Hans Conrad Escher (vom Luchs)

Hans Conrad Escher vom Luchs (* 8. Oktober 1743 in Zürich; † 12. Dezember 1814 ebenda) war ein konservativer Politiker des Kantons Zürich.

Biografie

Hans Conrad Escher wurde 1743 als Sohn des Hans Heinrich Escher aus dem Familienzweig der Escher vom Luchs geboren. Er stieg 1765 zum Sekretär der Reformationskammer auf und wurde zwei Jahre später Richter am Stadtgericht von Zürich. Als Vorsteher der Gesellschaft zur Constaffel war er ab 1774 Mitglied des Grossen Rates und Seckelmeister der Stadt Zürich. 1778 trat er das Amt eines Landvogts von Wädenswil an, 1790 wurde er Landvogt der Gemeinen Herrschaft Baden. 1796 kehrte er als Obervogt von Küsnacht wieder nach Zürich zurück.

Als 1798 die französische Invasion drohte, delegierte ihn Zürich in seiner militärischen Funktion als Generalinspektor des Kavalleriekorps in den eidgenössischen Kriegsrat in Bern. Nach seiner Rückkehr wurde er in die «Landesversammlung» von Zürich gewählt, die eine neue Verfassung ausarbeiten sollte und die provisorische Regierungsgeschäfte führte. Ihm wurde dort das Amt des Kantonskriegskommissärs übertragen, das er bis 1803 bekleidete. In der Stadt Zürich wurde er am 26. April zum Präsidenten der «provisorischen Munizipalität» gewählt, einem 20-köpfigen Gremium, das die oberste Behörde der Munizipalgemeinde Zürich während der Helvetik war. Nach dem Einmarsch der Alliierten in Zürich 1799 übernahm er das Präsidium der sog. Interimsregierung, einer provisorischen Regierung der Schweiz, die nach dem Sieg der Franzosen in der Zweiten Schlacht um Zürich im September wieder aufgelöst wurde.

Nach dem Ende der Helvetischen Republik wurde Escher am 19. Juni 1803 von der Generalversammlung der Bürger zum ersten Präsidenten des Gemeinderats Zürich gewählt. In einem Protokoll des Gemeinderats vom 30. Juni 1803 führte er als erster den Titel «Stadtpräsident» von Zürich.[1]

Escher wurde 1803 von der Kantonsregierung zum Bezirksstatthalter und Verwalter des Obmannamtes ernannt, weshalb er am 2. Mai 1804 als Stadtpräsident von Zürich zurücktrat. 1804 bis 1814 war er Mitglied des Grossen Rates des Kantons Zürich und nahm als Legationsrat mit Hans von Reinhard an den Tagsatzungen von 1807 und 1813 teil. Nach der Niederlage Napoleons in Leipzig wurde er von der Tagsatzung als Gesandter der Schweiz in das alliierte Hauptquartier nach Frankfurt entsandt. Nach seiner Rückkehr vertrat er erneut Zürich an der Tagsatzung und präsidierte die Kommission, die mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung für den Kanton Zürich beauftragt war. Am 25. Juni 1814 wurde Escher zum «Bürgermeister» (Leiter der Kantonsregierung) von Zürich gewählt. Als solcher präsidierte er bis zu seinem überraschenden Tod durch einen Schlaganfall die eidgenössische Tagsatzung in Zürich.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Hundert Jahre Bilder aus der Geschichte der Stadt Zürich in der Zeit von 1814–1914. Bd. 1, Zürich 1914, S. 40–43.
VorgängerAmtNachfolger
Stadtpräsident von Zürich
1803–1804
Hans Rudolf Werdmüller
Johann Konrad von EscherBürgermeister von Zürich
1814
David von Wyss