Hans-Georg von Seidel
Ludwig Karl Hans-Georg von Seidel (* 11. November 1891 in Diedersdorf; † 10. November 1955 in Bad Godesberg) diente im Ersten Weltkrieg als Heeresoffizier und trug als Luftwaffenoffizier im Zweiten Weltkrieg zuletzt den Dienstgrad General der Flieger.
Leben
Seine Eltern waren der 1909 geadelte Fabrikant, Kreisdepurtierte[1] und Rittergutsbesitzer Ludwig von Seidel (* 1851; † 1933) und seine Ehefrau Margarete Veit, beide aus Berlin stammend. Seidel hatte mehrere Geschwister, wo von der Bruder Hans-Joachim von Seidel das väterliche Hauptgut Diedersdorf im Landkreis Lebus erbte. Die Mutter lebte als Witwe in Berlin.
Hans-Georg von Seidel trat am 18. März 1910 in die preußische Armee ein, wurde am 18. August 1911 zum Leutnant befördert, diente als Offizier während des Ersten Weltkriegs zuletzt im Dienstgrad Rittmeister und danach bis zu seiner Entlassung aus dem aktiven Dienstverhältnis am 26. April 1920 im Dienstgrad Hauptmann i. G.
Bereits 1919 hatte Hans-Georg von Seidel in Berlin die Baronesse Fairy von Buxhoeveden (* 1892; † 1945) geheiratet, die in der Nähe von St. Petersburg als jüngste Tochter der Charlotte von Siemens und des Landmarschalls Baron Alexander (Axel) Peter Eduard von Buxhoeveden geboren wurde.[2] Das Ehepaar hatte zwei Söhne, beide in Berlin geboren, Alexander 1920, 1923 Horst von Seidel.
Im Mai 1934 trat er als Major i. G. wieder in die Streitkräfte ein, dieses Mal beim Reichsluftfahrtministerium der Luftwaffe. Von August bis Oktober 1935 erfolgte an der Fliegerschule Braunschweig und der Kampffliegerschule Jüterbog die Ausbildung zum Luftraumbeobachter, im Dezember desselben Jahres die Versetzung auf den Dienstposten als Abteilungsleiter in den Generalstab der Luftwaffe, auf dem er zum Oberstleutnant befördert wurde. Im März 1937 trat er die Verwendung als Kommandeur der Aufklärungsgruppe 12 und Kommandant des Fliegerhorsts Stargard-Klützow an. In der Folgeverwendung als Generalquartiermeister der Luftwaffe vom 16. April 1938 bis zum 30. Juni 1944 erfolgten die Beförderungen zum Oberst, Generalmajor, Generalleutnant und General der Flieger. Von Juli 1944 bis Februar 1945 war er Oberbefehlshaber der Luftflotte 10. Die Versetzung zur Führerreserve beim Oberkommando der Luftwaffe erfolgte Ende Februar des letzten Kriegsjahres.
Von den Gütern des Vaters erbte er das 368 ha-Nebengut Ober-Görsdorf, als Ort zusammengefasst in Görsdorf, bei Diedersdorf. Der Gutsbetrieb wurde von einem Verwalter geleitet.[3]
Hans-Georg von Seidel war wie sein nächstälterer Bruder Hans-Joachim von Seidel-Diedersdorf[4] seit 1931 Ehrenritter im Johanniterorden. Hauptwohnsitz seiner Familie um 1940 war Obergörsdorf.
Hans-Georg von Seidel geriet am 5. Mai 1945 in Oberaudorf in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde am 17. Mai den Briten übergeben. 1948 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.[5] Seine Frau starb in den letzten Kriegstagen bei Oschatz.
Von Juli 1955 bis zu seinem Tode war er Mitglied des Personalgutachterausschusses für die neue Bundeswehr.
Nach ihm war von 1965 bis 2012 die General-von-Seidel-Kaserne in Trier benannt.[6]
Seine beiden Söhne Alexander und Horst von Seidel wurden ebenfalls Mitglieder des Johanniterordens, hier der Brandenburgischen Provinzial-Genossenschaft.[7]
Auszeichnungen
- Eisernes Kreuz (1914) II. und I. Klasse
- Wehrmacht-Dienstauszeichnung IV. und III. Klasse
- Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938 mit Spange “Prager Burg”
- Medaille zur Erinnerung an die Heimkehr des Memellandes
- Spange zum Eisernen Kreuz II. und I. Klasse
- Gemeinsames Flugzeugführer- und Beobachterabzeichen
- Kriegsverdienstkreuz (1939) II. und I. Klasse mit Schwertern
- Stern von Rumänien Großoffizierskreuz mit Schwertern am 23. Dezember 1941 (Royal Decree No. 3517)
- Finnischer Orden des Freiheitskreuzes I. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am 31. März 1943
- Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern am 20. Juli 1944
Genealogie
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1910. Vierter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1909, S. 738 f.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. 1921. Vierter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1920, S. 777 f.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1942. Vierunddreißigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 497 f.
Weblinks
- Bundesarchiv (BArch) (Hrsg.): Akten der Reichskanzlei: Seidel, Hans-Georg von.
Einzelnachweise
- ↑ W. Vogt, Lorenz M. Rheude: Roland. Monatsschrift. 10. Jahrgang-1909 bis 1910, Deutsche Standeserhöhungen/Genealogie von Personen und Geschlechtern, Hrsg. Roland-Verein zur Förderung der Stamm-, Wappen- und Siegelkunde, Selbstverlag Gebr. Vogt, Papiermühle S.-A. 1910, S. 50.
- ↑ Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow et al.: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser 1952. Band I, Band 4 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Glücksburg (Ostsee) 1952, ISSN 0435-2408, S. 67 f.
- ↑ Vgl. Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, Ludwig Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. [1929]. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts. Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Verlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 241.
- ↑ Gesamtliste der Mitglieder des Johanniter-Ordens nach dem Stand vom Juni 1953. Eigenverlag, Bonn 1953, S. 110.
- ↑ Prisoners held at Special Camp 11: General der Flieger Hans-Georg von Seidel (Luftwaffe) (englisch).
- ↑ Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier (Hrsg.): Datei Ehemalige General-von-Seidel-Kaserne Euren, Stadt Trier Luxemburger Straße 1., Stand 2025.
- ↑ Gesamtliste der Mitglieder der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem. Nach dem Stand vom Herbst 1972. Eigenverlag, Bonn 1972, S. 56.