Gut an der Linde

Das Gut an der Linde stand am Diakonissenweg im Stadtteil Moitzfeld von Bergisch Gladbach im Rheinisch-Bergischen Kreis. Heute steht dort mit dem Wohnhaus Diakonissenweg 19 nur noch ein Rest der alten Anlage.

Geschichte

Moitzfeld bestand mehr als dreihundert Jahre lang aus drei Hofstellen. Eine davon war das Gut an der Linde, genannt Mittelmoitzfeld. Das Gut an der Linde wurde erstmals 1413 urkundlich erwähnt. Der letzte Halfmann war 1661 Johann Schmalzgrüber. Mehrere Fachwerkgebäude wurden um 1790 errichtet.[1]

Nach 1892 erfolgte eine Aufteilung des Gutes in mehrere Einzelobjekte. Weitere Fachwerkgebäude wurden zu dieser Zeit errichtet. Das Einzelobjekt Gut an der Linde ging am 15. Juni 1925 in das Eigentum der Bergischen Diakonie Aprath über, die dort ab 1. Oktober 1925 ein „Heim für schwer erziehbare Töchter besserer Stände“ führte. Es diente der Erziehung in Haushalt und Landwirtschaft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog 1945 das Wirtschaftsamt der Gemeinde Bensberg in die Gebäude ein. Es wurden zwei Amtsstuben und eine Wohnung für Bürgermeister Schumacher eingerichtet. Einen Teil der Mädchen brachte man in Bornen bei Kürten unter, das bis dahin nur für Jungen eingerichtet war. Am 27. Januar 1951 zog das Knabenheim Bornen nach Moitzfeld um. In den Jahren 1963–64 folgten Erweiterungsbauten.[2]

Anlässlich des Jugendhilfe-Tages in Köln gründeten 1978 engagierte junge Fachkräfte die Heiminitiative Köln. Eine Arbeitsgruppe begann 1978 die praktische sozialpädagogische Arbeit im Gut an der Linde. Ziel war es, die Situation der Heimerziehung aus der Perspektive der Mitarbeitenden zu analysieren und Missstände öffentlich zu benennen sowie Forderungen zur Verbesserung der Lage der Heimkinder an den Träger zu richten. Zu den genannten Missständen zählten Personalmangel, die Ruhigstellung verhaltensauffälliger Kinder mit Medikamenten.

Der Leiter der Diakonie Aprath, Pfarrer Schneider, sowie der Verwaltungsdirektor Herr Mörsener versuchten, das Problem durch Kündigungen besonders engagierter Mitarbeitenden zu lösen. Daraufhin solidarisierten sich alle Erzieher mit ihren Wortführern. Die Erzieher informierten die Eltern der Kinder über die Situation im Heim. Die Eltern schlossen sich ebenfalls zusammen und unterstützten die Erzieher öffentlich, unter anderem durch Berichte im WDR[3] und in regionalen Zeitungen.[4][5]

Aufgrund des öffentlichen Drucks entschied die Geschäftsführung der Bergischen Diakonie Aprath, nahezu alle Mitarbeitenden zu kündigen und das Heim zu schließen. Die Kinder wurden in einer Nachtaktion in Busse verladen und in andere Heime verlegt. Die Eltern wurden erst nachträglich über den Verbleib ihrer Kinder informiert. Eine Wohngruppe mit Jugendlichen wurde noch für kurze Zeit weitergeführt, bevor das Heim 1979 endgültig geschlossen wurde.

Baudenkmal

Das Wohnhaus Diakonissenweg 19 ist seit dem 4. Juni 2007 als Denkmal Nr. 165 in die Liste der Baudenkmäler in Bergisch Gladbach eingetragen. Bei dem nördlichen quer zur Straße stehenden Teil des Gutes an der Linde handelte es sich um einen späteren Anbau. Dafür gab es am 23. Januar 2013 eine Abbruchgenehmigung.[6]

Einzelnachweise

  1. Max Morsches: Moitzfeld im 15. Jahrhundert, in: Heimat zwischen Sülz und Dhünn Nr. 10, S. 10 ff.
  2. Paul Reinehr: Moitzfeld – Chronik der Kapellengemeinde von 1920–1952, Moitzfeld 1986, S. 94 ff.
  3. Kündigung Erzieher am 24.06.1979 Gut an der Linde - BDA Schneider, auf youtube.de
  4. Kölner Stadt Anzeiger, 29. März 1979: Heimerzieher gehen auf die Barrikaden, Konflikte im Gut an der Linde
  5. Kölnische Rundschau, 29. März 1979: Krach im Kinderheim: Vor der Schließung?
  6. Historisches Fachwerkhaus – Vom Kinderheim blieb nicht mehr viel, Bergische Landeszeitung vom 27. August 2013, abgerufen am 27. August 2016

Literatur

  • Herbert Stahl: Moitzfeld – Durch das Leben, durch das Jahr „om Platz“, Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e. V., Bergisch Gladbach 2009, ISBN 3-932326-56-3

Koordinaten: 50° 58′ N, 7° 11′ O