Hans Bollmann (Journalist)

Hans Bollmann (* 6. Januar 1894 in Baalberge; † 26. April 1945 in Berlin) war ein deutscher Sportjournalist, der zu den erfahrensten Journalisten des nationalsozialistischen Deutschen Reiches gehörte.[1] Er war Sportchef des Deutschen Nachrichtenbüros (DNB) und ab 1939 stellvertretender Geschäftsführer und Personalchef des DNB.

Leben

Er war der Sohn des Kaufmanns Bollmann aus Baalberge im anhaltischen Kreis Bernburg und dessen Ehefrau Anna geborene Sturm.

Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Potsdam studierte Hans Bollmann an den Universitäten Berlin und Rostock Neuere Sprachen und Geschichte. Von 1912[2] bis 1935 gehörte er der Berliner Burschenschaft Markomannia an. 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger in der Leibkompanie des 1. Garde-Regiment zu Fuß und nahm aktiv am Ersten Weltkrieg teil, 1914 bis 1915 in Galizien, nach Offiziersanwärter-Lehrgang im Herbst 1915 in Döberitz Einsatz an der Westfront bei Arras und Ypern, dann Feldzug in Galizien und Russland; später war er an der Westfronst und nahm im August 1916 in der Sommeschlacht als Vizefeldwebel der Reserve teil. 1917 erhielt er eine schwere Kriegsverletzung durch eine Granate (Verlust des linken Unterarms und schwere Kopfverletzung), was sein Ausscheiden aus dem Heeresdienst bedeutete. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse und dem Frontkämpferehrenkreuz sowie dem Verwundetenabzeichen ausgezeichnet. Nach langwierigem Lazarettaufenthalt setzte er sein Studium fort. In Rostock wurde er 1923 zum Dr. phil. promoviert.

Seit 1919 arbeitete Hans Bollmann als Journalist beim Scherl-Verlag in Berlin, wo er von 1920 bis 1921 Schriftleiter war. Danach war er in der Hackenbergverlag AG Berlin tätig. 1926 wechselte er in Wolffs Telegraphisches Bureau (W.T.B.), wo er u. a. für die Sportschau des Monats zuständig war. Er war journalistisch bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam und 1932 in Los Angeles tätig.

Nachdem das W.T.B. zu Jahresbeginn 1934 im Deutschen Nachrichtenbüro aufging wurde Hans Bollmann im DNB der Hauptverantwortliche für den Sportdienst und war zuständig für 42 örtliche Sportdienste bzw. -matern. In dieser Funktion nahm er wesentlichen Anteil an der Gleichschaltung der Sport-Presse im Dienst des Nationalsozialismus.[3] Er selbst war zum 1. Mai 1932 in die NSDAP (Mitgliedsnummer 1.096.167)[4] und die SA eingetreten. 1933 nahm er am Reichsparteitag teil. Seinen Sitz hatte er in Berlin-Tempelhof, Hohenzollernkorso 39a. Seit 1933 war er im Reichsführerring des deutschen Sports. Am 1. Februar 1939 erfolgte seine Ernennung zum stellvertretenden Geschäftsführer des DNB, als solcher war er Personalchef. 1944 war er SA-Sturmbannführer bei der Obersten SA-Führung in der Adjutantur des Stabschefs in der Abteilung Presse und Propaganda.

Er war außerdem Beisitzer des Bezirksgerichts der Presse in Berlin und Leiter des Deutschen Sportpresseverbandes. Nach der Besetzung Berlins durch sowjetische Truppen beging Hans Bollmann gemeinsam mit seiner Frau Suizid.

Familie

Hans Bollmann war mit Margarethe geborene Maag verheiratet.

Schriften (Auswahl)

  • Beiträge zur Geschichte des Naturgefühls in der alt- und mittelfranzösischen Dichtung. Dissertation Universität Rostock 1923.
  • Vom Werdegang der deutschen Sportpresse (= Zeitung und Zeit, Neue Folge, 4). Diesterweg, Frankfurt/M. 1938.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Wolfgang Müsse: Reichspresseschule – Journalisten für die Diktatur?, 2017, S. 187.
  2. Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 49.
  3. Andras Bode: Fußball zur Zeit des Nationalsozialismus, 2008, S. 165.
  4. Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/3370376