrieb Hans Jäger auch Hörbücher. Drei davon wurden schon 1974, während er noch inhaftiert war, ausgestrahlt.[8]

Jägers Schreibstil wurde als unbequem, provokant und impulsiv-angriffig, aber ebenfalls als offen, ehrlich und durch einen „gewissen verzweifelten Galgenhumor“ geprägt beschrieben und spaltete die öffentliche Meinung zu seinem Werk und seiner Person.[11]

Wirken

Nach Jägers Aussagen sorgte seine Schilderung des Gefängnislebens dafür, dass sich die Bedingungen in den Vollzugsanstalten teilweise verbessert haben. So soll ein Untersuchungsausschuss dafür gesorgt haben, dass einige Gefängnisböden neu mit Korkböden, statt mit Steinfliesen ausgelegt wurden. Auch wurde das sogenannte „Kübelsystem“, bei dem Inhaftierte für ihren Toilettengang nur einen Kübel bereitgestellt bekamen, abgeschafft. Auch soll sein Buch dabei geholfen haben, dass Inhaftierte bei längerem Aufenthalt eine Bewilligung für einen Sonderurlaub bekommen könnten.[8]

Über das Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit dem Überfall auf die Poststelle in Killwangen AG wurde auch ein Film gedreht. Dieser erschien 1973 unter dem Namen In Sachen Fischer und wurde 1975 vom SRF ausgestrahlt. Im Film wird auch Hans Jägers Leben thematisiert.[9]

Werke

  • Wenn ich nicht geschrien hätte… Aufzeichnungen und Protokolle eines Ausgestossenen. Greno, Heusenstamm 1975.
  • Wenn ich mein Schweigen nicht gebrochen … Über den Schmerz der Strafe. Greno, Obertshausen 1976.
  • Die Schatten werden länger. Selbstverlag, Zürich 1978.
  • Einer der quer liegt. Selbstverlag, Zürich 1981.

Einzelnachweise

  1. a b c Statt Liebe Prügel. In: Die Tat. 30. Januar 1978, abgerufen am 21. September 2025.
  2. Hans Jäger: Wenn ich nicht geschrien hätte, Zürich 1978, S. 11–21.
  3. Protest der Familie. In: Die Tat. 20. Februar 1978, abgerufen am 21. September 2025.
  4. Unfälle und Verbrechen. In: Neue Zürcher Zeitung. 14. Oktober 1971, abgerufen am 21. September 2025.
  5. Zuchthausstrafen für Killwanger Posträuber. In: Neue Zürcher Zeitung. 13. Dezember 1973, abgerufen am 21. September 2025.
  6. Einer der quer lag. In: WOZ Die Wochenzeitung. 13. August 1984, abgerufen am 21. September 2025.
  7. «Wenn ich nicht geschrien hätte». In: Berner Tagwacht. 28. November 1975, abgerufen am 21. September 2025.
  8. a b c Knastliteratur. In: SRF Monatsmagazin. 19. Dezember 1979, abgerufen am 21. September 2025.
  9. a b Wenn ich nicht geschrien hätte... In: Unabhängige Expertenkommission Schweiz - Administrative Versorgungen. 1975, abgerufen am 21. September 2025.
  10. «Am Abgrund». In: Die Tat. 1. Februar 1978, abgerufen am 21. September 2025.
  11. Von den Schatten eingeholt... In: Neue Zürcher Zeitung. 13. August 1984, abgerufen am 21. September 2025.