Höhlen von Goyet
Die Höhlen von Goyet im Weiler Goyet in der Gemeinde Gesves, Provinz Namur in Belgien, am Fluss Struviaux erlangten aufgrund archäologischer Funde internationale Bekanntheit.
Funde
In der troisième caverne (3. Höhle) von Goyet wurden 101 Knochen von Neandertalern geborgen, für die ein Alter zwischen 45.000 und 41.000 Jahren BP ermittelt wurde. Auf den Knochen entdeckte man Schnittspuren, die als Hinweis auf eine Dekarnation („Entfleischung“) und auf Kannibalismus interpretiert werden – der größte Fund mit diesen Merkmalen in Nordeuropa. Im Jahr 2025 berichteten Forscher in einer Fachzeitschrift über erstmals detailliert analysierte Langknochen aus dieser Fundstätte.[1] Demnach handelt es sich um die Überreste von mindestens sechs Individuen, darunter vier erwachsene oder adoleszente Frauen. Isotopen-Bestimmungen und Vergleiche mit ähnlichen alten Funden aus der Region ergaben, dass die Frauen nicht lokaler Herkunft waren, die Entfleischung folglich eine Folge von Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen gewesen sein könnte. Die ersten Funde waren bereits zwischen 1868 und 1870 von dem Geologen Édouard Dupont aufgesammelt worden.[2]
Des Weiteren wurde im 19. Jahrhundert der Schädel eines Hundes von der Zooarchäologin Mietje Germonpré auf ein Alter von 31.700 (inzwischen 36.000) Jahren datiert und als ältester bekannter Fund eines Hundes in der Menschheitsgeschichte eingeordnet.[3][4]
Als viel beachteter Fund gelten ferner die Knochen von sich vegan ernährenden Höhlenbären, die bereits vor rund 400.000 Jahren in Europa lebten und vor rund 25.000 Jahren wegen des klimatisch bedingten geringen Nahrungsangebots ausstarben.[5][6] Die Untersuchungen zur Ernährung wurden unter Hervé Bocherens, Universität Tübingen, durchgeführt.[7][8]
Weblinks
- Die Höhlen von Goyet Offizielle Webseite (abgerufen am 26. Juni 2024)
- Hubert Filser: Neandertaler neigten zum Kannibalismus. Süddeutsche Zeitung, 7. Juli 2016, abgerufen am 24. November 2025.
Einzelnachweise
- ↑ Quentin Cosnefroy et al.: Highly selective cannibalism in the Late Pleistocene of Northern Europe reveals Neandertals were targeted prey. In: Scientific Reports. Band 15, 2025, 40741, doi:10.1038/s41598-025-24460-3.
- ↑ Hélène Rougier et al.: Des Néandertaliens dans la Troisième Caverne de Goyet. On: K. Di Modica & C. Jungels (Hrsg.): Paléolithique moyen en Wallonie. La collection Louis Eloy, Collections du Patrimoine culturel de la Communauté française 2, Service du Patrimoine culturel, Bruxelles, pp. 173, 2009. Volltext.
- ↑ Hubert Filser: Weg vom Wolf. Süddeutsche Zeitung, 12. Februar 2016, abgerufen am 28. September 2016.
- ↑ Stammt der Ur-Hund aus China? GEO, abgerufen am 28. September 2016.
- ↑ Veganismus hat eiszeitlichen Höhlenbären den Garaus gemacht. In: derStandard.at. Abgerufen am 17. Mai 2025.
- ↑ Höhlenbär starb aus, weil er Veganer war. n-tv, abgerufen am 28. September 2016.
- ↑ Eiszeitbär war Veganer. SWR Fernsehen, 23. August 2016, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 28. September 2016; abgerufen am 28. September 2016. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Höhlenbär: Ausgestorbener Veganer. Senckenberg, 23. August 2016, abgerufen am 3. Oktober 2016.
Koordinaten: 50° 26′ 40,7″ N, 5° 0′ 45,5″ O