Gustav Willscher

Gustav Willscher (* 2. Juli 1882 in Meltsch, Bezirk Troppau, Österreichisch-Schlesien; † 14. Dezember 1937 in Wien) war ein österreichischer Heimatdichter und Komponist.

Leben

Willscher war das älteste von elf Kindern und kam mit seinen Eltern 1884 in das benachbarte Dorf Ratkau. Nach dem Besuch der dortigen Volksschule absolvierte er die Unterrealschule und die Lehrerbildungsanstalt in der Landeshauptstadt Troppau. Willscher war dann Lehrer in Ostrau und in seinem Heimatort Ratkau, wurde Bezirksaushilfslehrer der Bezirkshauptmannschaft in Mürzzuschlag (Steiermark), lehrte in Langenwang, Veith, Rad, Mürzsteg und Allerheiligen im Mürztal, lernte den österreichischen Schriftsteller Peter Rosegger (1843–1918) kennen und wurde schließlich 1906 an die deutsche Schule in Philippopel in Bulgarien berufen, an der er bis Ende 1908 blieb. Studienreisen führten ihn nach Kleinasien, Palästina und Nordafrika.

In allen Dienstorten förderte Willscher das örtliche Musikleben durch Gründung und Leitung von Gesangvereinen. Durch Vermittlung Roseggers trat er in die Dienste des Deutschen Schulvereins, war Lehrer in Sitten bei Mies (Slowakei), dann in Wien und schließlich an der Schulvereinsvolksschule in Zimrowitz bei Troppau. In dieser Zeit komponierte und dichtete er den „Schlesiermarsch“, den er 1913 in seinem Heimatort Ratkau zum ersten Mal der Öffentlichkeit bekannt machte. Ein Jahr später, in den ersten Augusttagen des Jahres 1914, entstand die Blasmusik zum „Schlesiermarsch“.

1915 wurde Willscher zu den „Einsern“, dem k.u.k. Infanterie-Regiment Nr. 1 („Kaiser“), eingezogen. Aus Freude darüber widmete er dem Regiment seinen „Schlesiermarsch“, der von da an neben dem „Trautenauer“ (Erinnerungsmarsch an den Sieg der „Einser“ über die Preußen 1866 auf dem Kapellenberg bei Trautenau) stets als zweiter Regimentsmarsch gespielt wurde.

Von 1916 bis 1918 stand Willscher, zuletzt als Oberleutnant d.R., in Italien, Serbien, Montenegro, Rumänien und Albanien an der Front und wurde mehrfach verwundet. Dann war er wieder als Lehrer tätig: im Burgenland, in Prag und in karpatendeutschen Gemeinden. 1929 arbeitete er im „Verein für das Deutschtum im Ausland“ (Berlin), wo er während eines Vortrags 1936 einen Blutsturz erlitt. Am 14. Dezember 1937 starb der Verfasser zahlreicher Gedichte und Erzählungen, volkskundlicher Studien und einer Operette in Wien.

Willscher litt an einer Sehnsucht nach der Heimat, seiner „grünen Schles’“, die ihm wegen der damaligen politischen Verhältnisse verschlossen war. Dichterischer Ausdruck der unerfüllten Sehnsucht nach einem Wiedersehen mit der Heimat ist sein Gedicht

Abschied von d’r Schles’!
Braun es das Feld und braun d’r Wald
grau es die Welt, so stell un kalt.
Ech steh om Barg und sah heut wohl
dech, lieba Schles’ zum letztenmol.
’s muß jo so sein, dass ech dech lo!
Furt geht mei Leib, mei Herz bleit do.
Trüb es mei Aag, vom Grenna rot,
weg vo d’rhäm es halber Tod.

1963 wurde dem Dichter und Komponisten des „Schlesiermarsches“ vom „Humanitären Verein von Österreichern aus Schlesien in Wien“ eine würdige Grabstätte geschaffen. Seine Urne war am Wiener Krematorium in einem Grab beigesetzt worden, das bereits seit 1952 anheimgefallen war. Der Schlesier-Verein ließ die Urne enterdigen – die alte Grabstelle durfte nicht mehr erneuert werden –, sie an einer neuen Grabstelle beisetzen und einen Grabstein errichten.

Werke

Literatur

  • Čermany. Ein Beitrag zur karpathendeutschen Siedlungsgeschichte, Prag 1928
  • Schulführer. Ein Ratgeber für alle Erzieher über die Bildungsmöglichkeiten für die Deutschen in der tschechoslowakischen Republik, Prag 1928
  • Das Schulwesen der karpathendeutschen Siedlungen im Gebiete der Tschechoslowakischen Republik, Prag 1928
  • Inne do! Gedichte und Erzählungen in schlesischer Mundart, Prag 1932
  • Kinderszenen

Musik

  • Acht Lieder aus der Schles’
  • Schlesiermarsch
  • Das Bassbegraben
  • Lied der Sudetendeutschen
  • Das reizende Nest (Operette, 1929)