Handwerkerschule Berlin
Die Handwerkerschulen in Berlin waren Lehranstalten zur Weiterbildung von Handwerkern. Eine Grundvoraussetzung für den Besuch der Schule war eine abgeschlossene Lehre. Die 1. Handwerkerschule in Berlin bestand von 1880 bis 1933 und die 2. Handwerkerschule von 1892 bis 1922.
Geschichte
1. Handwerkerschule
Die erste städtische Handwerkerschule in Berlin wurde am 10. Oktober 1880 gegründet. Ihr erster Direktor war der Pädagoge Otto Jessen, der die Schule bis an sein Lebensende 1904 führte. Die Schule hatte anfangs ihren Sitz in der Kurstraße 52–53, dem sogenannten Fürstenhaus, in dem sich auch das Friedrich-Werdersche Gymnasium befand. Die Schule war anfangs eine Abendschule, in der Handwerker Mathematik, Technisches Zeichnen und Technologie erlernten. Später wurden auch Nachmittags- und Tageskurse angeboten. Wegen des großen Zuspruchs wurde das Gebäude bald zu klein und es erfolgte 1886 der Umzug in die Lindenstraße 97–98, ein Frontgebäude der von 1884 bis 1886 nach Plänen von Hermann Blankenstein und August Lindemann errichteten Markthalle II. Als 1892 eine zweite Handwerkerschule gegründet wurde, hieß die Schule offiziell „1. Handwerkerschule“. Nach dem Tod Jessens übernahm Professor Dr. Paul Szymanski die Leitung und nach dessen Tod im Jahr 1914 wurde Professor Wilhelm Geissler der Nachfolger. Bekannte Lehrer waren Ludwig Sütterlin und Helene Ernst. 1922 wurden Teile der Schule infolge der Schulreform verlegt, teilweise in die neu gegründete Kunstgewerbe- und Handwerkerschule am Stralauer Platz und teilweise in die neu gegründete Gauß-Schule. 1933 wurde die Handwerkerschule endgültig aufgelöst.[1]
2. Handwerkerschule
Wegen des starken Wachstums der 1. Handwerkerschule wurde am 16. Oktober 1892 die 2. Handwerkerschule Berlin gegründet. Ihr erster Direktor war bis 1913 der Ingenieur und Bootsbauer Hermann Tradt (gest. 1926). Die Schule wurde am Stralauer Platz 24 im ehemaligen Gemeindeschulhaus eingerichtet. Von 1900 bis 1901 wurde nach Plänen von Ludwig Hoffmann in der Andreasstraße 1/2 ein Erweiterungsbau errichtet. Danach wurde der Altbau am Stralauer Platz abgetragen und es folgte von 1901 bis 1903 ein Neubau. 1923 wurde als Nachfolgeinstitution die städtische Kunstgewerbe- und Handwerkerschule eingerichtet und Teile der 1. Handwerkerschule dorthin verlegt. Die Leitung übernahm bis 1932 der Direktor der Charlottenburger Kunstgewerbe- und Handwerkerschule, Ernst Schneckenberg.
Weblinks
- Städtische (II.) Handwerkerschule. In: Edition Luisenstadt 2002, Stand 2009
- Die 1. Handwerkerschule zu Berlin. In: Von Ingenieurschulen zur Hochschule. Hrsg.: Beuth Hochschule für Technik Berlin. S. 10 f
Einzelnachweise
- ↑ Lindenstraße 97. 98. In: Berliner Adreßbuch, 1933, Teil 4, S. 492 (Handwerkerschule I. letztmalig erwähnt).