Landespreis für Bildende Kunst Baden-Württemberg
Der Landespreis für Bildende Kunst Baden-Württemberg[1] (bis Februar 2024: Hans-Thoma-Preis), ist ein Staatspreis des Landes Baden-Württemberg und wird seit 1950 (seit 1971 alle zwei Jahre), an Bildende Künstler und Künstlerinnen vergeben.
Der Preis
Geehrt und gefördert werden Künstler die bereits ein anerkanntes Werk aufweisen oder eine Weiterentwicklung zu hohen Leistungen erwarten lassen. Sie müssen in Baden-Württemberg geboren sein oder hier einen Schwerpunkt ihrer Arbeit haben. Die Auszeichnung ist seit dem 25. August 2022 mit 25.000 Euro dotiert.
Anlässlich der Preisverleihung, die traditionell in Bernau am Hans-Thoma-Tag, dem zweiten Augustwochenende eines ungeraden Jahres stattfand, wird auch eine Ausstellung mit Werken des neu nominierten Preisträgers im Hans-Thoma-Kunstmuseum eröffnet.[1]
Seit 1996 wird an gleichem Ort, jedoch in geraden Jahren, der EnBW-Förderpreis (seit 2010 NaturEnergie-Förderpreis) verliehen.
Umbenennung – Hans-Thoma-Preis in Landespreis für Bildende Kunst Baden-Württemberg
Der Preis war bis Februar 2024 benannt nach dem in Bernau im Schwarzwald geborenen Maler Hans Thoma (1839–1924), wurde jedoch umbenannt, nachdem Thoma vom Preisträger 2023, Marcel van Eeden, vorgeworfen wurde, dass er ein „völkisch, antimodernes Weltbild“ verkörpert und sich auch antisemitisch geäußert hatte.[2]
Christian M. Geyer[3] wies diese Vorwürfe als „Künstlerischer Forschung“ zurück[4], worauf die angegriffene Kuratorin der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, Leonie Beiersdorf, in einer Replik die Darstellung Geyers zurückwies, da sie „massive Verletzungen von Standards des guten wissenschaftlichen Arbeitens“ aufweise.[5][6]
Eine Besprechung des Künstlerbuches 1898 durch den Kunsthistoriker Andreas Strobl[7] kommt dagegen zum Schluss „Van Eedens Vorbehalte gegen Thoma seien ihm unbenommen und stehen für eine kritische Einstellung gegenüber historischen Zusammenhängen. Dass er jedoch aus diesem Impuls heraus das Bild eines womöglich durch und durch antisemitischen Künstlers suggestiv konstruiert und dies als ‚Forschungsergebnis‘ präsentiert sehen möchte, wird weder einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Lebenswerk Hans Thomas noch mit dem Antisemitismus in Thomas Zeit gerecht. Forschung, so betrieben, wird zur Agitation.“
In der Zeitschrift Badische Heimat wurde die Frage aufgeworfen, ob die Umbenennung des Preises Teil der Cancel-Culture sei.[8]
Preisträger
- Hans-Thoma-Preis
- 1950 – Albert Haueisen
- 1951 – Kurt Bildstein gemeinsam mit Josef Hauser (1908–1986)
- 1952 – Hans Schroedter
- 1953 – Karl Albiker
- 1954 – Emil Bizer
- 1955 – Adolf Strübe
- 1956 – Hans Meid
- 1957 – Rudolf Riester
- 1958 – Curth Georg Becker
- 1959 – Arthur Fauser
- 1960 – Johannes Thiel
- 1961 – Karl Hubbuch
- 1962 – Wilhelm Schnarrenberger
- 1963 – Xaver Fuhr
- 1964 – Willi Müller-Hufschmid
- 1965 – Karlheinz Scherer
- 1966 – Emil Wachter
- 1967 – Otto Dix
- 1968 – Will Sohl
- 1969 – Hans Kuhn
- 1970 – Helmut Müller-Wiehl
- 1971 – Irma Grabhorn-Engel
- 1973 – Hans Martin Erhardt
- 1975 – Walter Herzger
- 1977 – Franz Bernhard
- 1979 – Peter Dreher
- 1981 – Jürgen Brodwolf
- 1983 – Anselm Kiefer
- 1985 – Manfred Henninger
- 1987 – Fritz Klemm
- 1989 – K.R.H. Sonderborg
- 1991 – Romane Holderried Kaesdorf
- 1993 – Dieter Krieg
- 1995 – Albrecht von Hancke
- 1997 – Alfonso Hüppi
- 1999 – Fritz Schwegler
- 2001 – Helmut Dorner
- 2003 – Thomas Ruff
- 2005 – Micha Ullman
- 2007 – Silvia Bächli gemeinsam mit Rolf-Gunter Dienst
- 2009 – Tobias Rehberger
- 2011 – Karin Sander
- 2013 – Werner Pokorny
- 2015 – Andrea Zaumseil
- 2017 – Platino
- 2019 – Christa Näher
- 2021 – Ulrike Ottinger
- 2023 – Marcel van Eeden
- Landespreis für Bildende Kunst Baden-Württemberg
- 2025 – Nevin Aladağ
Literatur
- Wolf Hockenjos: Die Umbenennung. Vom Hans-Thoma-Preis zum Landespreis für bildende Kunst. In: Badische Heimat, Heft 3/2025, S. 455–457
Weblinks
- Website des Hans-Thoma-Kunstmuseums
- Hans-Thoma-Preis heißt künftig Landespreis für Bildende Kunst Baden-Württemberg, Pressemitteilung Nr. 024/2024 vom 29. Februar 2024 des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
Einzelnachweise
- ↑ a b Nach Antisemitismus-Debatte: Hans-Thoma-Preis wird umbenannt, Meldung im SWR vom 29. Februar 2024, online unter swr.de.
- ↑ Marcel van Eeden - 1898 - Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. Abgerufen am 8. September 2024 (deutsch).
- ↑ Zur Person siehe arthistoricum.net
- ↑ Christian M. Geyer: Hans-Thoma-Preis 2023. Ein Fallbeispiel „Künstlerischer Forschung“. Hrsg.: https://www.arthistoricum.net/. 1. Auflage. 8. November 2023 (51 S., uni-heidelberg.de [abgerufen am 29. November 2023]).
- ↑ Leonie Beiersdorf: Entgegnung. Replik von Dr. Leonie Beiersdorf auf Dr. Christian M. Geyer, Hans-Thoma-Preis 2023, Ein Fallbeispiel „künstlerischer Forschung“, 2023. Hrsg.: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. 2023 (kunsthalle-karlsruhe.de [PDF; abgerufen am 19. Dezember 2025]).
- ↑ Frédéric Bußmann: Stellungnahme der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zur Schrift von Dr. Christian M. Geyer zur Ausstellung „Marcel van Eeden – 1898“ im Rahmen des Hans-Thoma-Preises 2023. Hrsg.: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. 8. November 2023 (kunsthalle-karlsruhe.de [abgerufen am 30. Oktober 2024]).
- ↑ Andreas Strobl: Leonie Beiersdorf und Staatliche Kunsthalle Karlsruhe (Hrsg.); Marcel van Eeden – 1898. In: Journal für Kunstgeschichte 28, 2024, Heft 4, 350–358; Zitat S. 358.
- ↑ Wolf Hockenjos: Die Umbenennung. Vom Hans-Thoma-Preis zum Landespreis für bildende Kunst. In: Badische Heimat, Heft 3/2025, S. 457