Gumpertzsches Siechenhaus

Das Gumpertzsche Siechenhaus war ein jüdisches Pflegeheim und Krankenhaus in Frankfurt am Main.[1][2][3] Es wurde 1888 von der Betty Gumpertz für chronisch kranke und bettlägerige Bedürftige gegründet und gestiftet und bot vereinigte Kranken-, Behinderten-, Alten- und Armenpflege.

Geschichte

Das erste Siechenhaus befand sich ab 1888 in der Rückertstraße (Hausnummer bislang unbekannt) in Untermiete. Das Haus Ostendstraße 75 wurde 1892 nach einer Großspende von der Israelitischen Gemeinde erworben und am 10. Oktober 1892 offiziell eröffnet. Es hatte anfangs sechs, später bis zu 20 Betten.

1898 erwarb der Verein das Grundstück Röderbergweg 62–64 (heute Nr. 82)/Danziger Platz 15 mit der alte Villa, später das „Hinterhaus“ genannt. Hier fanden nun 30 Betten Platz. Das Haus Ostendstraße 75 wurde bis 1899 noch weitergeführt und dann verkauft. Die erste Oberin war Thekla (Mandel) Isaacsohn (1867–1941). Zu den späteren Förderern zählte Albert von Goldschmidt-Rothschild. Im Jahr 1900 wurde das neu erbaute Vorderhaus mit 60 Betten eröffnet. Das Vorderhaus war für die weiblichen, das Hinterhaus für die männlichen Bewohner vorgesehen. 1907 wohnten 38 Bewohnerinnen im Vorderhaus und 21 Bewohner im Hinterhaus. 1929 vermietete die Israelitische Gemeinde das Vorderhaus an die Stadt Frankfurt und nutzte dann nur noch das Hinterhaus, das zur Unterscheidung als Adresse Danziger Platz 15 führte.

Bei der Zwangsräumung am 7. April 1941 durch die Nationalsozialisten wurden die Bewohner vom ‚Hinterhaus‘ Danziger Platz 15 in das Frankfurter jüdische Krankenhaus (Gagernstraße 36) verlegt.

Die Stifterin

Betty Gumpertz, geborene Cahn (* 12. März 1823 in Worms; † 17. Juli 1909 in Frankfurt am Main) heiratete am 20. August 1848 den wohlhabenden Frankfurter Kaufmann Leopold Gumpertz (* 29. April 1812; † 13. Februar 1884). Der gemeinsame Sohn Heinrich starb mit sechs Jahren. Nach dem Tod des Ehemanns entschied sich Betty Gumpertz zum Andenken an Mann und Sohn die Stiftung des Gumpertzschen Siechenhauses vorzunehmen.[4]

Literatur

  • Birgit Seemann, Edgar Bönisch: Das Gumpertz'sche Siechenhaus - ein »Jewish Place« in Frankfurt am Main: Geschichte und Geschichten einer jüdischen Wohlfahrtseinrichtung. 2019
  • Birgit Seemann: Judentum und Pflege: Zur Sozialgeschichte des orthodox-jüdischen Gumpertz’schen Siechenhausen in Frankfurt am Main (1888–1941); in: Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte, Band 30, 2016/2017, 2017, ISBN 9783643137913, S. 13 f., Digitalisat.

Einzelnachweise

  1. Gumpertz'sches Siechenhaus.
  2. Thekla (Mandel) Isaacsohn (1867–1941) – erste Oberin des Gumpertz’schen Siechenhauses zu Frankfurt am Main, letzte Oberin des Frankfurter Stiftungsprojekts ‚Erholungsheim für Israelitische Frauen Baden-Baden E.V‘.
  3. Das Gumpertz'sche Siechenhaus - Ein "Jewish Place" in Frankfurt am Main.
  4. Biografie bei Jüdische Pflegegeschichte