Hans-Joachim Hünnebeck
Hans-Joachim „Hajo“ Hünnebeck (* 18. November 1921 in Hösel; † 9. Oktober 1990 in Starnberg) war ein deutscher Großindustrieller und Bauunternehmer. Als langjähriger Geschäftsführer und späterer Mehrheitseigentümer entwickelte er die Hünnebeck-Gruppe zu einem der international führenden Anbieter von Gerüst-, Schalungs- und Sicherheitssystemen.[1] Unter seiner Leitung expandierte das Unternehmen weltweit und erreichte in den 1980er-Jahren einen Umsatz von rund 758 Millionen DM und einen Gewinn von ca. 160 Millionen DM.[2]
Leben
Herkunft und Ausbildung
Hünnebeck war der Sohn des Bauingenieurs Emil Mauritz Hünnebeck, Gründer der späteren Hünnebeck GmbH.[3] Nach Schule und Abitur in Ratingen diente er im Zweiten Weltkrieg freiwillig in der Kriegsmarine. Ab 1947 studierte er Architektur und Bauingenieurwesen an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und schloss 1952 als Diplom-Ingenieur ab.[4]
Familie
1958 heiratete er die Fotografin Jutta Schwietzke, die Ehe wurde nach kurzer Zeit wieder geschieden. In zweiter Ehe war Hünnebeck mit Lilo Gräfin von Faber-Castell verheiratet, der früheren Ehefrau des Unternehmers und chinesischen Ehrenbürgers Hubertus Graf von Faber-Castell. Aus dieser Ehe stammten seine Stiefkinder Patrick Graf von Faber-Castell und Caroline Gotzens.
Unternehmerisches Wirken
Einstieg in das Familienunternehmen
Nach seinem Abschluss trat Hajo Hünnebeck in die Deutsche Stahlhalle Hünnebeck KG ein. 1966 wurde er in die Geschäftsführung berufen und leitete gemeinsam mit Friedrich Nather und Wilfried Grewing ein Modernisierungs- und Expansionsprogramm ein. Die Gruppe wuchs auf mehr als 3500 Beschäftigte, der Umsatz vervielfachte sich bis zum Verkauf der Familie an Thyssen.
Internationalisierung
Unter seiner Führung wurden Tochtergesellschaften in Österreich, der Schweiz, Skandinavien, Italien, Brasilien, Mexiko und den USA aufgebaut. Mit der Rex Hünnebeck GmbH wurde das Unternehmen zudem im Beton- und Straßenbau aktiv. In den 1980er-Jahren erzielte die Gruppe mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.[5][6]
Verkauf an Thyssen
1990 verkaufte die Familie die Mehrheit der Geschäftsanteile an die Thyssen Stahlunion GmbH. Hajo Hünnebeck wechselte nach seinem Ausscheiden aus der Geschäftsführung in den Aufsichtsrat.
Der Fall fand steuerrechtliche Beachtung, da die Nachlassregelung nach seinem Tod im Zusammenhang mit einer späteren Änderung der Erbschaftsteuer in Deutschland diskutiert wurde.
Nachlassfragen
Die Nachlassregelung nach seinem Tod wurde öffentlich und steuerrechtlich diskutiert. In juristischen Kommentaren wird der „Fall Hünnebeck“ durch seine Haupterbin Lilo Gräfin von Faber-Castell und ihrer Kinder als Beispiel für eine damalige Gestaltungsmöglichkeit durch Wegzug genannt. Zum Zeitpunkt des Verkaufs der Familie erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 757 Millionen DM und 160 Millionen DM Gewinn.[7]
Die restlichen Familienanteile wurden 1995 vollständig an Thyssen veräußert.
Tod
Hajo Hünnebeck starb am 9. Oktober 1990 in Starnberg. Seine Urne wurde in der Kapelle bei Burg Klamm beigesetzt.
Nachwirkung
Die Hünnebeck-Gruppe gehört heute zur internationalen BrandSafway-Gruppe, einem globalen Anbieter für Gerüst-, Atemschutz- und Infrastrukturdienstleistungen mit mehreren zehntausend Mitarbeitenden und über 5 Milliarden Euro Umsatz.
Einzelnachweise
- ↑ RP ONLINE: Lintorf: Hünnebeck – Stationen eines Welterfolgs. 25. März 2019, abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ 100 Jahre Hünnebeck: Eine Industrie-Saga, Klartext Verlag, Essen 2016, ISBN 978-3945238288
- ↑ Hünnebeck feiert 90 Jahre - THIS – Tiefbau Hochbau Ingenieurbau Strassenbau. Abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ Hünnebeck GmbH – Unternehmensgeschichte. 2. Februar 2021, abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ Patzer Verlag GmbH & Co KG: 90 Jahre Hünnebeck: Vom Tüftler zum international tätigen Unternehmen. 22. Februar 2019, abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ https://mediatum.ub.tum.de/doc/1380458/1380458.pdf
- ↑ 100 Jahre Hünnebeck: Eine Industrie-Saga, Klartext Verlag, Essen 2016, ISBN 978-3945238288