Gustav Reinhold Hirsch

Gustav Hirsch (* 23. Julijul. / 4. August 1828greg. in Kullamaa, heute Estland; † 7. Märzjul. / 20. März 1907greg. in Zarskoje Selo, heute Puschkin, Russland) war ein estnischstämmiger Arzt. Bekannt wurde er in Russland als Leibarzt der Zaren Alexander III. und später Nikolai II.

Leben und Wirken

Gustav Reinhold Hirsch wurde 1828 in Kullamaa (deutsch Goldenbeck) im Westen Estlands geboren. Das Gebiet gehörte seit 1721 zum Zarenreich.

Seine Eltern waren der Küster der örtlichen Kirchengemeinde Johann Bernhard Hirsch (1790–1838) und dessen Ehefrau Frederika Johanna (geb. Karell, 1791–1879). Gustav war das siebte von elf Kindern.[1]

Hirsch besuchte die Kreisschule im westestnischen Haapsalu und anschließend das Gouvernement-Gymnasium in Tallinn (heute Gustav-Adolf-Gymnasium).

Von 1848 bis 1852 studierte Hirsch Medizin an der renommierten Petersburger Medizinisch-Chirurgischen Akademie in der russischen Hauptstadt. Hirsch war einer der ersten estnischstämmigen Ärzte überhaupt, die ein Hochschulexamen ablegten. 1854 promovierte er in Warschau und erhielt den Titel eines Medizinaldirektors.

Seinen beruflichen Lebensweg setzte Hirsch zunächst in der russischen Armee fort. Hirsch nahm am Krimkrieg in der Umgebung von Sewastopol teil. Als Militärarzt wirkte er in Polen, Moskau und später in Zarskoje Selo nahe Sankt Petersburg, wo er 1865/66 als Oberarzt beschäftigt war. In dieser Funktion durfte er den späteren Zaren Alexander III. auf seine Reise an die Wolga begleiten.

Bekannt wurde Hirsch als Leibarzt der Zaren Alexander III. und später Nikolai II. Im Zivilberuf wurde er 1906 in den hohen Rang eines Wirklichen Geheimrats befördert, der im Militär dem Generals-Rang entspricht. Der Zar verlieh ihm den hohen Orden des Heiligen Andreas des Erstberufenen.

In Sankt Petersburg gehörte Hirsch auch zum wachsenden Kreis estnischer Intellektueller, die sich für ein stärkeres estnisches Nationalbewusstsein einsetzten. Stark engagierte er sich für die evangelische Gemeinde an der estnischsprachigen Johanniskirche in der russischen Hauptstadt. Enger Weggefährte Hirschs war der prägende estnische Intellektuelle Jakob Hurt (1839–1907). Großen Einfluss auf Hirsch übte sein Onkel mütterlicherseits Philipp Jakob Karell (1806–1886) aus, der ebenfalls Mediziner und am Zarenhof tätig war. Hirsch engagierte sich unter anderem für die Verbreitung des estnischen Nationalepos Kalevipoeg, das Friedrich Reinhold Kreutzwald zwischen 1857 und 1861 herausgegeben hatte. Beachtung fanden auch Hirschs estnischsprachige Beiträge zu seiner Heimatzeitung Perno Postimees, die er zu praktischen Gesundheitsfragen 1858/59 verfasste. 1904 wurde Hirsch Ehrenbürger der Stadt Haapsalu.

Privatleben

Hirsch war mit der Estin Maria Juliane Enghoff (1828–1920) verheiratet. Er starb 1907 hochangesehen in Zarskoje Selo. Hirsch liegt auf dem Wolkowo-Friedhof in Sankt Petersburg begraben.

Seit 2008 erinnert ein Gedenkstein in seinem Geburtsort Kullamaa an ihn, der zu Hirschs 180. Geburtstag errichtet wurde.

Literatur

  • Eesti Elulood (= Eesti Entsüklopeedia. Band 14). Eesti Entsüklopeediakirjastus, Tallinn 2000, S. 91.
Commons: Gustav Reinhold Hirsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Eintrag in Eesti Entsüklopeedia (Online-Fassung)
  • Eintrag in Baltisches Biographisches Lexikon digital (BBLd)

Einzelnachweise

  1. https://www.eesti.ca/pdf/2018/pto.pdf