Gustav Schlichting
Gustav Schlichting (* 4. Dezember 1854 in Neustadt in Holstein; † 9. Oktober 1891 in Berlin) war ein deutscher Architekt und Hochschullehrer.
Leben und Werk
Gustav Schlichtings Vater war der Maurermeister Johann Schlichting in Neustadt an der Ostsee. Seine Mutter entstammte einer Lehrerfamilie. Insgesamt hatte Gustav Schlichting vier Geschwister. Er absolvierte zusammen mit seinem älteren Bruder Magnus Schlichting drei praktische Lehrjahre als Maurer. Beide gehörten zu den frühesten Absolventen der Baugewerkschule Eckernförde, die er ab 1869 besuchte und Ostern 1873 mit Examen abschloss.[1]
Er ging als Architekt zusammen mit seinem Bruder nach Berlin, wo sie im Büro von Johann Eduard Jacobsthal arbeiteten und sich durch Studien an der Hochschule weiterbildeten. Sein Bruder verließ Berlin wieder und er arbeitete im Architekturbüro Gropius & Schmieden. Dort war er an den Entwürfen für den Neubau des Kunstgewerbemuseums beteiligt.[2]
Schlichting war Mitglied der 1879 gegründeten Vereinigung Berliner Architekten (VBA).[3] Gemeinsam mit Alfred Schulz (1854–1902), mit dem er bei Gropius & Schmieden zusammengearbeitet hatte, gründete er 1884 das Architekturatelier Schulz & Schlichting. Sie führten eine stattliche Reihe von Wohn- und Geschäftsbauten in der Ziethen-, Koch-, Alte Jakob-, Kloster-, Linden- und Prenzlauer Straße aus. Weitere Bauten waren das Pfarr- und Beamten-Wohnhaus für die Luisenstädtische Kirchen-Gemeinde sowie Villen für Fabrikbesitzer Rengert in Stralau und für Major v. Wittke in Steglitz (alle nicht erhalten).[4] Weitere gemeinsame Werke siehe: Bauten und Entwürfe von Schulz & Schlichting.
Ab 1890 wird er als Baumeister bezeichnet.[5] In den Jahren 1881/82 und 1882/83 war Gustav Schlichting Assistent, Vertreter oder a. o. Lehrer und von 1883 bis 1886 Lehrer für Ornament-Zeichnen an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums. Von 1887 bis 1889 war er Lehrer für ornamentale Farbenübungen an der Königlichen Kunstschule.[6] Nachdem er im Alter von 36 Jahren gestorben war, wurde die Firma weiter unter dem Namen Schulz & Schlichting geführt.
Einzelnachweise
- ↑ Peter Genz: Bauen über die Region hinaus: Architekten aus der Baugewerkschule Eckernförde 1868-1968. Wachholtz, Neumünster 2006, ISBN 3-529-05335-X, S. 40, 154.
- ↑ Oleg Peters: Heino Schmieden. Lukas Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86732-169-3, S. 101. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Gustav Schlichting. In: Archthek
- ↑ Oleg Peters: Heino Schmieden. Lukas Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86732-169-3, S. 572. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Schlichting, G., Baumstr. In: Berliner Adreßbuch, 1890, Teil 1, S. 1071.
- ↑ Antje Kalcher, Dietmar Schenk: Vor der UdK. 1. Auflage. Universität der Künste Berlin, 2024, S. 48 und 87 (kobv.de [PDF]).