Héraclius Djabadary

Héraclius Djabadary (georgisch ერეკლე oder ირაკლი ალექსანდრეს ძე ჯაბადარი, Transkription Erekle oder Irakli Aleksandres dse Dschabadari, wiss. Transliteration Irakli Alek̕sandres je Jabadari; international gebräuchlich Héraclius Djabadary, auch Erekle Dzhabadari, Pseudonym Amiran d’Alasany; geboren am 17. Oktober 1891 in Tiflis, Russisches Kaiserreich; gestorben am 18. August 1937 in Nizza, Frankreich) war ein georgischer Komponist und Pianist.

Leben

Djabadary wuchs in seiner Geburtsstadt Tiflis als einer von sechs Söhnen des georgischen Publizisten und Verlegers Aleksander Djabatary (1851–1933) und der Sängerin Manana Ilinischna Djabatary (geb. Rtskhiladze) auf. Die Eltern ermöglichten ihm eine klassische Musikausbildung in Europa, dazu reiste er 1902 nach Belgien.[1] Er studierte ab 1905 am Königlichen Konservatorium Brüssel die Fächer Klavier bei Arthur De Greef und Musiktheorie bei François-Auguste Gevaert.[2] 1909 wechselte er nach Wien und studierte am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde Komposition bei Richard Heuberger und Klavier bei Juliusz Wolfsohn.[3] Am 7. März 1913 feierte er sein Debüt als Pianist im Wiener Musikverein mit einer Eigenkomposition, der Georgischen Rhapsodie op. 2 für Klavier und Orchester, die er mit dem Wiener Tonkünstler-Orchester unter dem Dirigenten und Dvořák-Schüler Oskar Nedbal zur Aufführung brachte.[4] Die Rhapsodie markierte auch seinen Durchbruch als Komponist und entwickelte sich zu einem seiner erfolgreichsten Werke.[5]

In den Jahren 1913 und 1914 kehrte er nach Georgien zurück und versuchte dort, sich eine künstlerische Existenz aufzubauen. Er betätigte sich auch als Autor und veröffentlichte Beiträge über die georgische Musik. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs drohte ihm die Einberufung in die zaristische Armee. Daraufhin verließ er 1914 Georgien für immer und ging nach Europa, wo er in Frankreich, Österreich und in der Schweiz lebte. 1923 ließ er sich in Paris nieder, wo er verstärkt Konzerte gab.[2]

1930 gab er die Konzerttätigkeit auf. Wegen einer Tuberkulose-Erkrankung zog er 1935 nach Nizza.[6] Im Jahr 1936 wurde er, auch unter dem Pseudonym Amiran d'Alasany,[7] als Mitglied der französischen Société des Auteurs, Compositeurs et Éditeurs de Musique (SACEM) und der American Society of Composers, Authors and Publishers (ASCAP) gelistet.[8]

Djabadary starb im August 1937 mit 45 Jahren in Nizza an Tuberkulose. 30 Jahre später wurden seine sterblichen Überreste zurück in seine Geburtsstadt Tiflis überführt, wo sich seine Grabstätte auf dem Didube-Pantheon befindet.[4]

Schaffen

Djabadary komponierte Opern, Orchesterwerke, darunter Instrumentalkonzerte, Rhapsodien und konzertante Stücke für Soloinstrumente und Orchester, außerdem Kammermusik, etwa Streichquartette und Klaviersonaten, sowie Vokalwerke, u. a. Liederzyklen.[1]

Stilistisch verbindet er Einflüsse der europäischen Romantik mit Elementen der georgischen Musik, wie er es exemplarisch in seinem Hauptwerk, der Georgischen Rhapsodie op. 2, versucht hat.[2] Sein Schaffen umfasst weitere größere Werke wie das Klavierkonzert A-Dur op. 10 (1921), La Mélodie du Serpent für Flöte und Orchester op. 19 und Tiflisiana für Oboe und Orchester op. 26.[9]

Die genannten Werke wurden u. a. mit dem Orchestre philharmonique du Luxembourg unter Louis de Froment eingespielt und erschienen 1962 und 1993 auf verschiedenen Labels.[10][11]

Seine Oper Gulnara (1919) basiert auf einem Text des georgischen Schriftstellers Aleksandre Qasbegi.[1]

Literatur

  • Dzhabadari, Erekle. In: Allan Ho, Dmitry Feofanov (Hrsg.): Biographical dictionary of Russian/Soviet composers. Greenwood Press, New York u. a. 1989, ISBN 0-313-24485-5, S. 128 (englisch).
  • Erekle Dschabadari. In: Biographical Dictionary of Georgia. 2012, abgerufen am 7. November 2025 (georgisch).
Commons: Heraclius Djabadary – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Erekle Dschabadari. In: Biographical Dictionary of Georgia. 2012, abgerufen am 7. November 2025 (georgisch).
  2. a b c Denis Kazewitsch: Irakli Dschabadari. In: peoples.ru. 8. September 2017, abgerufen am 7. November 2025 (russisch).
  3. Heraclius Djabadary. In: biograph.org. Abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
  4. a b ირაკლი ჯაბადარი (Irakli Jabadari). In: კარგ ქართველთა საფლავები (Gräber bedeutender Georgier). Abgerufen am 7. November 2025 (georgisch).
  5. Ираклий Джабадари. In: people-archive. Abgerufen am 7. November 2025 (russisch).
  6. Nicotano: Heraclius Djabadary. In: Diesis & Bemolle. 20. Januar 2018, abgerufen am 7. November 2025 (italienisch).
  7. Alasany (d'), Amiran. In: American Society of Composers, Authors & Publishers. Directory. 1. Januar 1936, abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
  8. Djabadary, (Prince) Heraclius. In: American Society of Composers, Authors & Publishers. Directory. 1. Januar 1936, abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
  9. Dzhabadari, Erekle. In: composers-classical-music.com. Abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
  10. Michael Herman, Steven Ellis: Erekle Dzhabadari. (PDF) In: Russian, Soviet & Post-Soviet Concertos. November 2024, S. 34, 37, abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
  11. Unsung Composers: Héraclius Djabadary (Erekle Dzabadari) auf YouTube, abgerufen am 7. November 2025.