Hans von Hammerstein-Equord

Hans August Freiherr von Hammerstein-Equord (* 5. Oktober 1881 in Loosdorf; † 9. August 1947 in Micheldorf) war ein österreichischer Schriftsteller und Politiker.

Leben

Hans von Hammerstein-Equord wurde auf Schloss Sitzenthal[1], Marktgemeinde Loosdorf geboren. Er entstammte einem deutschen, in Österreich sesshaft gewordenen Adelsgeschlecht. Sein Vater war Helge Freiherr von Hammerstein-Equord (1833–1893), seine Mutter stammte aus der Familie der Grafen von Stolberg. Er ging in Wien, bei den Jesuiten in Mariaschein in Böhmen sowie in Brixen zur Schule. Sodann studierte er Rechtswissenschaften in Wien, München und Marburg an der Lahn. Am 6. Dezember 1924 heiratete er in Salzburg Anna Christiane Zeleny (1902–1980), der Ehe entstammten die drei Kinder Hans Georg (* 1925), Elisabeth (* 1931) und Franziska-Ulrike (* 1936), verheiratet mit dem deutschen Rechtswissenschaftler Georg Ress.

Als langjähriger Verwaltungsbeamter war Hammerstein-Equord in den 1920er und frühen 1930er Jahren in verschiedenen Landamts- und Bezirksposten tätig; 1923 wurde er Bezirkshauptmann in Braunau. Mit Wirkung vom 1. Januar 1934 wurde er zum Sicherheitsdirektor des Bundeslandes Oberösterreich ernannt und hatte damit die operative Leitung der Polizei- und Sicherheitseinrichtungen dieses Landes inne — eine Funktion, die ihn unmittelbar in die Ereignisse der Februarkämpfe 1934 (Niederschlagung des Schutzbund-Aufstands) und die folgenden Repressionsmaßnahmen gegen die österreichische Sozialdemokratie einband.[2]

Ende Juli 1934 berief Bundeskanzler Kurt Schuschnigg Hammerstein-Equord ins Sicherheitsministerium; er übernahm dort das Amt eines Staatssekretärs mit Zuständigkeit für das Sicherheitswesen. In dieser zentralen Rolle wirkte er an der Zentralisierung und Ausweitung des staatlichen Sicherheitsapparats mit, koordinierte Polizei- und Staatsschutzaufgaben und war gegenüber paramilitärischen Kräften (insbesondere der Heimwehr unter Rüdiger von Starhemberg) tätig, mit dem Ziel, das Gewaltmonopol gegenüber konkurrierenden militärisch-paramilitärischen Machtansprüchen zu sichern. Zugleich gehörte die Bekämpfung der nationalsozialistischen Illegalität zu seinen Aufgaben.[3] Hammerstein-Equord stellte sich eindeutig gegen den Nationalsozialismus. Er blieb dieser politischen Überzeugung Zeit seines Lebens treu.[3]

Unmittelbar nach dem Anschluss wurde Hammerstein zuerst unter Aberkennung seiner Bezüge und später unter deren Kürzung in den Ruhestand versetzt. Ab 1943 musste er Kriegseinsatz in der Bauabteilung des Landratsamtes Kirchdorf leisten. Er wurde am 21. Juli 1944 verhaftet und kam Anfang Mai 1945 in das KZ Mauthausen. Dort entging er wegen des Kriegsendes der vorgesehenen Ermordung. Über die Jahre der Hitlerzeit äußerte er sich: „Tausend Jahre reichen nicht hin, um diese zwölfjährige Schande abzuwaschen.“[4]

Nach Kriegsende wurde Hammerstein mit Wirkung vom 1. Januar 1946 bis zum 31. Dezember 1946 als Beamter reaktiviert, jedoch gleichzeitig krankheitshalber beurlaubt.

Hans Hammerstein-Equord ist mit seiner Gattin Anna auf dem Friedhof von Kirchdorf begraben.[5]

Künstlerische Tätigkeit

Hans von Hammerstein-Equord wollte im Grunde einer dichterischen und schriftstellerischen Tätigkeit nachgehen und deshalb suchte er auch eine ruhige Verwaltungstätigkeit. Schon in der Schulzeit brachte er einen Gedichtband unter dem Pseudonym „Stein“ heraus, was ihm auf der Jesuitenschule in Mariaschein beinahe einen Schulverweis eingetragen hätte. Sein dichterisches Werk entstand zwischen 1911 und 1936 und lässt ihn als einen der Romantik und der nordischen Mythenwelt verhafteten Dichter erscheinen. Hinzu kommen seine autobiographischen Arbeiten, die in der Kriegszeit und danach fertiggestellt wurden. Kulturpolitisch wichtig war seine Unterstützung der Innviertler Künstlergilde, einen durch Hugo von Preen initiierten Zusammenschluss von Künstlern und Schriftstellern, die im Innviertel geboren waren oder dort ihren Wohnsitz hatten. Hammerstein war Gründungsmitglied, Erster Präsident und später Ehrenpräsident dieses Zusammenschlusses. Er stellte auch den Kontakt zu dem in Wernstein im Innviertel lebenden Alfred Kubin her und er unterstützte in dieser Zeit wirtschaftlicher Not durch Ausstellungen und Jahrbücher die Mitglieder der Innviertler Künstlergilde. 1935 bis 1938 war Hans von Hammerstein Präsident des Österreichischen P.E.N.-Clubs.

Politische Tätigkeit

Seine Beamtenlaufbahn begann bei verschiedenen politischen Behörden des Landes Oberösterreich. Nach Ableistung seines „aktiven Zivildienstes“ und des aktiven Militärdienstes vom 1. September 1914 bis zum 1. Mai 1918 wurde Hammerstein Landesregierungssekretär. Am 16. August 1923 wurde er mit der Leitung der Bezirkshauptmannschaft Braunau betraut. 1924 erhielt er den Titel eines Landesregierungsrates durch den Bundeskanzler Seipel verliehen.

Als Bezirkshauptmann von Braunau musste sich Hammerstein-Equord mit den politischen Unruhen von Seiten der extremen Sozialdemokratie, der Nationalsozialisten wie auch der Heimwehr auseinandersetzen. Seine Haltung gegenüber den Nationalsozialisten war geprägt durch erste Erfahrungen als Bezirkshauptmann, die ihn diese Gruppierung als äußerst geschickt und gefährlich agierend erleben ließen. Eine wichtige Rolle spielte Hammerstein-Equord 1934 bei der Niederschlagung des Februaraufstandes der Sozialdemokraten, der in Linz seinen Ausgang genommen hatte. Diskussionswürdig sind auch die von Hammerstein-Equord erwähnten Indizien, dass es bei der Initiierung des Aufstandes in Oberösterreich möglicherweise eine enge Verflechtung zwischen Sozialdemokraten und Nationalsozialisten gegeben habe.[6] Als Sicherheitsdirektor hatte er 1934 auch wesentlich zur Niederschlagung des Juliputsches in Oberösterreich durch die Nationalsozialisten beigetragen und danach sein Amt an Peter Revertera-Salandra übergeben.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1934 wurde Hammerstein zum Sicherheitsdirektor für das Bundesland Oberösterreich ernannt. Bereits nach sieben Monaten wurde ihm am 29. Juli 1934 das Amt eines Staatssekretärs für das Sicherheitswesen durch Bundeskanzler Schuschnigg übertragen. 1936 war er Justizminister. Ab dem 30. November 1936 wurde er Sektionschef im Bundeskanzleramt und zur Dienstleistung dem Bundesministerium für Unterricht zugewiesen. Seine Aufgabe war die eines „Bundeskommissars für Kulturpropaganda“.

Ehrungen

Der Platz der aktuellen Bezirkshauptmannschaft Braunau ist nach ihm „Hammersteinplatz“ benannt.

Schriften

  • Im Anfang war der Mord: Erlebnisse als Bezirkshauptmann von Braunau am Inn und als Sicherheitsdirektor von Oberösterreich in den Jahren 1933 und 1934 (= Studien und Quellen zur österreichischen Zeitgeschichte, Band 3). Herausgegeben von Harry Slapnicka. Oldenbourg, München 1981, ISBN 3-486-50121-6.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Schloss Sitzenthal
  2. Art. Hammerstein-Equord, Hans Freiherr von. In: Deutsche Biographie (online, abgerufen am 17. Oktober 2025).
  3. a b Martina Riepl: Art. Hans Hammerstein-Equord (1881–1947), Beamter, Politiker, Dichter. In: Gedächtnisbuch Oberösterreich.
  4. Hammerstein-Equord, Hans Frh. von. Abgerufen am 28. September 2025.
  5. Harry Slapnicka: Hans von Hammerstein-Equord: Beamter, Politiker, Dichter. In: Hans von Hammerstein: Im Anfang war der Mord: Erlebnisse als Bezirkshauptmann von Braunau am Inn und als Sicherheitsdirektor von Oberösterreich in den Jahren 1933 und 1934. Oldenbourg, München 1981, S. 9–26.
  6. Hans von Hammerstein: Im Anfang war der Mord: Erlebnisse als Bezirkshauptmann von Braunau am Inn und als Sicherheitsdirektor von Oberösterreich in den Jahren 1933 und 1934. Oldenbourg, München 1981, ISBN 3-486-50121-6, S. 115ff.
  7. Gedächtnisbuch Oberösterreich, abgerufen am 17. Oktober 2025.