Hanna Chrzanowska

Hanna Helena Chrzanowska (* 7. Oktober 1902 in Warschau, damals Russisches Kaiserreich; † 29. April 1973 in Krakau, Polen) war eine polnische römisch-katholische Krankenschwester, die in der katholischen Kirche als Selige verehrt wird. Ihr Gedenktag in der Liturgie ist der 28. April.

Leben

Hanna Chrzanowska wurde am 7. Oktober 1902 in Warschau als Tochter des Literaturwissenschaftlers Ignacy Chrzanowski und dessen Frau Wanda Szlenkier geboren. Die Eltern führten eine konfessionsverschiedene Ehe, und die Familie war für ihr caritatives Engagement bekannt. Auch die Großeltern mütterlicherseits und eine Tante engagierten sich im Sozial- und Gesundheitswesen.

Seit ihrer Kindheit litt Chrzanowska an Atemwegserkrankungen und verbrachte viel Zeit in Krankenhäusern und Sanatorien, um sich zu erholen. Schon als Kind sorgte sie sich um Kranke und Bedürftige in ihrer Umgebung.

1910 zog die Familie von Warschau nach Krakau um. Dort besuchte Hanna das Gymnasium der Ursulinen und schloss es mit Auszeichnung ab. Während der Oktoberrevolution 1917 kümmerte sie sich um verwundete Soldaten. 1920 nahm sie ein Studium an der Krankenpflegeschule in Warschau auf. In den 1920er Jahren erlitt sie eine Armverletzung und musste sich einer Operation unterziehen. Bevor sie in die Krankenpflegeschule aufgenommen wurde, arbeitete sie sechs Monate lang freiwillig in einer Klinik, wurde dort aber überwiegend mit buchhalterischen Aufgaben betraut, die ihr nicht zusagten, da sie den direkten Kontakt zu Kranken suchte.

1925 erhielt Chrzanowska ein Stipendium für eine Krankenpflegeschule in Frankreich und arbeitete später als Krankenschwester mit Mitgliedern des US-Roten Kreuzes in einer Zeit, in der der Pflegeberuf gesellschaftlich wenig angesehen war. Im Rahmen ihrer Ausbildung reiste sie auch nach Belgien, um den dortigen Krankenpflegeberuf zu beobachten und zusätzliche praktische Erfahrung sowie ein breiteres Wissen über Tätigkeiten in der Krankenpflege zu gewinnen.

Während ihrer Tätigkeit als Krankenschwester entwickelte sich Chrzanowska in Polen zu einer führenden Fachkraft auf diesem Gebiet. Von 1926 bis 1929 war sie Dozentin an der Universitätsschule für Krankenschwestern und Hygieniker in Krakau; von 1929 bis 1939 fungierte sie zudem als Herausgeberin der Monatszeitschrift „Krankenschwester in Polen“. 1937 wirkte sie an der Gründung des katholischen Verbandes der polnischen Krankenschwestern mit.

Als Oblatin schloss sich Chrzanowska dem Benediktinerorden an und versuchte, in benediktinischer Spiritualität ihren Glauben mit ihrer beruflichen Tätigkeit zu verbinden.

Während des Zweiten Weltkriegs verlor sie 1940 ihren Vater, der im Rahmen der „Sonderaktion Krakau“ im KZ Sachsenhausen ums Leben kam, sowie ihren Bruder Bogdan, der durch sowjetische Soldaten beim Massaker von Katyn getötet wurde. Im Verlauf des Krieges organisierte sie in Warschau Krankenschwestern für die häusliche Pflege und half bei der Versorgung und Umsiedlung von Flüchtlingen.

Nach Kriegsende wurde Chrzanowska Leiterin eines Pflegeheims. Dort war sie mit Verwaltungsaufgaben betraut, betreute Bewohner und arbeitete mit Krankenpflegeschülerinnen zusammen. Außerdem wirkte sie als Direktorin der Schule für psychiatrische Krankenpflege in Kobierzyn, bis diese von den Kommunisten geschlossen wurde. Anschließend widmete sie sich verstärkt der Pflege von Armen und Vernachlässigten in ihrem eigenen Gemeindegebiet.

Als Anerkennung ihres caritativen Engagements erhielt Hanna Chrzanowska 1965 die Medaille Pro Ecclesia et Pontifice und 1971 den Orden Polonia Restituta.

1966 wurde bei ihr Krebs diagnostiziert. Trotz mehrerer Operationen breitete sich die Krankheit weiter aus. Franciszek Macharski, damals Regens des Priesterseminars und späterer Erzbischof von Krakau und Kardinal, spendete ihr am 12. April 1973 das Sakrament der Krankensalbung. Chrzanowska starb am 29. April 1973 um 4:00 Uhr morgens in ihrer Wohnung. Der Erzbischof von Krakau, Kardinal Karol Wojtyła – der spätere Papst Johannes Paul II. – feierte am 2. Mai 1973 das Requiem und ihre Beerdigung.

Seligsprechung

Der Seligsprechungsprozess wurde 1997 mit dem Informativprozess auf Diözesanebene in Krakau eröffnet.

Papst Franziskus erkannte mit Dekret vom 30. September 2015 ihre heroischen Tugenden an und erklärte sie zur „Ehrwürdigen Dienerin Gottes“. Nachdem im Juli 2017 ein Wunder auf ihre Fürsprache hin anerkannt worden war, wurde Hanna Chrzanowska am 28. April 2018 in Krakau seliggesprochen.

Gedenktag

Ihr Gedenktag in der Liturgie der Kirche ist der 28. April.