Hamed Abdalla

Hamed Abdalla (* 10. August 1917 in Kairo, Ägypten; † 31. Dezember 1985 in Paris, Frankreich) war ein ägyptischer Maler und Zeichner. Er gilt als Pionier der modernen Kunst in Ägypten und der arabischen Welt.[1]

Leben

Hamed Abdalla wurde 1917 in Kairo als Sohn einer bäuerlichen Familie aus Oberägypten geboren. In seiner Jugend besuchte er zunächst eine Koranschule und später eine Kunstgewerbeschule in Gizeh, wo er Unterricht in Kunsthandwerk, insbesondere in Schmiedearbeiten, erhielt. Doch schon damals war er mit dem Unterricht unzufrieden, da seiner Meinung nach nur die Nachahmung klassischer Vorbilder gelehrt wurde. Er brach die Ausbildung ab und begann, sich autodidaktisch mit Kunstgeschichte und Philosophie auseinanderzusetzen. Er besuchte Bibliotheken und übte sich eigenständig im Zeichnen und Malen. Seine Familie missbilligte diesen Lebensweg, was zu Brüchen führte – sein Vater entzog ihm zeitweise die Unterstützung. Abdalla ließ sich davon jedoch nicht abhalten und setzte seine künstlerische Laufbahn fort. Bereits früh etablierte er sich als Künstler: Mit etwa 24 Jahren hatte er 1941 seine erste Einzelausstellung. 1942 gründete er in Kairo ein eigenes Atelier[1], in dem er bis 1948 junge Künstler unterrichtete. In den 1950er-Jahren verlegte Abdalla seinen Lebensmittelpunkt nach Europa. 1956 zog er zunächst nach Kopenhagen und zehn Jahre später, 1966, nach Paris. Trotz seines Exils blieb er seiner Heimat und der Idee des Panarabismus verbunden und bezog in seinem Werk oft politisch und kulturell Stellung. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1985 in Paris.[1]

Werk

Hamed Abdallas Werk lässt sich in mehrere Phasen mit unterschiedlichen Schwerpunkten unterteilen. Bereits in seiner frühen Schaffensphase war er stark von seiner Herkunft aus Oberägypten und seinem bäuerlichen Umfeld geprägt. In seinen Werken finden sich Motive aus dieser erdverbundenen Welt, darunter Landschaften, nubische Dörfer und das einfache Leben. Ein zentrales Konzept in seinem Werk ist das, was er das „kreative Wort“ nannte.[2] Er übersetzte geschriebene arabische Worte in malerische Formen und verband sie mit abstrahierten menschlichen Figuren. Dabei verschmolzen Abstraktion, figürliche Darstellung sowie poetische und politische Bedeutung. Insbesondere setzte er arabische Schriftzeichen nicht nur als dekoratives Element ein, sondern formte sie zu Körpern oder abstrakten Gebilden – eine Form, die häufig mit der Bewegung Hurufiyya assoziiert wird.

Sein Œuvre umfasst zahlreiche Werke mit sozialen und politischen Themen. Dazu gehören etwa Darstellungen von Wasserträgerinnen (Les porteuses d’eau, 1956), bei denen er die Figuren in Schriftbilder verwandelt, sowie Szenen der Unterdrückung, aber auch Themen wie Liebe und Begehren. Dabei experimentierte er mit unterschiedlichen Materialien und Techniken wie Gouache, Mischtechniken auf Papier oder Karton, Seidenpapier und Holz sowie verschiedenen Textur gebenden Verfahren.

In den späteren Jahrzehnten seines Schaffens beschäftigte sich Hamed Abdalla zunehmend mit existenziellen und spirituellen Themen. In der Werkserie Gens des cavernes (ca. 1975–1976) reflektierte er beispielsweise seine Faszination für prähistorische Höhlen, Felslandschaften und die natürlichen Ursprünge menschlicher Kultur, die er mit religiösen und spirituellen Bezügen verband.[3]

Hamed Abdallas Werk wurde bereits zu Lebzeiten in Ägypten ausgestellt, ab 1941 unter anderem im Museum of Modern Art in Kairo[1]. Ab den 1950er-Jahren folgten Ausstellungen in Europa, beispielsweise 1950 in der Galerie Bernheim-Jeune in Paris, sowie in Großbritannien, den USA und weiteren Ländern. Seine Werke befinden sich heute in bedeutenden internationalen Sammlungen und Museen, darunter das Tate Modern in London, die Barjeel Art Foundation und das Mathaf: Arab Museum of Modern Art in Doha sowie das Institut du Monde Arabe in Paris. 2024 wurde dem Künstler erstmals in der Schweiz eine Ausstellung gewidmet. Im Rahmen der Dauerausstellung „Kosmos Klee“ im Zentrum Paul Klee in Bern wurde eine Retrospektive von Hamed Abdallas Werken gezeigt.[4]

Literatur

  • Morad Montazami: Hamed Abdalla: Talismanic Modernism, Zamân Books & Curating, Paris, 2019.
  • Mona Abaza: Twentieth-century Egyptian Art: The Private Collection of Sherwet Shafei, American University in Cairo Press, Cairo, 2011.
  • Liliane Karnouk: Modern Egyptian Art, 1910–2003, American University in Cairo Press, Cairo/New York, 2005.
  • Sobhi Al Sharouny: A Museum In A Book: Selections From Dr. Mohamed Said Farsi's Art Collection, Dar Al Shorouk, Cairo, 1998,
  • Roula El Zein: Abdalla: L’Oeil De L’Esprit: La Vie Et L’oeuvre De L’artiste-Peintre, Bachari, Paris, 2014.

Einzelnachweise

  1. a b c d Biography – Hamed Abdalla. Abgerufen am 6. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  2. Creative word – Hamed Abdalla. Abgerufen am 6. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  3. People from the caves – Hamed Abdalla. Abgerufen am 6. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  4. Maja Petzold: Ein Ägypter und Paul Klee. In: Seniorweb Schweiz. 2. Februar 2024, abgerufen am 6. Dezember 2025 (Schweizer Hochdeutsch).