Hans-Hermann Hofstadt

Hans-Hermann Hofstadt (* 20. Oktober 1940 in Mülheim an der Ruhr) ist ein deutscher Architekt, Szenograf und Hochschullehrer.

Leben und Werdegang

Hofstadt studierte 1960 Kunstgeschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und anschließend Architektur an der RWTH Aachen. 1964/1965 nahm er in Oberägypten an der UNESCO-Rettungsaktion für die Felsentempel von Abu Simbel teil. Nach der Diplom-Hauptprüfung bei Fritz Eller arbeitete er ab 1967 bei Rudolf Steinbach und Horst Kohl als Wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. Oberingenieur am Lehrstuhl Baukonstruktion II der RWTH Aachen sowie in deren Büro – zuletzt unter dem Lehrstuhlinhaber Wolfgang Döring. 1974 promovierte er bei Erich Schild. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte waren Architekturfiktionen der 1960er/1970er Jahre sowie Experimental-Konstruktionen. Des Weiteren forschte er zur Problematik der Einführung moderner multimedialer Darstellungs- und Vermittlungstechniken in der Lehre wie in der Planungspraxis. Von 1974 bis 1980 leitete er die Redaktion der Zeitschrift PORÖS[1] – Arbeitsblätter des Lehrstuhls Baukonstruktion II der RWTH Aachen. 1978 erfolgte die Gründung der Hofstadt Multimedia GmbH & Co. KG als Büro für Architektur und Ausstellungsplanung. 1980 zog er mitsamt seinem Büro nach Düsseldorf um und ging eine Architekten-Partnerschaft mit Wolfgang Döring ein. 1982 gründete er dort sein eigenes Architekturbüro. Im gleichen Jahr wurde er zum Professor für Grundlagen der Baukonstruktion und Entwerfen an die damalige Fachhochschule Trier – heute Hochschule Trier / Trier University of Applied Sciences – berufen, wo er 2005 in den Ruhestand trat.

Schon 1991 tat er sich mit Markus Schneider zur Bürogemeinschaft Hofstadt–Schneider Architekten und Ingenieure zusammen, Schwerpunkte waren Wohnungs- und Verwaltungsbau sowie das Bauen im historischen Bestand. Parallel dazu arbeitete seine Hofstadt Multimedia GmbH & Co. Consult KG auf architektur-medialem Gebiet weiter. Seit 1998 trägt sein Büro den Namen sceneA’tecture.[2] Basierend auf der Kooperation mit externen Spezialisten setzt er seine vielschichtige architektonisch-szenografische Arbeit fort. Das Büroprofil lässt sich als Synthese von Architektur und künstlerisch-medialer Inszenierung beschreiben – in musealem Kontext wie auch im öffentlichen Raum.

Projekte

  • 1992: Aquarius-Wassermuseum in Mülheim an der Ruhr, Leuchtturmprojekt der IBA Emscher Park, Auszeichnung mit dem BDA-Preis „IBA begleiten“; heute als Museum und Aussichtspunkt genutzt. Hofstadt übernahm die architektonische Planung und die Gestaltung des Museums.        
  • 1992: Haus Ruhrnatur in Mülheim an der Ruhr, szenotektonische Ausstellungsplanung und -ausführung.[3]
  • 2002: Zeittunnel Wülfrath, Freiluftmuseum mit drei Aussichtskanzeln im Bochumer Bruch und Steinbruch Schlupkothen, szenotektonisches Gesamtkonzept und Realisierung; Leuchtturmprojekt der EUROGA 2002+, Wülfrath[4][5]
  • 2006: Camera Obscura – Museum der Vorgeschichte des Films[6]
  • 2007: Müritzeum mit der Naturkundlichen Sammlung Mecklenburg-Vorpommern in Waren (Müritz), szenotektonische Konzeption und Ausstellungsplanung mit Kessler & Co. GmbH (Mülheim an der Ruhr)[7]
  • 2010: Barnim Panorama in Wandlitz, Konzeption und Ausstellungsplanung mit Kessler & Co. GmbH[8]
  • 2015: Naturausstellung „Der letzte Wilde“ in der Burgenwelt Ehrenberg in Reutte (Tirol), Konzeption und Ausstellungsplanung mit Kessler & Co. GmbH[9][10]
  • 2020: Schutzbau für die Römische Eifelwasserleitung am Aquarius-Wassermuseum in Mülheim an der Ruhr[11]
  • 2024: Erlebnispfad Schloss Broich, Brücke, Plattform und Schutzgeländer in der spätkarolingischen Wehranlage von Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr, ein begehbarer Rundweg mit Informationstafeln zur Burggeschichte, architektonisch geplant und gestaltet unter Hofstadt[12]

Schriften und Literatur

  • (mit Wolfgang Döring): Entwerfen + Bauen. (= Lehrbuchreihe Architektur) W. Kohlhammer, Stuttgart 1981, ISBN 3-17-007067-3.
  • ACIH Association pour la Consultation Internationale pour l’Aménagement du Quartier des Halles a Paris (Hrsg.): 600 Contreprojets pour les Halles. S. 290.
  • (mit Christoph Ingenhoven und Michael Wagner): Aix-la-Chapelle, R.F.A. Éditions du Moniteur, Paris 1982, ISBN 2-86282-146-2.
  • Aquarius Wassermuseum Mülheim an der Ruhr, Germania. In: Luca Basso Peressut: Musei per la Scienza / Science Museums. Edizioni Lybra Immagine, Milano 1998, ISBN 88-8223-033-3, S. 192–196.
  • Architektur Gewerbebereich – Betriebsverwaltung Rheinisch-Westfälische Wasserwerke. In: Kunibert Wachten (Hrsg.): Wandel ohne Wachstum? / Change Without Growth? Friedrich Vieweg & Sohn, Braunschweig / Wiesbaden 1996, ISBN 3-528-08140-6, S. 82.
  • Mülheim an der Ruhr. Das Wassermuseum im Wasserturm. In: Thomas Wieckhorst: Wassertürme neu genutzt. Meininger Verlag, Neustadt an der Weinstraße 1996, ISBN 3-87524-112-6, S. 10–15.
  • (mit J. Schmitz und Ä. Strack): Die Schlossrettung. Das bewegte Leben des Schlosses Broich zu Mülheim an der Ruhr. Eine Zeitreise. ISBN 978-3-00-077677-9.[13]

Einzelnachweise

  1. Lehrstuhl für Baukonstruktion und Entwerfen Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen: Porös Arbeitsblätter des Lehrstuhls für Baukonstruktion 2, Architekturabteilung, Technische Hochschule Aachen. 1974 (slub-dresden.de [abgerufen am 22. Mai 2025]).
  2. Hans Hermann Hofstadt | sceneA‘tecture. Abgerufen am 22. Mai 2025.
  3. [1]
  4. Homepage
  5. ZEITTUNNEL WÜLFRATH. In: Kessler & Co. Abgerufen am 23. Mai 2025.
  6. Homepage
  7. Performance | Hans Hermann Hofstadt | sceneA‘tecture. In: Hofstadt. Abgerufen am 23. Mai 2025.
  8. Performance | Hans Hermann Hofstadt | sceneA‘tecture. In: Hofstadt. Abgerufen am 23. Mai 2025 (amerikanisches Englisch).
  9. Homepage
  10. Performance | Hans Hermann Hofstadt | sceneA‘tecture. In: Hofstadt. Abgerufen am 23. Mai 2025.
  11. Lea Wittor: RWW stellt antike römische Wasserleitung in Mülheim aus. 19. Juni 2019, abgerufen am 23. Mai 2025.
  12. Erlebnispfad Schloß Broich eröffnet: Eintauchen in die Geschichte. 22. April 2024, abgerufen am 23. Mai 2025.
  13. Buch zur Schlossrettung erschienen. 1. März 2024, abgerufen am 23. Mai 2025.