Gustav Knöchel
Gustav Knöchel (* 17. September 1898 in Böhmisch-Leipa, Österreich-Ungarn; † 27. Juni 1966 in Lindau) war ein deutschstämmiger tschechoslowakischer Politiker und Architekt. In der Zwischenkriegszeit war er Abgeordneter der tschechoslowakischen Nationalversammlung für die Sudetendeutsche Partei (SdP). 1938/39 war er kurzzeitig Kreisleiter der NSDAP im Landkreis Rumburg.
Leben
Knöchel studierte an der Technischen Hochschule Prag und arbeitete anschließend als Architekt und Techniker in seiner Heimatstadt Böhmisch-Leipa.
Bei der Parlamentswahl in der Tschechoslowakei 1935 wurde Knöchel für die Sudetendeutsche Partei in die Nationalversammlung gewählt. Im Juni 1937 wurde er erfolglos von Gustav Peters als möglicher Staatssekretär im Verkehrsministerium der Tschechoslowakei vorgeschlagen, falls es zu einer Regierungsbeteiligung der SdP gekommen wäre.
Knöchels Abgeordnetenmandat endete im Oktober 1938 durch das Münchner Abkommen und der daraus resultierenden Abtretung der Sudetengebiete an das Deutsche Reich. Zum 1. November 1938 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 6.630.802).[1] und wurde als kommissarischer NSDAP-Kreisleiter in Rumburg und SA-Sturmbannführer tätig. 1939 erfolgte seine Verdrängung aus dem politischen Leben gedrängt. Er ging daraufhin zeitweise nach Berlin, wo er als Verwaltungsangestellter arbeitete.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Knöchel im Februar 1947 von tschechoslowakischen Behörden im Abgeordnetenprozess zu 25 Jahren Haft verurteilt.[2] Im September 1955 wurde er im Rahmen einer Amnestie entlassen und siedelte in die Bundesrepublik Deutschland über, wo er bis zu seinem Tod 1966 lebte.
Schriften
- Der Weg zur Großdeutschen SA. In: Der S.A.-Führer. 4 (1939), Heft 2, S. 20–22.
Literatur
- Mads Ole Balling: Von Reval bis Bukarest. Statistisch-biographisches Handbuch der Parlamentarier der deutschen Minderheiten in Ostmittel- und Südosteuropa 1919–1945. Kopenhagen 1991, ISBN 87-983829-1-8.
- Toni Herget: Die sudetendeutschen Politiker im Schicksalsjahr 1938. In: Sudetenpost vom 17. November 1988, S. 6.
- Ivo Pejčoch: Kolaboranti a váleční zločinci na pražském popravišti. Cheb 2017, S. 172 (tschechisch).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/21310838
- ↑ Toni Herget: 1947-1967 Der Abgeordnetenprozeß in Prag. In: Sudetenpost vom 10. Februar 1967, S. 2.