Hans Eggers (Mediziner)

Hans Eggers (* 20. Dezember 1922 in Lehesten im Kreis Saalfeld; † 30. September 2000 in Rostock) war ein deutscher Mediziner und Hochschullehrer.

Leben

Herkunft und Familie

Hans Eggers stammte aus einem gebildeten Milieu: Sein Vater Wilhelm Eggers (1894–1955) war tätig als Pfarrer, seine Mutter war Fridel, geb. Menzel (1896–1972).

Im Laufe seines Lebens ehelichte Eggers in zweiter Ehe Gudrun (* 20. Juni 1941 in Rostock)[1], die Tochter des Mediziners Günther Haase, die als Professorin für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie an der Universität Rostock arbeitete; aus der Ehe ging eine Tochter hervor.

Jugend und Kriegserfahrung

Eggers absolvierte sein Abitur 1941 in Erfurt und trat anschließend in den Militärdienst ein. Von 1941 bis 1945 diente er in der Wehrmacht, wo er zuletzt den Rang eines Sanitätsunteroffiziers erreichte.

Medizinische Ausbildung und Karriere

Eggers begann sein Medizinstudium 1944 an der Universität Jena, das er ab 1945 an der Universität Marburg fortsetzte und abschloss; 1951 bestand er dort das staatliche Staatsexamen. Seine Dissertation mit dem Titel Untersuchungen über den Verlauf der Tuberkelbazilleninfektion bei der Maus zeigte frühzeitig sein Interesse an infektiösen Erkrankungen und experimenteller Forschung. Diese frühe wissenschaftliche Arbeit verdankte sich einer experimentellen Tätigkeit, die Eggers bereits als Student von 1947 bis 1950 in den Serumwerken Emil von Behring in Marburg ausgeübt hatte.

Die erste berufliche Position führte ihn von 1951 bis 1952 als Pflichtassistent an die Infektionsabteilung des Kreiskrankenhauses Suhl in Thüringen. Ab 1952 wechselte er an die Städtischen Krankenanstalten Erfurt (1954 Umbenennung in Medizinische Akademie Erfurt), wo er zunächst am Institut für allgemeine und spezielle Pathologie tätig war, ehe er sich der Medizinischen Klinik der Medizinischen Akademie Erfurt und dann der Säuglings- und Kinderklinik zuwandte. Die pädiatrische Ausbildung erhielt Eggers an der Kinderklinik der Medizinischen Akademie Erfurt unter der Leitung von Siegfried Liebe (1906–1993)[2]. 1957 erlangte er die Facharztanerkennung für Kinderheilkunde und wurde 1958 zum Oberarzt ernannt.

1959 wechselte Eggers an die Kinderklinik der Universität Rostock, wo er sich endgültig etablierte. Zunächst als Oberarzt tätig, übernahm er ab 1965 die Rolle des 1. Oberarztes und Dozenten. Gleichzeitig war er 1. Vertreter des Klinikdirektors. In dieser Funktion übernahm er die Leitung gleich zweier klinischer Abteilungen: der Abteilung für Neonatologie sowie der Abteilung für soziale Pädiatrie und pädiatrische Poliklinik und er war für die Ausbildung von Pflegepersonal an der Medizinischen Schule verantwortlich.

1965 habilitierte sich Eggers mit einer Arbeit zum Thema Experimentelle Untersuchungen über Beziehungen zwischen körperlicher Entwicklung und psychophysischen Leistungsverhalten in der Reifungszeit.

Im September 1969 wurde Eggers zum kommissarischen Direktor der Kinderklinik ernannt und bekleidete diese Position bis September 1970; im Oktober 1969 erhielt er zusätzlich die Funktion des stellvertretenden Direktors für Erziehung und Ausbildung.

1981 wurde er schließlich zum ao. Professor für Pädiatrie ernannt. Seine Lehrtätigkeit konzentrierte sich auf zentrale pädiatrische Themenbereiche: Neonatologie, Ernährung und Ernährungsstörungen des Säuglings, Säuglingskrankheiten sowie Nieren- und Blutkrankheiten.

Eggers wirkte bis 1988 als aktiver Hochschullehrer und Kliniker. Nach seiner Emeritierung 1988 war er von 1991 bis 1993 als Facharzt in der Kinderklinik und -poliklinik der Universität Rostock tätig.

Wissenschaftliche Schwerpunkte und Publikationen

Als Kliniker widmete Eggers sich vorwiegend drei Themenkomplexen: erstens der Neonatologie im Zusammenhang mit der somatopsychischen Entwicklung von Neugeborenen mit Geburtsbelastungen, zweitens Ernährungsfragen bei Säuglingen und Kleinkindern, und drittens speziellen Problemen der Pubertätsentwicklung bei gesunden Kindern.

Eggers war nicht nur akademischer Lehrer, sondern auch produktiver Wissenschaftler. Er hielt Vorträge an internationalen Konferenzen in Prag, Sofia, Warschau, Moskau, Peking, Shanghai, Wuhan und Kanton. Besondere Bedeutung erlangten seine Arbeiten zur Kinderernährung, die sich mit praktischen Fragen der Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern in institutionellen Einrichtungen befassten.

Unter seiner Verantwortung entstand 1970 das Lehrbuch Grundriss der Pädiatrie, das er redaktionell für den Verlag Volk und Gesundheit bearbeitete und das den Anforderungen der dritten Hochschulreform der DDR Rechnung trug. Weitere bedeutende Publikationen entstanden in Zusammenarbeit mit Fachkollegen und befassten sich mit Themen wie der Ernährung gesunder Kleinkinder und dem Morbus haemolyticus beim Fetus und Neugeborenen.

Um 1980 bearbeitete Eggers neonatologisch-sozialpädiatrische Fragenkomplexe in der Projektforschung in leitender Funktion. Besondere Erfolge erzielte er dabei durch die Kooperation mit sowjetischen Institutionen, insbesondere mit dem 2. Medizinischen Institut und dem Institut für Pädiatrie der Russischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften in Moskau.

Administrative und gesellschaftliche Funktionen

Über seine rein akademische Tätigkeit hinaus bekleidete Eggers mehrere Verwaltungsämter. Von 1965 bis 1976 fungierte er als stellvertretender Klinikdirektor und übernahm ab 1969 zusätzlich die Verantwortung für Erziehung und Ausbildung. Zwischen 1969 und 1970 war er kommissarischer Klinikdirektor und leitete die Abteilung für Neonatologie sowie die Abteilung für soziale Pädiatrie und pädiatrische Poliklinik.

Von 1963 bis 1965 gründete und leitete Eggers den zentralen Versorgungsbereich für Krippen und Heime der Stadt Rostock mit über 2.500 Krippenplätzen und mehr als 500 Angestellten. In dieser Funktion als nebenamtlicher ärztlicher Direktor etablierte er Ernährungsstandards für Kinder im Krippen- und Heimalter in der gesamten DDR, entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Ernährung in Bergholz-Rehbrücke.

Zudem war Eggers Mitglied zahlreicher medizinischer Kommissionen und Arbeitsgruppen, darunter die Bezirkskommission zur Senkung der Säuglings- und Kindersterblichkeit sowie spezialisierte Arbeitsgruppen zu Erkrankungen wie Morbus haemolyticus neonatorum. Ab 1976 leitete er die Sektion Medizin des Kreisvorstandes Urania in Rostock, einer Gesellschaft zur Popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Politisches und gesellschaftliches Engagement sowie Mitgliedschaften

Eggers war Mitglied verschiedener Organisationen seiner Zeit. Er gehörte seit 1958 dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) an und war 1958/59 Vorsitzender der Abteilungsgewerkschaftsleitung.

Bis 1970 war er Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde.

Ab 1974 war er Mitglied der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD). Er war zeitweise Mitarbeiter im Bezirksvorstand, wo er in beratender Funktion auf dem Sachgebiet Medizin tätig war – unter anderem in Vorbereitung des IX. und X. Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).

Darüber hinaus engagierte sich Eggers in der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, der er seit 1968 angehörte, und war regelmäßig im Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft in Rostock aktiv; er war auch Mitglied des Elternbeirates der Bezirksmusikschule Rostock.

Besonders in den 1970er Jahren beschäftigte sich Eggers intensiv mit hochschulpolitischen Fragen, allgemeinpolitischen Themen und Fragen der Marxistisch-Leninistischen Philosophie. In seiner Eigenschaft als staatlicher Leiter und Erzieher der Studenten in und außerhalb der Klinik sowie im Ausland leitete er Diskussionen oder nahm an diesen teil. Um diese Aufgaben verantworten zu können, besuchte er regelmäßig Weiterbildungslehrgänge: Wochenendkolloquien des Bereiches Medizin, Führungskaderlehrgänge, die Marxistisch-Leninistische Abendschule (zweimalig), und die Bezirksparteischule der LDPD.

Eggers unterstützte die „massenpolitische Arbeit“ durch mehrere ehrenamtliche Funktionen: Er war ehrenamtliches Mitglied des Beirates der Redaktion der Ostsee-Zeitung, ehrenamtlicher Fachberater des Ostseestudios Rostock in der Redaktion Visite, und Vorsitzender der Sektion Medizin des Kreisvorstandes Urania Rostock-Stadt.

Ehrungen

Eggers’ Verdienste wurden mehrfach offiziell anerkannt. 1978 erhielt er die Ehrennadel der Urania in Bronze und wurde zum Medizinalrat ernannt. Im selben Jahr wurde ihm der Maxim-Zetkin-Preis der Gesellschaft für Allgemeinmedizin der DDR für seine Arbeit Die Ernährung gesunder Kleinkinder verliehen. 1980 folgte die Ehrennadel der Urania in Silber, 1987 wurde er zum Ehrenmitglied des Kreisvorstandes der Urania ernannt, und 1988 erhielt er die Ehrennadel der Urania in Gold. 1966 war er mit der Medaille für ausgezeichnete Leistungen prämiert worden.

Schriften (Auswahl)

  • Untersuchungen über den Verlauf der Tuberkelbazilleninfektion bei der Maus. 1951.
  • Experimentelle Untersuchungen über Beziehungen zwischen körperlicher Entwicklung und psychophysischen Leistungsverhalten in der Reifungszeit. 1965.
  • Hans Eggers; Heinrich Kirchmair; Manfred Möhr: Die Ernährung gesunder ein- bis dreijähriger Kinder in Krippen und Heimen. Berlin 1968.
  • Hans Eggers; Hans Wilken; Joachim Roewer: Morbus haemolyticus beim Fetus und Neugeborenen. Neue Gesichtspunkte der Diagnostik und Therapie. Leipzig 1971.
  • Hans Eggers; Klaus-Dietrich Wagner; Marianne Wigger: Bedingungen und Störfaktoren der frühkindlichen Entwicklung. Leipzig 1976, 2. Aufl. Stuttgart 1981.
  • Hans Eggers; Manfred Möhr: Die Ernährung gesunder Kleinkinder. Praktischer Ratgeber. Berlin 1976, 4. Aufl. 1986.

Literatur

  • Antje Krause, Hans-Jürgen Mende: Neuer Friedhof Rostock. Bemerkenswerte Grabstätten. (= Rostocker Friedhöfe, Teil 1). Hanse- und Universitätsstadt Rostock, Presse- und Informationsstelle (Hrsg.), Rostock 2012, ISBN 978-3-00-036945-2, S. 35.

Einzelnachweise

  1. Gudrun Eggers. In: Catalogus Professorum Rostochiensium. Universität Rostock, 17. November 2022, abgerufen am 29. Oktober 2025.
  2. Siegfried Liebe. In: Catalogus Professorum Rostochiensium. Universität Rostock, 24. November 2022, abgerufen am 29. Oktober 2025.