Gustav Henkel

Gustav Ernst Heinrich Henkel (* 22. Juni 1856 in Hemeln; † 29. Dezember 1941 in Kassel) war ein deutscher Ingenieur und Erfinder sowie Beigeordneter der Stadt Kassel.

Leben

Gustav Henkel wurde als Sohn des Mahlmeisters Carl Henkel (* 1833) und dessen Ehefrau Ernestine Nienstedt geboren. Nach seiner Schulausbildung studierte er Maschinenbau mit dem Abschluss Maschinenbauingenieur und kam 1870 nach Kassel.

1878 gründete er vor allem wegen seiner Patente auf den Gebieten des Dampfmaschinenbaus, von Hebezeugen und des Transportwesens dort gemeinsam mit Karl Beck das Maschinenbauunternehmen Beck & Henkel. Von 1889 an firmierte die Firma unter dem Namen Maschinenbau Aktiengesellschaft vormals Beck & Henkel. 1892 erbaute er das Wilhelmshöher Elektrizitätswerk in der Hunrodstraße, wo die Dampfmaschinen mit Heißdampf betrieben wurden und die Abwärme zur Beheizung des Palmenbades und des Gewächshauses genutzt wurde. 1894 entwickelte er die erste Heißdampfmaschine. 1897 legte Henkel seine ersten Pläne für den Bau der Kasseler Herkulesbahn vor, die 1902 in Betrieb ging.

Henkel engagierte sich in der Kommunalpolitik und war von 1894 bis 1906 Mitglied der Gemeindevertretung von Wahlershausen und anschließend bis 1919 Stadtverordneter in Kassel. Im selben Jahr wurde er unbesoldeter Stadtrat und blieb bis 1924 in diesem Amt, als er erster (hauptamtlicher) Beigeordneter der Stadt Kassel wurde. Damit war er Vertreter des damaligen Kasseler Oberbürgermeisters Philipp Scheidemann[1]. In seine Amtszeit fällt der Bau des Lossekraftwerks, der Lutherkirche und der Christuskirche. 1930 endete seine Amtszeit. Politisch gehörte er zunächst zur Konservativen Partei und wechselte dann zur Deutschnationalen Volkspartei.

Öffentliche Ämter

  • 1914 Vorsitzender und langjähriges Vorstandsmitglied des Dampfkessel-Überwachungsvereins im Regierungsbezirk Kassel
  • Vorstandsmitglied des Kurhessischen Diakonissenhauses und des Vereins für innere Mission
  • Bis 1904 Ausschussmitglied der lutherischen Kirchengemeinde Kassel (Bau der Lutherkirche)
  • Ab 1906 Mitglied der Schiffbautechnischen Gesellschaft in Berlin
  • Mitglied des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) ab 1883,[2] Vorsitzender des Hessischen Bezirksvereins des VDI, Mitglied des Vorstandsrates des VDI[3]
  • 1906–1933 Mitglied des Kirchenvorstands der Evangelischen Kirchengemeinde Wahlershausen-Wilhelmshöhe, 1933 Ehrenmitglied des Kirchenvorstands (Bau der Christuskirche, Vorsitzender der Baukommission)
  • Mitglied im Diözesan-Synodal-Vorstand der Diözese (heute: Dekanat) Kassel-Stadt
  • Mitglied der 5. und 6. Gesamtsynode für die evangelischen Kirchengemeinschaften im Bezirke des Konsistoriums zu Kassel 1912 bzw. 1919

Familie

Er war seit dem 4. August 1883 mit Catharina Frohn (1857–1931) verheiratet.

Literatur

  • Jochen Lengemann: Bürgerrepräsentation und Stadtregierung in Kassel 1835–1996, Teil 2, Marburg 2009, S. 376 f.
  • Kassel-Lexikon, herausgegeben von der Stadt Kassel, Bd. 1, Kassel 2009, S. 253 f. (Rainer Olten)

Einzelnachweise

  1. Der Stadtteil Kassel-Wilhelmshöhe Digitalisat
  2. Zum Mitglieder-Verzeichniss. In: Wochenschrift des Vereines deutscher Ingenieure. Band 9, Nr. 9, 3. März 1883, S. 75.
  3. Verein Deutscher Ingenieure (Hrsg.): Mitgliederverzeichnis 1914. Berlin 1914, S. 86*, 91*.