H. W. Blood-Ryan

H.(ugh) W.(illiam) Blood-Ryan (* 1895/1896; † 13. März 1948 in Ryde, Isle of Wight[1]) war ein britischer Journalist.

Leben und Wirken

Blood-Ryan war der ältere von zwei Söhnen des Wilfrid Blood-Ryan. Nach dem Schulbesuch nahm er ein Studium am Trinity College in Dublin auf, wo er schließlich, unterbrochen von der Teilnahme am Ersten Weltkrieg, einen Master-Abschluss erwarb.

Am Ersten Weltkrieg nahm Blood-Ryan von 1914 bis 1918 mit den Enniskillener Dragonern (Enniskillen Dragoons) teil. Er wurde während der ganzen Kriegsdauer in Frankreich eingesetzt. Nach dem Krieg und dem Abschluss seiner Studien gehörte er einer alliierten Kontrollkommission in Deutschland an. Anschließend begann er sich als Journalist zu betätigen.

Anfang der 1930er Jahre erregte Blood-Ryan Aufsehen als Herausgeber der Zeitschrift Chemical News. In seiner Eigenschaft als Herausgeber führte er die akademischen Grade M.A., DS.C, LL.D., Ph.D. Ferner führte er die Titel eines Vizepräsidenten und Honorarkonsuls der Europasektion der Muslimischen Vereinigung für den Fortschritt der Wissenschaften, eines Patrons und Fellows der British Radio Institution, des Chairmans des National Institute of Criminology sowie des Forschungsdirektors des Colleges of Pestology. Laut Viewegs Geschichte der Chemie waren all diese Titel und Grade jedoch „nachweislich gefälscht“.[2] Des Weiteren gründete er die Fakultät für Internationale Wissenschaft der University of London am Gordon Square. Blood-Ryans Aktivitäten führten dazu, dass die Zeitschrift Nature ihn im Oktober 1932 öffentlich an den Pranger stellte. In der Folge mussten die Chemical News – bedingt durch die Skandale um ihren Herausgeber und infolge ihres finanziellen Konkurses, für den Blood-Ryan ebenfalls verantwortlich gemacht wurde, einstellen. Sie wurde am 25. Oktober 1932 offiziell liquidiert.

Spätestens ab 1933 war Blood-Ryan als Sonderkorrespondent des Daily Telegraphs und des Observers für Deutschland und Osteuropa in Berlin stationiert. Während dieser Zeit beobachtete er den Niedergang der Weimarer Republik und den Aufstieg des NS-Regimes. Bei zwei Gelegenheiten traf er mit Adolf Hitler zusammen, zudem hatte er eine größere Zahl von Gesprächen mit Hermann Göring und Franz von Papen und führte er Interviews mit Engelbert Dollfuss, Eduard Beneš und Jan Masaryk.

Im Sommer 1933 besorgte Blood-Ryan die Übersetzung des von Hermann Göring verfassten Buches Eine Botschaft an die englisch sprechenden Völker ins Englische. Hierbei handelte es sich um eine vom NS-Regime in England und Amerika in großen Auflagen veröffentlichte Schrift, deren offizieller Zweck es war, angeblicher deutschfeindlicher Propaganda in diesen Ländern entgegenzutreten und den Bewohnern von Amerika und Großbritannien „das Wesen und Ziel des Nationalsozialismus begreiflich zu machen“. Ein Foto, dass Blood-Ryan neben Göring stehend zeigt, während Göring die letzten Seiten des Buchmanuskriptes durchsieht, wurde im Juli 1933 in zahlreichen deutschen Zeitungen abgedruckt.[3] Joseph Goebbels bestätigt in seinem Tagebuch unterm 14. Mai 1933, dass Blood-Ryan damals Verbindungen zur Regime-Spitze unterhielt und „für uns ein Buch“ schrieb.[4]

1938 gab Blood-Ryan seine Tätigkeit als Auslandskorrespondent auf und kehrte nach Großbritannien zurück. Noch im selben Jahr ließ er sich auf der Isle of Wight nieder, wo er kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs Geschäftsführer der Firms Curtiss and Sons in Ryde wurde.

Kurz vor Beginn des Kriegs und während des Krieges veröffentlichte Blood-Ryan im Rahmen der publizistischen Kriegsführung der Alliierten eine Reihe von propagandistischen Schriften gegen den NS-Staat und seine führenden Protagonisten. Beachtung fand insbesondere das 1943 veröffentlichte Werk The Great German Conspiracy, in dem er in besonders detaillierter Form die These vertrat, dass das Deutsche Reich im Zuge einer „großen deutschen Verschwörung“ gegen den Frieden, in den Jahren vor 1939 gezielt auf einen großen Krieg in Europa hingearbeitet hätte. In weniger prononcierter Form hatte er diese Auffassung bereits in einigen anderen von ihm verfassten Büchern, so in einer erstmals 1939 veröffentlichen Biografie über Franz von Papen, formuliert.

Von Blood-Ryans Kriegsschriften ist seine 1938 erschienene Biografie Hermann Görings zu unterscheiden, in der im Gegensatz zu seiner Verschwörungsthese der Kriegsjahre noch die Möglichkeit eines honourable understanding zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich für erreichbar hielt.[5]

Blood-Ryan starb im März 1948 nach mehrmonatiger Krankheit in seinem Haus (Hucklebank) in der Kleinstadt Ryde auf der Isle of Wight. Er wurde am 16. März 1948 auf dem Ashey Cemetery beigesetzt.

Ehe und Familie

1934 heiratete Blood-Ryan Elli Margarete Wagner.

Schriften

  • Göring, the Iron Man of Germany, London 1938.
  • The Political Testament of Hermann Göring. A Selection of Important Speeches and Articles Arranged and Selected by H. W. Blood-Ryan, London 1939.
  • Franz von Papen. His Life and Times London 1939.
  • The Great German Conspiracy, London 1943.

Einzelnachweise

  1. „Death of Mr. H. W. Blood Ryan at Ryde. A Distinguished Journalist“, in: Isle of Wight County Press vom 20. März 1948.
  2. William H. Brock: Viewegs Geschichte der Chemie, Braunschweig 1997, S. 291.
  3. "Ministerpräsident Göring schrieb eine Botschaft für die angelsächsischen Völker", in: Echo der Gegenwart vom 3. Juli 1933.
  4. Die Tagebücher von Joseph Goebbels, Hg. Elke Fröhlich, Teil I, Bd. 2/III, München 2006, S. 186. Eintrag vom 14. Mai 1933.
  5. Angela Schwarz: Die Reise ins Dritte Reich, 1993, S. 399.