Hamburger FrauenZeitung

Die Hamburger FrauenZeitung war ein feministisches Zeitungsprojekt, das erstmals 1976 erschien und von 1981 bis 1999 regelmäßig in Hamburg veröffentlicht wurde. Neben der Berichterstattung über frauen- und lesbenpolitische Aktivitäten wollte die Zeitung feministische Theoriebildung und Aktivismus vermitteln.

Geschichte

Erstmals erschien die Hamburger Frauenzeitung 1976, zunächst nur als Blättersammlung, sie durchlief viele Veränderungen in den Arbeitsprozessen, in den Themen sowie im Layout.[1] Es sollte nicht der Versuch sein, an die Tradition der Hamburger Frauen-Zeitung von 1909, des Vereinsorgans des Hamburger Hausfrauenvereins, anzuknüpfen.[2]

Die neue Zeitung war Teil einer Vernetzung von autonomen feministischen Zeitschriften. Neben der Berichterstattung über frauen- und lesbenpolitische Aktivitäten bestand das Anliegen darin, feministische Theoriebildung und Aktivismus miteinander zu vermitteln. Dazu wurden auch regelmäßige thematische und journalistische Workshops veranstaltet. Mitherausgeberin, Redakteurin und Autorin war von 1990 bis 1998 Antke Engel.[3]

Zwischen 1981 und 1999 erschien die Hamburger FrauenZeitung regelmäßig drei- bis viermal jährlich. Die Auflagenhöhe betrug 2000 Stück und sie wurde zu einem Preis von 5,00 DM verkauft. Die Macherinnen der Zeitung arbeiteten alle ehrenamtlich. Inhaltlich gab es ein breites Themenfeld: feministische Theorien, politische Diskussionen, Konzertkritiken, Kleinanzeigen und mehr.[2] Über ihre Zeitung schrieben die Macherinnen 1998:[4]

„Seit über zehn Jahren haben unsere Hefte Schwerpunkte: Rassismus und Feminismus, Bevölkerungspolitik, Gewalt und Widerstand, Sex/Körper/Norm, Lesben und Aids, trans- und Inter/Sexualität …. Die Schwerpunkthefte versuchen, ein Thema umfassend und zugänglich zu machen. Es geht weniger darum, Informationen und Antworten zu geben, als Konflikte und widersprüchliche Positionen sichtbar zu machen oder überhaupt erst zu erzeugen. Neben kritischen Analysen lokaler und internationaler Ereignisse und Debatten um Strategien politischen Eingreifens wollen die Schwerpunkte immer auch eine Selbstreflexion feministischer Diskurse, Praktiken und Politiken produzieren und provozieren.

Mittelpunkt der Zeitungsarbeit und unserer Motivation, uns all dem Streß und der Selbstausbeutung auszusetzen, die eine solche Arbeit mit sich bringt, sind die Redaktionstreffen. Zumeist geht jedem Schwerpunktheft ein gemeinsames Wochenende voraus, an dem wir uns redend-lachend-streitend dem Thema annähern, erste Ideen und Einschätzungen entwickeln, Positionen und Interessen abklären sowie überlegen, welche Kontakte wir knüpfen oder reaktivieren wollen, um weitere Aspekte einzubeziehen (…).

Bisher wurde jeder Artikel von allen Redaktösen gelesen und inhaltlich diskutiert. Redigiert wurde gemeinsam. Ein solches Vorgehen, das wir auch bei Gestaltung und Layout praktizieren, hat den Vorteil, auf Arbeitsteilung und Expertinnenstatus verzichten zu können. Allerdings ist dieses Verfahren nicht nur zeitaufwendig, sondern verhindert auch oft eine weitergehende Beschäftigung mit spezifischen Fragen, auf die in kleinen Arbeitsgruppen anders eingegangen werden könnte.“

Kerstin Brandes, Kerstin Hof, Sally Johnson u. a.: Die Stadtverführerin Hamburg. FrauenLesbenStadtBuch. Hamburg 1998, S. 262 f.

Publikationsverlauf

Die Veröffentlichungen der Hamburger FrauenZeitung lassen sich in drei Phasen gliedern.

Erste Phase

Zwar versuchten die Mitarbeiterinnen der Hamburger FrauenZeitung selbst ihre Geschichte aufzuarbeiten, doch ist es kaum möglich, die vollständige Geschichte der Zeitung nachzuvollziehen, da frühere Ausgaben nur lückenhaft überliefert sind. Zum 13-jährigen Jubiläum im Jahr 1989 wurden in mehreren Artikeln die ersten Jahre des Projektes, die lückenhafte Geschichte und die Motivation der Macherinnen ergründet.[2]

„Einen Fleck, den es allerdings noch auszuleuchten gilt, stellen die Jahre 1977–1980 dar, über die bis jetzt nur weniges herauszubringen war. In zum Teil unregelmäßigen Abständen, aber mit ungebrochener Lebenskraft soll die Hamburger FrauenZeitung auch damals erschienen sein, eine Zeitlang umgetitelt in ‚Lila Steine‘. Wir harren der Dinge, die da noch zu entdecken sind – meldet Euch, Redakteurinnen jener Jahre!“

Mindestens 24 Hefte erschienen in der ersten Phase von 1976 bis etwa 1978. Teilweise erschienen sie gebündelt unter dem Namen Frauenzeitung Frauenzentrum Hamburg. Zu der Zeit war das Projekt eng mit dem Frauenzentrum in der Langenfelder Straße verbunden. Dort wurden auch die öffentlichen Redaktionssitzungen abgehalten. Das Heft erschien monatlich und hatte einen Umfang von 44, später von 60 Seiten. Das Layout war selbst gestaltet und weit von einem professionellen Zeitschriftlayout entfernt. Die Hefte waren teils mit der Schreibmaschine geschrieben, teils handschriftlich ergänzt und mit kleinen Zeichnungen am Rand versehen. Die Seiten wurden kopiert und zusammengeheftet. Die Hefte der Jahre 1978 bis 1980 sind nur teilweise und nur an wenigen Stellen archiviert worden. Das Editorial des ersten Heftes von 1976 listet folgende Ziele auf: Der Informationsaustausch zwischen den Frauen und den verschiedenen Gruppen der Hamburger Frauenbewegung sollte verbessert, Organisationsfragen des Frauenzentrums in der Langenfelder Straße sollten geklärt, Diskussionen in Gang gebracht, persönliche Kleinanzeigen gesammelt, Kurznachrichten über Ereignisse und Hausdurchsuchungen öffentlich gemacht werden und mehr.[2]

Zweite Phase

Von den Heften, die in der zweiten Phase etwa von 1979 bis 1980 erschienen sind, sind kaum Hefte erhalten. Eine Gruppe, um die Zeitung weiterzuführen, hatte sich im März 1979 in neuer Konstellation zusammengesetzt und die zweite Phase wurde mit der Herausgabe von Heft-Nr. 1 neu gestartet. In dieser Phase zeigt sich in den Heften der Wille zum Ausprobieren, und gestalterisch und organisatorisch können sie als ein Übergang betrachtet werden. Der Name der Zeitung änderte sich in dieser Zeit von Frauenzeitung zu Hamburger Frauenzeitung mit dem Zusatz Lila Steine. Das Layout erinnerte stark durch die handschriftlichen Notizen an die frühen Ausgaben, aber es wurden bereits gedruckte Bilder eingeführt. Das letzte Heft dieser Phase scheint das fünfte Heft zu sein, welches durch diese Redaktionskonstellation herausgegeben wurde. Die Hefte wurden zu einem Preis von 2,50 DM verkauft.[2]

Dritte Phase

Die längste Phase war die dritte. Sie begann 1981. Auf der ersten Hamburger Frauenwoche hatten sich Frauen gefunden, die das Projekt neu aufleben lassen wollten. Nach der Frauenwoche wurde das Heft Nr. 0 herausgebracht. Nachdem sie für ihre Arbeit Zuspruch erhalten hatten, motivierte sie das dazu, die Hamburger FrauenZeitung ab 1982 bis zur Auflösung der Zeitung im Jahr 1999 viermal jährlich herauszugeben.[2]

In den 1980er Jahren stammten die Themen der Hefte aus Kultur, Literatur und Geschichte. Ein Schwerpunktheft im Jahr 1985 war der Ausstellung ‚Hammonias Töchter‘ im Museum für Hamburgische Geschichte gewidmet. In dieser Ausstellung wurden die neusten Forschungen zu Frauen in Hamburg vorgestellt. Es gab Debatten zum Thema Prostitution und die Hamburger Leitstelle zur Gleichstellung der Frau wurde kritisiert. Dazu flossen immer wieder Comiczeichnungen ein, um die Frauenbewegung zu kommentieren.[2]

Auch wenn die Redaktion versuchte, an einer stereotypen Figur, der ‚einfachen Hausfrau aus Pinneberg‘, die Allgemeinverständlichkeit der Zeitung festzumachen, fühlten sich von der zunehmend theoretischen Ausrichtung Akademikerinnen stärker angesprochen. In theoretischen Auseinandersetzungen wurde eine Vielzahl von Themen betrachtet. Es gab Schwerpunkthefte zu Rassismus (1990, H. 23), Frauenhandel (1996, H. 46), Antisemitismus (1989, H. 22), Transsexualität (1991, H. 30), Filmtheorie (1997, Nr. 51), Körper (1998, H. 55). Diese Themen wurden teilweise fachjournalistisch, teilweise poetisch/visuell aufgearbeitet.[2]

Ein lokaler Bezug wurde nur noch im Terminkalender hergestellt, die Inhalte waren eher überregional, oder sogar international, ausgerichtet. Die Mitarbeiterinnen stellten dies 1989 selbst fest:

„Die relative Termindürre in dieser Ausgabe spiegelt zweierlei: Das Medium Frauenzeitung scheint in Hamburg noch nicht als Kommunikationsmittel im Bewußtsein der Frauen Fuß gefaßt zu haben; und dokumentiert die […] Veränderung innerhalb der Frauenszene: Der Weg verläuft von der Aktivität einzelner Frauen an vielen Orten zur Etablierung vieler Frauenprojekte, deren Kommunikation nicht mehr vom persönlichen Kennen der Frauen untereinander abhängt.“

Letzte Ausgabe

Die letzte Ausgabe nach 23 Jahren trug den Titel Hamburger FrauenZeitung sagt tschüss. Im Jahr 1999 wurde die Arbeit an der Hamburger FrauenZeitung eingestellt. Zuvor war noch versucht worden, die Zeitung moderner aufzustellen. Ein neues Layout, neues Konzept und mehr Umfang wurden in dem Heft zum Schwerpunktthema „Mädchen“ erprobt. Erstmals war ein Heft am Computer erstellt worden und die Bemühungen der Redaktion hatten auch großen Zuspruch gefunden. Dennoch musste das Zeitungsprojekt eingestellt werden. In der letzten Ausgabe vom September 1999 wurden diverse Gründe für die Einstellung reflektiert. Gründe waren fehlende Ressourcen, aber auch Veränderungen in Arbeitsprozessen, wie die stetige Professionalisierung im Layout und in der Produktion, mit der die Zeitung nicht Schritt halten konnte. Auch die Zusammenarbeit und Vernetzung in der „Frauenszene“ hatte sich stark verändert, was den nötigen Informationsfluss für die Erstellung der Zeitung erschwerte.[2]

Redaktionsarbeit

In der 23-jährigen Geschichte der Zeitung änderte sich die Organisation von einem „anonymen Kollektiv“ zum eingetragenen Verein. Während noch in den ersten Heften die Namen der Macherinnen kaum, höchstens die Vornamen genannt wurden, dies verstärkte den Kollektivcharakter der Zeitung, setzte sich in den 1980er Jahren die namentliche Nennung durch.[2]

Großer Wert wurde auf Transparenz der Prozesse und Entscheidungen gelegt. Während zunächst die Redaktionssitzungen öffentlich stattfanden, fand später ein Austausch über Leserbriefe statt. Eingereichte Artikel wurden in der Anfangszeit zumeist unbearbeitet abgedruckt, abgelehnte Artikel wurden aufgelistet und waren im Frauenzentrum einsehbar.[2]

Die Redaktion bestand 1989 aus einem kleinen, 9 m² großen Raum, in ihm drei Lichttische, ein Schreibtisch, mehrere Regale, Lampen und ein Telefon. Redaktionssitzungen wurden im Frauenbuchladen mit Café vor Ort abgehalten. Das Archiv befand sich im Keller.[2]

Ehrungen

Die Hamburger FrauenZeitung wurde durch die Stadt Hamburg mit einem Frauenort geehrt.[4]

Einzelnachweise

  1. Feministische Zeitschriften in der Frauenbewegung. In: digitales-deutsches-frauenarchiv.de. 15. August 2017, abgerufen am 30. November 2025.
  2. a b c d e f g h i j k l Inga Müller: Hamburger FrauenZeitung. In: digitales-deutsches-frauenarchiv.de. 13. September 2018, abgerufen am 30. November 2025.
  3. » antke engel «. In: antkeengel.de. Abgerufen am 30. November 2025.
  4. a b Hamburger Frauenzeitung. In: hamburg-frauenbiografien.de. Abgerufen am 30. November 2025.