Hans Bendemann
Emil Johannes Bendemann (* 28. Februar 1852 in Stettin; † 24. Januar 1914 in Heidelberg) war ein preußischer Generalleutnant und Landvermesser, der ab 1886 unter anderem die Landesvermessung des Sauerlandes sowie des Wittgensteiner Landes vornahm und darüber ein Tagebuch führte.
Familie
Bendemann wurde als achtes Kind des Geheimen Oberbergrats Emil Bendemann (1807–1862) und dessen Ehefrau Ottilie geb. Prössel (1815–1887) geboren. Er heiratete in Mainz am 23. Oktober 1896 Marie Rothe (1872–1941). Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor:
- Karl Bendemann, * 9. September 1897 in Trier; † 23. Juli 1915 als Fahnenjunker im 6. Thüringischen Infanterie-Regiment Nr. 95.
- Marie Ottilie Bendemann, * 2. September 1898 in Stettin; ⚭ 31. Mai 1922 in Heidelberg-Neuenheim Max Rehm (1896–1992).
- Margarethe Henriette Luise Bendemann, * 3. August 1901 in Stettin; Gemeindeschwester in Heidelberg.
- Johanna Marie Emma Bendemann, * 21. Juni 1906 in Straßburg; ⚭ 29. September 1929 in Heidelberg-Neuenheim Friedrich Ludwig Henn (1901–1984).
Hans Bendemann wohnte zuletzt in Heidelberg, Werrgasse 5, wo er am 24. Januar 1914 verstarb.
Militärlaufbahn
Gegen den Willen seines Vaters entschloss Bendemann sich, eine militärische Laufbahn einzuschlagen und trat am 4. August 1870 als sogenannter Freiwilliger (oder Fahnenjunker) in das Ersatz-Bataillon des 6. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 95 und nahm mit diesem am Deutsch-Französischen Krieg teil. Es folgte am 10. Februar die Beförderung zum Portopeefähnrich sowie am 15. April 1871 zum Sekondeleutnant. Vom 3. September 1871 bis zum 1. Oktober 1876 diente er im Seebataillon. Bis zum 26. Juli 1879 war er anschließend zur Kriegsakademie in Berlin kommandiert und erhielt danach seine Versetzung ins 2. Badisches Grenadier-Regiment Kaiser Wilhelm I. Nr. 110 in Durlach, wo er am 13. Januar 1881 zum Premierleutnant befördert wurde. Vom 1. Dezember 1881 bis 14. April 1882 diente er als Adjutant im II. Bataillon des Landwehr-Regiments 110 in Heidelberg. Es folgte die Kommandierung vom 15. April 1882 bis 23. März 1885 zur trigonometrischen Abteilung der Preußischen Landesaufnahme nach Berlin und anschließend bis zum 23. März 1890 die Verwendung als Vermessungsdirigent im Generalstab. Bereits seit dem 13. Juni 1885 Hauptmann übernahm er danach bis 29. März 1892 eine Kompanie im Infanterie-Regiment von Lützow (1. Rheinisches) Nr. 25 in Rastatt, wurde anschließend unter Beförderung zum Major erneut als Vermessungsdirigent in den Generalstab versetzt und unterrichtete danach als Lehrer vom 23. November 1892 bis zum 13. September 1893 an der Kriegsakademie in Berlin. Es folgte bis zum 22. März 1897 seine Versetzung in den Großen Generalstab, von wo er nacheinander der 21. Division in Frankfurt am Main, dem Gouverneur der Festung Mainz sowie der 25. Division in Darmstadt zugeteilt wurde. Anschließend war er bis zum 15. Juni 1898 Bataillonskommandeur im 7. Rheinischen Infanterie-Regiment Nr. 69 in Trier. Es folgte die Ernennung zum vorläufigen Stabschef im II. Armeekorps, am 25. November 1898 die Beförderung zum Oberstleutnant sowie am 22. Mai 1900 die endgültige Übertragung der Stabschefstelle in Stettin. Seit 18. April 1901 Oberst war er vom 22. März 1902 bis 20. Juli 1904 Kommandeur des Grenadier-Regiments König Friedrich I (4. Ostpreußisches) Nr. 5 in Danzig. Es folgte unter Beförderung zum Generalmajor seine Ernennung zum Kommandeur der 61. Infanterie-Brigade in Straßburg. Am 14. April 1907 erhielt er den Charakter eines Generalleutnants verliehen und wurde mit Pension zur Disposition gestellt.[1]
Landesvermessung
Während seiner Kommandierung zur trigonometrischen Abteilung war er auch als Assistent bei den Triangulationen in Ostfriesland tätig. Nach seiner Ernennung zum Vermessungsdirigenten im Generalstab erhielt er den Auftrag, ein ca. 70.000 km² großes Gebiet, das sich vom Münsterland bis zum Hunsrück und von der Belgisch-Niederländischen Grenze bis nach Thüringen erstreckte, zu erkunden und dessen Hauptdreiecke zu vermessen. Für dieses Vorhaben war Bendemann vier Jahre, jeweils vom 1. Mai bis Anfang September, unterwegs. Seine Reisen legte er teils mit der Bahn, überwiegend jedoch per Kutsche, zu Pferde oder zu Fuß zurück.[2] Zur Vermessung des Kreises Wittgenstein erkundete er beispielsweise nordöstlich von Berleburg die Ziegenhelle, südwestlich von Berleburg den Berg Hoher Wald und südöstlich von Berleburg die Sackpfeife, legte auf diesen Bergen die trigonometrischen Punkte fest, mit deren Hilfe die nördliche Fläche des Kreises in ein Dreieck aufgeteilt und vermessen werden konnte. Für den südlichen Teil des Kreises Wittgenstein erkundete Bendemann den Berg Stegskopf, dessen trigonometrischer Punkt zusammen mit den Bergen Hoher Wald und Sackpfeife zur Bildung des nächsten Dreiecks herangezogen wurde. Die für Wittgenstein maßgeblichen Landesvermessungen führte Bendemann im Juli 1887 durch.[3] Er notierte seine Erkundungsergebnisse, seine Gesprächs- und Verhandlungsergebnisse, aber auch seine Erfahrungen zu Quartieren in einem 550 Seiten starken Tagebuch in Kurrentschrift.
Auszeichnungen
- Roter Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub
- Königlicher Kronenorden 2. Klasse
- Eisernes Kreuz 2. Klasse
- Dienstauszeichnungskreuz für Offiziere
- Großherzoglich Hessischer Verdienstorden Philipps des Großmütigen Ritterkreuz 1. Klasse
- Großherzoglich Mecklenburgisches Militärverdienstkreuz 2. Klasse
- Sachsen-Ernestinischer Haus-Orden Ritterkreuz 2. Klasse
- Königlich Belgischer Leopold-Orden Offizierskreuz
- Königlich Dänischer Danebrogorden Kommandeur
- Kaiserlich und Königlich Russischer Sankt-Stanislaus-Orden 2. Klasse
Literatur
- Hans Fröhlich, Manfred Spata (Hrsg.): Das Reisetagebuch des Hauptmanns Bendemann. Aus der preußischen Landesvermessung im 19. Jahrhundert. Sankt Augustin 2004.
Einzelnachweise
- ↑ Otto Zimmer-Vorhaus: 1813/1913 Offizier-Stammliste des Infanterie-Regiments von Lützow (1. Rheinisches) Nr. 25 und seines Stammes, des Kgl. Pr. von Lützowschen Freikorps. Berlin 1913, S. 43–44 (Vollständige Beschreibung seiner Militärlaufbahn).
- ↑ Fröhlich, S. 31.
- ↑ Fröhlich, S. 42–60.
Weblinks
- Bendemann, Hans (1852-1914) / Porträt als Generalleutnant in Uniform. Hessische Staatsarchiv Darmstadt, 1895, abgerufen am 5. Dezember 2025.
- https://sammlunghuebner.de/hans-bendemann
- https://www.deutsche-biographie.de/pnd135704642.html
- https://nwbib.de/search?subject=135704642
- https://www.wp.de/staedte/hagen/auf-spuren-von-hans-bendemann-id10650224.html
- https://www.vdv-online.de/fileadmin/Ablage/Landesverband_Nordrhein-Westfalen/Bezirk_Bonn/Hauptmann_Bendemann-Vortrag-Flyer.pdf
- https://wp.profipress.de/die-eifel-von-tuermen-aus-vermessen-19988