Hanna Wolf (Politikerin, 1908)
Hanna Wolf, geb. Haschka (* 4. Februar 1908 in Gonionds; † 22. Mai 1999 in Berlin) war Rektorin der Parteihochschule beim ZK der SED und Mitglied des Zentralkomitees der SED.
Leben und Wirken
Hanna Wolf war Tochter eines Rabbiners und Lehrers und einer Lehrerin. Sie wurde nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums ebenfalls Lehrerin. Sie war Mitglied im polnischen Kommunistischen Jugendverband, studierte von 1927 bis 1932 an der Universität Berlin und wurde 1930 Mitglied der KPD. 1932 emigrierte sie nach Moskau. Sie arbeitete von 1935 bis 1937 an der Internationalen Lenin-Schule der Komintern. Von 1943 bis 1948 war sie Leiterin der Zentralschule für deutsche Kriegsgefangene in Krasnogorsk.
Nach ihrer Rückkehr im April 1948[1] nach Deutschland war Wolf im Parteiapparat der SED tätig, wurde 1954 Kandidatin und 1958 Mitglied des ZK der SED. Am 12. September 1950 setzte das Politbüro der SED Hanna Wolf als Direktorin der Parteihochschule Karl Marx ein, die sie bis 1983 leitete.
Wolf erhielt zahlreiche Auszeichnungen in der DDR und in der Sowjetunion. 1978 verlieh ihr die Karl-Marx-Universität Leipzig die Ehrendoktorwürde.[2]
Auf der Plenartagung des Zentralkomitees am 18. Oktober 1989 während der Wende und friedlichen Revolution in der DDR stimmte Wolf als einziges ZK-Mitglied gegen den Vorschlag des Politbüros, Erich Honecker von seinen Funktionen in Staat und Partei zu entbinden.[3] Im Februar 1990 wurde sie aus der PDS ausgeschlossen.
Hanna Wolf lebte mit dem SED-Politiker Wilhelm Knigge in einer Lebensgemeinschaft.[4] Die letzte Ruhe fanden beide im VdN-Ehrenhain auf dem Friedhof Pankow III in Berlin.
Auszeichnungen
- 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus 1933 bis 1945
- 1959 Banner der Arbeit
- 1964 Karl-Marx-Orden
- 1968 Vaterländischer Verdienstorden
- 1970 Orden des Vaterländischen Krieges
- 1970 Lenin-Erinnerungsmedaille
- 1973 Held der Arbeit
- 1975 Kampforden „Für Verdienste um Volk und Vaterland“
- 1975 sowj. Orden Zeichen der Ehre
- 1978 Karl-Marx-Orden
- 1983 Hervorragender Wissenschaftler des Volkes
- 1985: Medaille „40. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg 1941–1945“[5]
Literatur
- Peter Erler, Helmut Müller-Enbergs: Wolf, Hanna. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
- Wolf, Hanna. In: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. Saur, München 1980, S. 831.
Weblinks
- Literatur von und über Hanna Wolf im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Gottfried Hamacher unter Mitarbeit von André Lohmar, Herbert Mayer, Günter Wehner und Harald Wittstock: Gegen Hitler. Deutsche in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung »Freies Deutschland«, Kurzbiografien. Karl Dietz Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-320-02941-X, S. 216 (Online [PDF; abgerufen am 16. April 2019]).
- ↑ Verzeichnis der Ehrenpromotionen. Archiv der Universität Leipzig, archiviert vom am 19. Oktober 2020; abgerufen am 14. November 2020 (Ordnung nach Graduierungsjahr).
- ↑ Siehe Hans-Hermann Hertle, Gerd-Rüdiger Stephan (Hrsg.): Das Ende der SED. Die letzten Tage des Zentralkomitees. 4. Auflage. Berlin 1999, S. 104.
- ↑ Bernd-Rainer Barth: Wilhelm Knigge. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
- ↑ Deutsche Antifaschisten geehrt. In: Neues Deutschland. 4. Mai 1985, S. 3 (dfg-viewer.de).