Gustav-Adolf-Kirche (Mainz-Amöneburg)
Die evangelische Gustav-Adolf-Kirche ist ein 1932 eingeweihtes Kirchengebäude im Wiesbadener Vorort Mainz-Amöneburg, Melanchtonstraße 15.
Geschichte
Mit dem Anstieg die Einwohnerzahl in Mainz-Amöneburg ab den 1890er-Jahren durch die Industrialisierung wuchs der Bedarf nach einer evangelischen Kirche. Eine Übergangslösung ergab sich, als die Zementfabrik Dyckerhoff & Söhne ab 1907 sonntags ihre Kantine zur Verfügung stellte.[1]
Der 1902 gegründete Kirchenbauverein sammelte bis 1914 40.000 Mark, von denen 25.000 Mark als Kriegsanleihe gezeichnet wurden und dadurch verloren gingen.[1] Nach dem Ende der Inflation sammelte die Gemeinde bis 1928 wiederum 15.800 Reichsmark und gewann das Gustav-Adolf-Werk als Geldgeber[1], so dass am 27. September 1931 die Grundsteinlegung und bereits am 28. August 1932 die Einweihung der Kirche erfolgte. Benannt wurde die Kirche nach dem schwedischen König Gustav II. Adolf.
Planung und Durchführung
Die Planung der Kirche wurde im Jahr 1929 dem Mainzer Stadtbaudirektor im Ruhestand Adolf Gelius übertragen. Dessen Entwurf im Stil des Backsteinexpressionismus wurde vom Kirchenvorstand, vom Vorstand des Hessischen Hauptvereins der Gustav-Adolf-Stiftung, vom Landeskirchenamt und vom Kreisamt genehmigt und dem Architekten Peter Gustav Rühl als Bauleiter zur Ausführung übergeben.[1]
Architektur
Die Kirche ist im Stil des Backsteinexpressionismus gehalten und gliedert sich im Innenraum als dreischiffiger Raum mit dunkler ebener Holzdecke, die über eine hervorragende Akustik verfügt.
Das Portal wird von zwei freistehenden Säulen gerahmt, die mit ihren Kapitellen an geschmückte Thorarollen erinnern.
Die Außenfront zur Melanchthonstraße hin ist durch Backstein-Ornamente gegliedert und trägt die Inschrift:
GOTT = UNSERE HILFE
GUSTAV ADOLF zum Gedächtnis
und drei Jahreszahlen:
1632 (das Todesjahr Gustav Adolfs II., der die lutherischen Fürstentümer und Reichsstädte vor der Rekatholisierung schützte)
1832 (Jahr der Gründung des Gustav-Adolfs-Werks) und
1932 (Jahr der Einweihung der Kirche).
Die Apsis ist mit einem goldenen Kreuz ausgestattet, die Wölbung trägt die kreisförmig ausgeführte Inschrift FRIEDE SEI MIT EUCH.
Ausstattung
Orgel
Der Zweite Weltkrieg ging nahezu spurlos an der Kirche vorbei, lediglich die Orgel wurde durch Wassereintritt infolge der Explosion einer Luftmine beschädigt und zuletzt im Jahr 2001 vollständig saniert. Sie verfügt über zwei Manuale und ein Pedal.
Glocken
Über den ursprünglichen Glockenbestand des Jahres 1932 sind keine Unterlagen vorhanden, die Glocken wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken eingeschmolzen und sind verloren. 1958 wurde das Geläut der Kirche mit drei Glocken wieder vervollständigt. Die Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Sinn goss folgende Glocken:
- Große Glocke, 1200 Kilogramm, Inschrift Glaubet ihr nicht, so bleibet ihr nicht
- Mittlere Glocke, 700 Kilogramm (von Juanita Dyckerhoff gestiftet), Inschrift Lasset uns Gutes tun und nicht müde werden
- Kleine Glocke, 350 Kilogramm, hängt so hoch im Turm, dass ihre Inschrift nicht lesbar ist. Es liegen auch keine schriftlichen Unterlagen vor.[2]
Kirchliche Zugehörigkeit
Die zum Evangelischen Dekanat Rüsselsheim gehörende Kirchengemeinde vereinigte sich im Jahr 2017 mit der zum Evangelischen Dekanat Wiesbaden gehörenden benachbarten Oranier-Gedächtniskirche in Wiesbaden-Biebrich zur Oranier-Gedächtnisgemeinde. Diese neue Gemeinde gehört zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).[3]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Homepage der Oranier-Gedächtnis-Kirchengemeinde
- ↑ Mainzer Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft und Geschichte, 17. Jahrgang 1997, Heft 3, S. 76–79.
- ↑ Evangelische Gemeinde in Amöneburg geht in der Biebricher Oranier-Gedächtnis-Kirchengemeinde auf. In: Allgemeine Zeitung vom 12. Juli 2016
Koordinaten: 50° 1′ 45,1″ N, 8° 15′ 45,2″ O