Hans-Jürgen Warnecke
Hans-Jürgen Warnecke (* 2. April 1934 in Braunschweig; † 19. März 2019)[1] war ein deutscher Ingenieurwissenschaftler, Professor für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb der Universität Stuttgart sowie Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart. Von 1993 bis 2002 war er Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft in München und daneben von 1995 bis 1997 Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf.
Leben
Hans-Jürgen Warnecke, Sohn von Ella Warnecke, geborener Grobe, und des Bankangestellten Hans Warnecke, studierte Maschinenbau an der Technischen Hochschule Braunschweig, schloss das Studium als Diplom-Ingenieur ab und war anschließend von 1959 bis 1965 Assistent und Oberassistent an der TH Braunschweig und als Forschungsingenieur, Oberingenieur und Leiter des Versuchsfeldes am Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik tätig. 1963 wurde Warnecke zum Dr.-Ing. promoviert. Von 1965 bis 1970 war er für die Planung und Ausführung von Fabrikbauten und Fertigungsabläufen in den Werken Braunschweig, Uelzen, USA und Singapur für die Rollei-Werke Franke & Heidecke in Braunschweig als Hauptabteilungsleiter beschäftigt. 1970 wurde er Professor an der Universität Stuttgart.
Warnecke war von 1971 bis 1993 ordentlicher Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb der Universität Stuttgart sowie – ebenfalls in Stuttgart Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und Direktor des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation. Seine Hauptarbeitsgebiete waren Unternehmensplanung und -steuerung, Automatisierung, Montage, Handhabungstechnik, Instandhaltung, Qualitätswesen sowie Mess- und Sensortechnik. Warnecke war auch Herausgeber der Buchreihen Produktionstechnik und Instandhaltung. Er gehörte zudem den Aufsichtsräten der Mahle GmbH in Stuttgart, von Barmag in Remscheid sowie von Brose in Stuttgart und München an. 1993 wurde der in Weil der Stadt lebende Warnecke emeritiert. Sein Nachfolger wurde 1995 Engelbert Westkämper.
Von 1993 bis 2002 war er Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Daneben war er von 1995 bis 1997 Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf. Bereits in den Jahren 1986 bis 1988 hatte er dem württembergischen Bezirksverein des VDI vorgesessen.[2]
Von 1993 bis 2002 war er Testimonial des Unternehmenswettbewerbs „Top 100 – Die innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand“ und Herausgeber des dazugehörigen Buches.[3]
Von 1996 bis 2002 war er Mitglied der Aufsichts- und Kontrollgremien (Beirat bzw. Kuratorium) der gemeinnützigen Bertelsmann Stiftung.[4]
Hans-Jürgen Warnecke war evangelisch, ab 1961 verheiratet mit Hiltrud Warnecke, geborener Kiemann, und hatte zwei Kinder (Esther und Mirjam). Er starb im März 2019 nach langer, schwerer Krankheit.[5] Sein Grab befindet sich auf dem Nymphenburger Friedhof in München.
Ehrungen und Auszeichnungen
Hans-Jürgen Warnecke erhielt die Ehrendoktorwürde der Universitäten Magdeburg, Ljubljana und Timișoara sowie eine Ehrenprofessur der Jiaotong-Universität Shanghai und der Universität Baotou. Im Jahr 1965 erhielt er die Taylor-Medaille. Der Verein Deutscher Ingenieure zeichnete ihn 1973 mit dem VDI-Ehrenring und 1990 mit dem VDI-Ehrenzeichen aus.[6] 1982 erhielt er die Joe F. Engelberger-Medaille und 1983 die Albert M. Sargent-Medaille der Society of Manufacturing Engineers (SME). 1993 nahm die National Academy of Engineering der Vereinigten Staaten Warnecke als auswärtiges Mitglied auf. 1997 wurde er mit dem Niedersächsischen Verdienstorden, 1998 mit der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg und 2004 mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. 2000 erhielt er die Grashof-Denkmünze des Vereins Deutscher Ingenieure[6] und 2002 wurde er Träger des Ehrenrings der Eduard-Rhein-Stiftung.
Schriften (Auswahl)
- Industrieroboter. 1979.
- mit Manfred Hüser: Revolution der Unternehmenskultur. Springer, Berlin 1993, ISBN 3-540-57196-5.
- Die Fraktale Fabrik. Rowohlt, Reinbek 1996, ISBN 3-499-19708-1.
- Schiffsantriebe, 5000 Jahre Innovation. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2005, ISBN 3-7822-0908-7.
Literatur
- Warnecke, Hans-Jürgen. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1305.
Weblinks
- Literatur von und über Hans-Jürgen Warnecke im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Biografische Information zu Hans-Jürgen Warnecke ( vom 22. Dezember 2007 im Internet Archive) auf karl-schlecht.de
Einzelnachweise
- ↑ Anzeige von Hans-Jürgen Warnecke. Süddeutsche Zeitung, abgerufen am 1. September 2020.
- ↑ Der VDI Württembergischer Ingenieurverein e. V. (WIV) stellt sich vor. VDI Württembergischer Ingenieurverein e. V., abgerufen am 26. September 2020.
- ↑ Wer sind die Menschen hinter Top 100? Hans-Jürgen Warnecke: die Anfänge. Compamedia, abgerufen am 15. Mai 2020.
- ↑ Bertelsmann Stiftung trauert um Hans-Jürgen Warnecke. Bertelsmann Stiftung, 28. März 2019, abgerufen am 15. Mai 2020 (Pressemitteilung).
- ↑ Trauer um Hans-Jürgen Warnecke. In: VDI nachrichten. 29. März 2019, ISSN 0042-1758, S. 39.
- ↑ a b Gisela Laalej: Ehemaliger VDI-Präsident Hans-Jürgen Warnecke vollendet sein 75. Lebensjahr. In: VDI nachrichten. 3. April 2009, ISSN 0042-1758, S. 33.