Hannes Ludyga

Hannes Ludyga (* in München) ist ein deutscher Rechtswissenschaftler und Rechtshistoriker. Er lehrt seit 2014 als Professor für Bürgerliches Recht, Immaterialgüterrecht, Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte an der Universität des Saarlandes.

Leben

Nach dem Abitur am Münchner Wilhelmsgymnasium 1995 studierte Ludyga Rechtswissenschaften und Geschichtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Das erste und das zweite juristische Staatsexamen legte er 2001 und 2004 jeweils in München ab. Am Historischen Seminar der LMU schloss er 2004/05 als Magister Artium (M. A.) in Neuerer und Neuester Geschichte mit den Nebenfächern Mittelalterliche Geschichte sowie Recht für Sozialwissenschaften ab. In seiner Magisterarbeit befasste er sich mit Philipp Auerbach (1906–1952), der in der Nachkriegszeit Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte in Bayern war.

Mit einer Arbeit über Die Rechtsstellung der Juden in Bayern von 1819 bis 1918 (im Spiegel der Verhandlungen der Abgeordnetenkammer des bayerischen Landtags) wurde Ludyga 2006 in München zum Dr. iur. promoviert. Anschließend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Hans-Georg Hermann am Leopold-Wenger-Institut für Rechtsgeschichte der LMU. Dort habilitierte er sich 2009 mit einer Schrift über die Obrigkeitliche Armenfürsorge im deutschen Reich vom Beginn der Frühen Neuzeit bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges (1495–1648). Im Wintersemester 2009/10 übernahm er eine Lehrstuhlvertretung an der Universität Münster, im Sommersemester 2010 an der Universität Frankfurt.

Ludyga wurde 2014 auf den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Immaterialgüterrecht, Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte an die Universität des Saarlandes berufen. Er forscht und veröffentlicht hauptsächlich zur Rechtsgeschichte des 20. Jahrhunderts, insbesondere zum Leben und Werk von Zivilrechtlern sowie zu Antisemitismus im Recht. Seit 2018 ist er Mitherausgeber der bei Peter Lang erscheinenden Schriftenreihe Saarbrücker Studien zum Privat- und Wirtschaftsrecht und seit 2024 gemeinsam mit Christian Gomille Herausgeber der Reihe Saarländische Juristische Studienliteratur im Universitätsverlag des Saarlandes. Für die 14. Auflage des Soergel-Großkommentars zum Bürgerlichen Gesetzbuch hat Ludyga den Abschnitt des Erbrechts kommentiert, in dem es um Vermächtnisse geht (§§ 2147–2191 BGB).

Schriften (Auswahl)

  • Philipp Auerbach (1906–1952). „Staatskommisar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte“. BWV, Berlin 2005, ISBN 3-8305-1096-9.
  • Die Rechtsstellung der Juden in Bayern von 1819 bis 1918. Studie im Spiegel der Verhandlungen der Kammer der Abgeordneten des bayerischen Landtags. Duncker & BWV, Berlin 2007, ISBN 3-8305-1417-4.
  • Inhaltskontrolle von Pflichtteilsverzichtsverträgen. Zerb-Verlag, Bonn 2008, ISBN 978-3-935079-89-1.
  • Obrigkeitliche Armenfürsorge im deutschen Reich vom Beginn der Frühen Neuzeit bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges (1495–1648). Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-13385-7.
  • Als Herausgeber: Das Oberlandesgericht München zwischen 1933 und 1945. Metropol, Berlin 2012.
  • Hrsg. mit Thomas Holzner: Entwicklungstendenzen des Staatskirchen- und Religionsverfassungsrechts. Ferdinand Schöningh, Paderborn u. a. 2013.
  • Otto Kahn-Freund (1900–1979). Ein Arbeitsrechtler in der Weimarer Zeit (= Juristische Zeitgeschichte. Abteilung 4, Leben und Werk. Band 16). Berlin 2016.
  • Mit Steffen Schlinker und Andreas Bergmann: Privatrechtsgeschichte. Ein Studienbuch. C.H. Beck, München 2019.
  • Rechtsgeschichte Saarbrückens im 20. Jahrhundert (= Juristische Zeitgeschichte. Abteilung 1, Allgemeine Beiträge. Band 27). De Gruyter, Berlin 2022.
  • Franz Mestitz (1904–1994) (= Juristische Zeitgeschichte. Abteilung 4, Leben und Werk. Band 19). De Gruyter, Berlin 2024.
  • Antisemitismus. Privatrecht – Ziviljustiz – Juristenausbildung. Nomos, Baden-Baden 2024.
  • Hrsg. mit Dan Aradovsky, Simon Dörrenbächer: Rechtswissenschaften an der Saar (= Schriften zur Rechtsgeschichte. Band 230). Duncker & Humblot, Berlin 2025.