Gustav Christian von der Pahlen

Gustav Christian von der Pahlen (* 6. Mai 1648 in Huljel Hulja Estland; † 18. Oktober 1736 ebenda) war Offizier, Landrat, Major des livländischen Adelsregiments und deutsch-baltischer Grundbesitzer aus dem Adelsgeschlecht der von der Pahlen und Herr auf Palmse. Im Familienbesitz befanden sich auch Kattentack und Aunack.[1]

Herkunft

Die Eltern Gustav Christians von der Pahlen waren Johann Philipp von der Pahlen (1602–1694) und dessen Ehepartnerin Christina Catharina, geborene von Rosen (1619–1669). Seine älteren Brüder waren Johann Andreas von der Pahlen (1642–1696) und Bogislaus von der Pahlen (1646–1718). Weitere Geschwister, die nach ihm geboren wurden, waren die drei Brüder Frederik Adolf von der Pahlen (1653–1709), Karl Detloff von der Pahlen (1677–1679) und Otto Magnus von der Pahlen (* um 1670–1710) sowie seine Schwester Helene Juliane von der Pahlen (* um 1670–1696).[2]

Berufliche Laufbahn

Mit 24 Jahren hatte Gustav Christian von der Pahlen eine militärische Laufbahn eingeschlagen, die 1670 als Kornett im finnischen Regiment zu Pferde, das seinen Stammsitz in Arensdorf hatte. Inzwischen war er zum Oberleutnant beim Kavallerieregiment des Kreises Uusimaa aufgestiegen und führte dann ab 1677 als Major das Ingermanische Adelsbannerregiment, das in den Nordischen Kriegen seine Kampfkraft unter Beweis gestellt hatte. Für die in diesen Auseinandersetzungen von ihm und seinen Brüdern gezeigten Leistungen sowie die erwiesene Tapferkeit wurden sie am 18. Oktober 1679 vom schwedischen Königshaus in den Freiherrenstand erhoben.[3]

Seit 1674 verfügte von der Pahlen über das Gut Palmse, dass durch die Heirat mit Margaretha Dorothea von Metztacken (1856–1682) in Familienbesitz gekommen war. Neben seiner Militärlaufbahn engagierte sich Gustav Christian von der Pahlen, inzwischen zum estländischen Landrat gewählt, für die Neueinrichtung des Gutes Palms/Palmse und den Neuaufbau einzelner Gebäude. So ließ er ab 1677 mit dem Bau des Herrenhauses beginnen und brachte sich selbst durch das Studium von Fachliteratur und eigene Aktivitäten entsprechende Bauerfahrungen mit ein. In Reval hatte er 1681 ein Grundstück an der Straßengabelung zwischen der Breit- und der Großen Klosterstraße erworben, das er „nach seinem Gutdünken und Geschmack zu bebauen“ in Auftrag gab.[4] Wichtige Unterstützung erhielt er hier durch seinen ältesten Bruder, Johann Andreas von der Pahlen. Doch 1682, nach der Geburt ihres sechsten Kindes, verstarb seine 1. Lebenspartnerin. Bereits ein Jahr später ging er eine zweite Ehe, mit Elisabeth Helen von Lode (* um 1620–1686) ein. Als auch seine zweite Lebenspartnerin 1686, im Alter von etwa 40 Jahren verstarb, heiratete er ein drittes Mal. Mit Gertrude Elisabeth von Tiesenhausen (1670–1724), die zum Zeitpunkt der Eheschließung im April 1687 erst 17 Jahre alt war, hatte er sechs Kinder.[5]

Die Erneuerungsarbeiten auf dem Gut Palms/Palmse kamen auf Grund die äußerlichen Umstände, des immer noch anhaltenden Kriegszustandes sowie der misslichen wirtschaftlichen Lage nur schleppend voran. Noch vor seiner endgültigen Fertigstellung brannte 1698 das mit Stroh eingedeckte Herrenhaus nieder, nachdem Funkenflug aus dem Schornstein eines nahegelegenen Wohnhauses den Dachstuhl in Brand gesetzt hatte.[6] Die Familie von der Pahlen auf Gut Palms musste sich deshalb mit einem kleinen, eingeschössigenen Katen lange Jahre als Wohnsitz abfinden. Zwei Jahre später brach der Krieg zwischen Russland und Schweden aus. Immer wieder verursachten die dabei zwischen den Fronten durchziehende Truppen der Kriegsparteien erhebliche Schäden. Mehrere Jahre herrschte große Hungersnot. Aus dieser Zeit stammen unter anderem die auf mehreren Feldern errichteten Steinhaufen als „Steindenkmal der Hungersnot“. Am 6. September 1703 kam es zu schweren Verwüstungen auf dem Gutsgelände, Plünderungen und der Zerstörung mehrere Gebäude. Ein Jahr zuvor hatte sein ältester Sohn, Arend Dietrich I. von der Pahlen (1675–1711) die Nachfolge im Besitz des Gutes angetreten.[7] Als dann 1710 die Pest in der Region ausbrach, hatte der Ort Palms allein 229 Tote zu verzeichnen. Unter den zu beklagenden Verstorbenen befand sich auch sein Sohn Arend Dietrich I., der zu den Pesttoten der Stadt Riga gehörte.[8] Anfang 1724 verstarb von der Pahlens dritte Ehefrau. Glücklicherweise waren zu diesem Zeitpunkt die Kinder bereits aus dem Haus. Zwölf Jahre später, am 18. Oktober 1736 verstarb Gustav Christian von der Pahlen dann selbst im Alter von 88 Jahren. Beigesetzt wurde er in der Gemeinde Jörden, die zur estnischen Region Papla gehörte.[9] Das Erbe des Herrenhauses und von Gut Palmse gingen an seinen Enkel Arend Dietrich II. von der Pahlen (1707–1753), dem Sohn seines ältesten Sohnes aus erster Ehe, über.

Familie

Gustav Christian von der Pahlen war in erster Ehe mit Margaretha Dorothea von Metztacken (1656–1682) verheiratet, ihre Kinder waren:

  • Anna Christiane von der Pahlen, 1674–1710, verehelichte von Taube;
  • Arend Diedrich I. von der Pahlen, 1675–1710;
  • Elsa Elisabeth von der Pahlen, 1678–1711;
  • Johann Anders von der Pahlen, 1681–1732;
  • Gustav Christian von der Pahlen, 1682–1700.

Seine zweite Lebenspartnerin war Elisabeth Helene von Lode, (* um 1620–1686). Ihr Sohn aus der zweiten Ehe war:

  • Gustav Johann von der Pahlen, 1685–1704.

Die dritte Ehe schloss er mit Gertrude Elisabeth von Tiesenhausen (1670–1724). Aus dieser Ehe gingen die 6 Kindern:

  • Gerdruta Helena von der Pahlen, 1688–1689;
  • Augusta Sophie von der Pahlen, 1689–1747;
  • Axel Magnus von der Pahlen, * 1690;
  • Berend Gustav von der Pahlen, 1693–1710;
  • Karl Johann von der Pahlen, 1681–1732;
  • Christian Adolf von der Pahlen, * 1695[10]

hervor.

Literatur

  • G. Elgenstjerna: Den introducerade Svenska adels ättartavlor. Vol. V. Stockholm, S. 610ff.
  • Ants Hein: Palmse – Palms. Ein Herrenhof in Estland, Hattorpe, Eesti Entsüklopeediakirjastus 1996, ISBN 5-89900-042-2
  • W. von Hueck: Die Herkunft der ritterschaftlichen Geschlechter in Wierland zu schwedischer Zeit. Material zu einer Gütergeschichte Estlands, Mainz 1972, S. 107
  • P. von Ungern-Sternberg: Die Revision von J. 1586 und die Befragung von J. 1589. Ein Betrag zur Gütergeschichte Estlands. Beiträge zur Kunde Est-, Liv- und Kurlands, Band VIII, Reval 1915, S. 46ff.
  • Otto Magnus von Stackelberg: Genealogisches Handbuch der estländischen Ritterschaft, Bd.: 1, Görlitz, 1931
  • Generalogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften, Estland Band I, S. 159ff.

Siehe auch

Quellen

  1. Schlösser, Burgen, Herrenhäuser. Lost & Unlost Places.
  2. Generalogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften, Estland Band I, S. 159ff.
  3. Estnisches historisches Museum Tallinn, Bestand EHM, B 11 1/94 S. 1.
  4. Ants Hein, Palmse – Palms. Ein Herrenhof in Estland, Hattorpe, Eesti Entsüklopeediakirjastus 1996, ISBN 5-89900-042-2, S. 86.
  5. Generalogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften, Estland Band I, S. 159ff.
  6. Ants Hein, Palmse – Palms. Ein Herrenhof in Estland, Hattorpe, Eesti Entsüklopeediakirjastus 1996, ISBN 5-89900-042-2, S. 87f.
  7. Otto Magnus von Stackelberg, Genealogisches Handbuch der estländischen Ritterschaft, Bd.: 1, Görlitz, 1931, S. 159f.
  8. Adelswappen Von der Pahlen Nr. 75, in: https://www.adelsvapen.com/genealogi/Von_der_Pahlen_nr_75#TAB_5
  9. Persönlichkeiten des Baltischen Adels, in: http://personen.digitale-sammlungen.de/baltlex/Blatt_bsb00000600,00...;
  10. Adelswappen Von der Pahlen Nr. 75, in: https://www.adelsvapen.com/genealogi/Von_der_Pahlen_nr_75#TAB_5