Guigues IV. (Albon)
Guigues IV., genannt der Delfin (französisch Guigues le Dauphin, lateinisch Guigo (Vuigo) dalphinus Viennensis et Albonis comes; † 28. Juni 1142), war ein Graf von Albon im Viennois aus dem Haus Albon.[1][2]
Dauphin
Erstmals erscheint der Beiname in einer Urkunde seiner Eltern vom 31. Oktober 1110: ("Hanc donationem quam fecerunt Guigo comes et Maheldis regina uxor sua, donaverunt et laudaverunt similiter filii eorum Guigo dalfinus et Umbertus").[3] Guigues nannte sich erstmals selbst „Delfin“ (Delfinus) in einer um 1122 an die Abtei von Bonnevaux gerichteten Schenkung.[4] In einem Vertrag mit dem Bischof Hugo II. von Grenoble aus dem Jahr 1140 wiederholte er dies. Dieser Name avancierte unter seinen Nachkommen zur Titulierung, fand als Wappentier Verwendung und gab auch ihrem Land die Bezeichnung „Dauphiné“. Der Titel der französischen Thronfolger ab dem späten Mittelalter ging darauf zurück.
Über den Ursprung seines Beinamens Delfin gibt es verschiedene Theorien: zum einen die simpelste, dass er als Helmzier einen Delfin verwendet habe. Doch ist der Gebrauch von Helmkleinodien erst hundert Jahre später, seit Beginn des 13. Jahrhunderts, nachgewiesen. Zum zweiten, dass seine urkundlich erwähnte Mutter „Königin Mathilde“, die in einer anderen Urkunde als „englischer Herkunft“ (de Anglia) bezeichnet wird und deren Identität nicht eindeutig geklärt ist, eine Tochter des angelsächsischen Prinzen Edgar Ætheling gewesen sei, die wiederum einen Verwandten Dolfin von Carlisle gehabt habe (ein Sohn des Gospatric, Earl of Northumbria), der vielleicht Pate gestanden habe.[5] Dieser Dolfin ist zwar belegt, nicht aber eine Königin Mathilde dieser Abkunft. Um das Ganze schlüssig zu machen, wurde sodann die Hypothese aufgestellt, es handele sich schlicht um einen Schreibfehler in der Urkunde, nicht de Anglia sei gemeint gewesen, sondern de Apulia, womit Mathilde eine Prinzessin des Hauses Hauteville gewesen wäre, was wieder mehrere Hypothesen ermöglichte: Um sie zur „Königin“ zu machen, vermutete man, sie könnte vor ihrer Ehe mit dem Grafen von Albon mit einem römisch-deutschen König verheiratet gewesen sein, etwa dem jung abgesetzten und verstorbenen Salier Konrad III.[6] In Apulien wiederum sei der Delfin ein gebräuchliches Symbol, etwa im Wappen der Stadt Tarent. Dabei handelt es sich allerdings um bloße Hypothesen.[7]
Höchste historische Bedeutung erlangte der bei Guigues IV. erstmals auftauchende Beiname jedenfalls, indem er später zum Titel des Dauphin von Viennois und schließlich des Dauphin von Frankreich wurde (siehe: Liste der Dauphins von Frankreich).
Leben
Guigues führte eine Fehde gegen den Grafen von Savoyen. Dabei wurde er bei einem Kampf in der Nähe von La Buissière tödlich verwundet. Er wurde bestattet in der Kathedrale Notre-Dame in Grenoble.
Er war verheiratet mit Clementia/Margarete von Mâcon, einer Tochter des Grafen Stephan Tollkopf von Mâcon. Ihre Kinder waren:
- Guigues V. († 1162), Dauphin von Viennois
- Marquise (1196), ⚭ Graf Wilhelm VII. von Auvergne, Nachkommen sind die Dauphins von Auvergne
- Beatrix, ⚭ Adémar I. de Poitiers, Graf von Valentinois
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Note sur l'origine et la signification du terme "Dauphin" (de Viennois), persee.fr
- ↑ Titles of European hereditary rulers: Albon, Viennois, Dauphiné, altervista.org
- ↑ Les origines du Dauphiné de Viennois : d'où provient le surnom de baptême Dauphin, reçu par Guigues IX, comte d'Albon (1100-1105), gallica.bnf.fr − übersetzt: „diese Stiftung, die Graf Guigo und seine Gemahlin Königin Maheldis gestiftet und gelobt haben, ebenso ihre Söhne Guigo dalfinus und Umbertus“.
- ↑ A charter dated to [1122] records a donation by "Guigo comes et Matildis uxor eius" of property "in parochia Sancti Saturnini juxta aquam Velciam" to the abbey of Bonnevaux, later confirmed by "Guigo delphinus et uxor eius et Humbertus Podiensis episcopus frater eius", the confirmation witnessed by "Matildis mater eius" - GUIGUES [V ([1050/70]-21 Dec 1125).], fmg.ac
- ↑ Eugene L. Cox, Dauphiné/Viennois, Medieval France: An Encyclopedia, Garland Publishing (1995), S. 553
- ↑ Etienne Pattou, de Hauteville
- ↑ François Caussin: De l'origine du terme « Dauphiné » pour qualifier certains territoires et de celui de « Dauphin » pour désigner leur prince, November 2009, PDF