Hans A. Michel

Hans Armin Michel (* 1. Januar 1924 in Biel; † 2. Januar 1989 in Bern, heimatberechtigt in Bern[1] und Brienz) war ein Schweizer Historiker, Hochschullehrer und Bibliotheksdirektor.

Er war von 1973 bis 1988 Direktor der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern. Durch seine Beiträge zur Orts- und Regionalgeschichte des Kantons Bern erwarb er sich grosse Verdienste.

Leben

Hans A. Michel wurde am 1. Januar 1924 in Biel als Sohn von Armin Michel und Rosa Michel, geborene Räber, geboren. Nachdem er die städtischen Primar- und Sekundarschulen durchlief, besuchte er von 1940 bis 1944 das staatliche Lehrerseminar Hofwil, wo ihn insbesondere der Unterricht des Historikers Arnold Jaggi[2] für geschichtliche Themen begeisterte.

Nach einem fünfsemestrigen Studium an der Lehramtsschule der Universität Bern erwarb er im Herbst 1948 das bernische Sekundarlehrerpatent in sprachlich-historischer Richtung. Anschliessend nahm er eine Lehrtätigkeit an der dreiteiligen Sekundarschule in Neuenegg auf.[3] Neben seiner Unterrichtstätigkeit setzte er sein Studium an der Universität Bern fort und arbeitete an seiner Dissertation Die Ambassade[4] des Marquis de Paulmy[5] in der Schweiz von 1748 bis 1752, die er unter der Leitung von Richard Feller verfasste. Das Vorexamen in den Historischen Hilfswissenschaften bestand er am 21. April 1950, das Doktorexamen legte er am 15. Januar 1954 ab.

Zu seinen akademischen Lehrern zählten zudem Hans von Greyerz, Léon Kern, Werner Näf, Fritz Strich und Werner Kohlschmidt.[3]

Wirken

Ab 1962 war Michel als Adjunkt des Staatsarchiv des Kantons Bern tätig. 1973 wurde er zum Direktor der Stadt- und Universitätsbibliothek als Nachfolger von Hans Strahm gewählt. Seit 1972 hatte er an der Universität Bern einen Lehrauftrag für bernische Geschichte. 1978 wurde er zum Honorarprofessor ernannt.

Unter seiner Leitung als Direktor der Stadt- und Universitätsbibliothek modernisierte er die Bibliothek, eine kantonale, universitäre und öffentliche Einrichtung, und erweiterte Öffnungszeiten sowie Serviceangebote, was zu einem deutlichen Anstieg der Nutzerzahlen führte.[6] Er baute ein institutionelles Netzwerk von Instituts- und Seminarbibliotheken auf, koordinierte deren Zusammenarbeit und setzte sich für bibliothekarische Ausbildung[7] sowie den Erhalt von Schriftgut ein, unter anderem durch ein eigenes Atelier zur Papierrestaurierung im Rahmen der beispielhaften Arbeitsgemeinschaft für Papierrestauration Bern (AGPB).[8] Im Bereich der Automatisierung des Bibliothekswesens konnten mit dem Pilotprojekt SIBIL an der Fachbereichsbibliothek Bühlplatz Erfahrungen gesammelt werden.[9][10]

Michel erkannte die besondere Bedeutung der Sammlung Ryhiner, eine der bedeutendsten privaten Kartensammlungen des 18. Jahrhunderts mit über 16.000 Karten, Plänen und Veduten. Er förderte deren systematische Erschliessung und trug so zur Bewahrung und wissenschaftlichen Nutzung dieses einzigartigen Bestands bei.

Neben seiner bibliothekarischen Tätigkeit war Michel als Historiker aktiv. Er war Mitglied der Herausgeberkommission des Der Achetringeler,[11] der historischen Chronik für das Amt Laupen (1968–1979), sowie von 1978 bis 1985 Vorsitzender der Herausgeberkommission der Berner Zeitschrift für Geschichte.[12] Zudem veröffentlichte er zahlreiche Arbeiten zur Orts- und Regionalgeschichte von Bern, dem Amt Laupen und dem Seeland und war seit 1960 Vorstandsmitglied des Historischen Vereins des Kantons Bern.

Im Historischen Verein des Kantons Bern engagierte er sich fast 30 Jahre lang und war von 1978 bis 1985 Präsident. Unter seiner Führung wurden die Statuten reformiert, erstmals Frauen in den Vorstand gewählt und das Vereinsleben sowie das Publikationswesen massgeblich modernisiert.[13]

Privat lebte er lange in Neuenegg im Weiler Bramberg, wo er mit seiner Frau und seinen drei Kindern ansässig war.

Michel starb einen Tag nach seinem 65. Geburtstag. Der Trauergottesdienst fand am 9. Januar 1989 in der Kirche Neuenegg statt[14] und wurde von Martin Hubacher gehalten. Die Abschiedsrede hielt Georges Grosjean.[15]

In Memoriam

In memoriam Hans A. Michel wurde der Stadt- und Universitätsbibliothek von der Burgergemeinde Bern Ende 1990 eine wertvolle Faksimile-Ausgabe des Weltatlas Antonio Millo[16] von 1586 übergeben. Die Übergabe erfolgte durch den Burgerratspräsidenten Hans Wildbolz,[17] und der neue Bibliotheksdirektor Robert Barth hielt bei dieser Gedenkveranstaltung eine kurze Ansprache.[18][19]

Schriften (Auswahl)

Eine Bibliografie der Schriften, begonnen von Hans A. Michel, ergänzt von Gabriela Schweizer erschien 1991 in der Gedenkschrift Hans A. Michel 1924–1989. Bern, 1991. S. 23–32.

  • Die Ambassade des Marquis de Paulmy in der Schweiz von 1748 bis 1752: Beziehungen zwischen Frankreich und der Eidgenossenschaft in der Mitte des 18. Jh. Diss. phil.-hist. Bern, 1954. 282 S. Affoltern a. A., 1954.
  • Die Grenzziehung zwischen Bern und dem Fürstbistum Basel. In: Archiv des historischen Vereins des Kantons Bern. 50, 1966, S. 57–402
  • Die Lenk im Jahre 1799: historische Texte von Pfarrer Gottlieb Samuel Lauterburg, ergänzt durch ältere Quellenstücke und zeitgenössische Abbildungen, herausgegeben und erläutert von Hans A. Michel. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde.40, 1978, S. 1–124. Auch als Sonderdruck erschienen. 2. Aufl. 1985.
  • Beschreibung des Amtes Laupen 1779 / Niklaus Anton Rudolf Holzer; hrsg. und kommentiert von Hans A. Michel. Bern, 1984 (= Archiv des historischen Vereins des Kantons Bern. 68, 1984).
  • Die Kartensammlung Ryhiner der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern: eine bibliothekarische, technische und wissenschaftliche Erschliessungs- und Konservierungsaufgabe. In: Jahrbuch der Geographischen Gesellschaft von Bern, 55, 1983–85, S. 589–599 (= Festschrift G. Grosjean).
  • Das wissenschaftliche Bibliothekswesen Berns vom Mittelalter bis zur Gegenwart: zum Jubiläum 450 Jahre Stadt- und Universitätsbibliothek Bern 1535–1985. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 47, 1985, S. 167–234. Enthält unter anderem auf S. 228–233: [...] vom Schutz und der Erhaltung von Kulturgut.

Literatur

  • Robert Barth: Hans A. Michel als Leiter der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern. In: Hans A. Michel 1924–1989. 1991. S. 20–22.[18][19]
  • Ulrike Bürger: Die Dienststelle Restaurierung der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern. In: Bestandserhaltung. Marburg, 2000. S. 84–94.

Archive

Einzelnachweise

  1. Ins Burgerrecht [der Burgergemeinde Bern aufgenommen]. In: Der Bund, Band 125, Nummer 297, 19. Dezember 1974.
  2. Jaggi, Arnold – literapedia bern. Abgerufen am 31. Oktober 2025.
  3. a b Hans Michel, 1954: Lebenslauf. In: Dissertation Die Ambassade des Marquis de Paulmy in der Schweiz von 1748 bis 1752.
  4. Ambassador.
  5. Paulmy war ein leidenschaftlicher Bibliophiler. Er sammelte mehr als 50 000 kostbare Bücher und verwandelte das Arsenal in Paris, wo er wohnte, in eine der bedeutendsten Bibliotheken Frankreichs (Bibliothek des Arsenals), seit 1934 eigene Abteilung als Teil der Bibliothèque nationale de France (BNF).
  6. Robert Barth: In den 15 Jahren seiner Amtszeit… „In den 15 Jahren seiner Amtszeit stieg die Zahl der Etatstellen von 34 auf 55 und das Gesamtbudget von 3 Mio. auf 7,7 Mio. Franken!“
  7. e-periodica.chBibliothekarische Ausbildungsfragen aus der Sicht einer wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek. In: Nachrichten VSB/SVD 56, 1980, S. 110–128
  8. Die bisherige Arbeit der Arbeitsgemeinschaft für Papierrestauration, Bern (AGPB). Für die Bewahrung von Archiv- und Bibliotheksgut - SIGEGS. In: Nationale Informationsstelle zum Kulturerbe (Hrsg.): NIKE-Bulletin. Band 9, Nr. 2, 1994, S. 12 (e-periodica.ch).
  9. Konkreter war das Resultat eines Gesamtprojektausschusses, der für die Einführung der elektronischen Datenverarbeitung ein Pilotprojekt mit der FBB begleiten soll: 1984 entschloss er sich zu einem begrenzten Versuchsbetrieb mit der in Lausanne entwickelten Software SIBIL, die zweifellos für die FBB genügt, jedoch der StUB und auch für das Gesamtsystem noch Fragen offen lässt, namentlich was die systematische Sacherschliessung und die Verwaltung der Ausleihe grosser Magazinbestände betrifft. 1985 hat ein Regierungsratsbeschluss grünes Licht für das Versuchsvorhaben gegeben. Der Entscheid des Gesamtprojektausschusses zur gemächlicheren Gangart mit dem Pilotversuch rechtfertigt sich insofern, als sich für die deutsche Schweiz eine gemeinschaftliche EDV-Lösung mindestens unter den grossen Partnern noch nicht klar abzeichnet.
  10. Herber Bruderer: Bibliotheksautomation in der Schweiz. In: e-newspaperarchives.ch - Neue Zürcher Zeitung. Band 89, 18. April 1989 (e-newspaperarchives.ch): „Auch andere Bibliotheken haben ähnliche Pläne, zum Beispiel die Stadt- und Universitätsbibliothek Bern (Fachbereichsbibliothek für Biologie und vorklinische Medizin sowie Erdwissenschaften der Universität Bern).“
  11. «Der Achetringeler» ist eine Chronik, die seit 1926 in der Regel einmal im Jahr zum Jahresende erscheint. Es handelt sich um die älteste regionale Berichterstattung zur Lokalgeschichte im Kanton Bern.
  12. Berner Zeitschrift für Geschichte BEZG
  13. Emil Erne: Ein Vereinigungspunkt für bernische Geschichte - 175 Jahre Historischer Verein des Kantons Bern 1846 – 2021
  14. Todesanzeige.
  15. Georges Grosjean: Abschiedsrede für Hans Michel, gehalten in der Kirche zu Neuenegg am 9. Januar 1989. In: Hans A. Michel 1924–1989. Bern, 1991, S. 9-10: „Da steigt die Erinnerung auf an jenen Nachmittag des 4. Oktober 1983, da wir auf der Rocca, der Burg von San Gimignano standen und auf die Stadt mit ihren vielen Türmen blickten und dann in die Weite der toscanischen Landschaft, die jedem Historiker teuer sein muss. Es schien mir damals, als ob diese Landschaft der weiten Hügel mit ihren Weingärten und Oelhainen, durch die wir jetzt gekommen waren, Gleichnis sei für unsern Lebensweg bis hierher. Ich schrieb Dir diese Gedanken zum 60. Geburtstage. Noch war man hier auf dem Wehrgang nicht ganz oben. Noch fehlten einige Stufen bis zum Turm, wo wir dann rasten dürfen. [...] und nun hast auch Du mit letzter Anstrengung im Kampf gegen die Krankheit die Stufe des Fünfundsechzigers erreicht. Aber hier ist Dir der Blick aufgetan worden nicht nur in die Landschaft unseres vergänglichen Lebens, sondern in die Dimensionen der Unendlichkeit. Hier steht nun Dein Gepäck, stehen Deine Papiere, Deine Pläne. Deine Freunde werden sich bemühen, zu vollenden, was noch vollendet werden kann. Gewichtiges wird unvollendet bleiben. Wir wissen nicht warum. Wir unterstellen uns dem Worte, dass des Menschen Leben der Wurf eines unbekannten Schöpferwillens zu einem unbekannten Ziele ist, und wir fühlen, dass hier andere Massstäbe, andere Prioritäten gesetzt werden.“
  16. Antonio Millo. Der Weltatlas von 1586.
  17. Alt Korpskommandant Hans Wildbolz löst Georges Thormann im Amt des «höchsten Bernburgers» ab. Ein neuer Burgergemeindepräsident für Bern. In: e-newspaperarchives.ch - Der Bund. Nr. 293, 13. Dezember 1984 (e-newspaperarchives.ch).
  18. a b Kurzansprache anlässlich der Übergabe der Faksimileausgabe des Portolan-Atlasses durch die Burgergemeinde der Stadt Bern an die Stadt- und Universitätsbibliothek in memoriam Hans Michel im November 1990.
  19. a b bst: Wertvolles Faksimile. In: e-newspaperarchives.ch - Der Bund. Band 141, Nr. 280, 29. November 1990: „Die Stadt- und Universitätsbibliothek Bern kam kürzlich in den Besitz einer Faksimile-Ausgabe «Weltatlas des Antonio Millo von 1586». Die Übergabe erfolgte durch Burgerratspräsident Hans Wildbolz in memoriam Professor Hans A. Michel. Michel war von 1973-1988 Direktor der Stadt- und Universitätsbibliothek.“
  20. N Michel Nachlass Hans A. Michel, 1930-1970 (Bestand). Abgerufen am 2. November 2025: „Teile aus dem persönlichen Nachlass: Schulhefte, Akten betr. Flugplatz Bern-West, kirchliche Aktionsgemeinschaft und Aktionsgruppe Dritte Welt. Unterlagen und Materialien zu versch. Forschungsprojekten, insbes. zum Berner Rat, zu Neuenegg und Laupen, zur Bibliotheksgeschichte etc. Entstehungszeitraum: 1930 - 1970.“