Guido Bodländer
Guido Bodländer (* 31. Juli 1855 in Breslau; † 25. Dezember 1904 in Braunschweig[1]) war ein deutscher Chemiker und Hochschullehrer.
Leben
Guido Bodländer war Jüngster von 15 Geschwistern. Er besuchte das Maria-Magdalenen-Gymnasium in Breslau, die er als Obersekundaner verließ, um Kaufmann zu werden. Als zwei Jahre später sein Vater verstarb, kehrte Bodländer ans Gymnasium zurück, was er 1878 mit dem Abitur abschloss. Anschließend studierte er bis 1882 an der Universität Breslau. Während seines Studiums wurde er 1881 Mitglied des Akademischen Naturwissenschaftlichen Vereins zu Breslau.[2] Nach seiner Promotion „Ueber das optiscbe Drehungsvermögen isomorpher Mischungen aus den Dithionaten des Bleis und des Strontiums“ unter Theodor Liebisch war er von 1882 bis 1883 Assistent im Privatlabor von Moritz Traube in Breslau, der zu dieser Zeit Fragen der Aktivierung des Sauerstoffs und der Autoxydation untersuchte. Im Anschluss war Bodländer für drei Jahre Assistent bei Carl Binz am Pharmakologischen Institut Universität Bonn, wo er sich mit dem Verhalten und der Verstoffwechselung des Alkohols im Organismus beschäftigte. In Bonn legte er zudem sein Staatsexamen für Mathematik und Naturwissenschaften ab. In Hannover übernahm er mit Isidor Traube die Leitung eines technisch-chemisches Labor. Sie arbeiteten an der Analyse von Peptonen und der Bestimmung des Fuesel-Gehaltes in Getränken. Nach zwei Jahren mit ausbleibenden wirtschaftlichem Erfolg wurde das Labor geschlossen und Bodländer kehrte 1888 erneut als Assistent zu Moritz Traube für ein halbes Jahr nach Breslau zurück.
Nach erfolgloser Suche nach Anstellung und mehrerern kurzen Tätigkeiten in der Industrie in Nienburg a. d. Saale und Trubenhausen empfahl Liebisch ihn 1889 auf eine Assistentenstelle bei Friedrich Klockmann an der Bergakademie Clausthal. Anfangs zählte die Orndung der mineralogischen Sammlung der Bergakademie zu seinen Aufgaben, zudem forschte er zu mineralogisch-chemischen Themen. In Zusammenarbeit mit Richard Abegg veröffentlichte er 1895 „Die Elektroaffinität, ein neues Prinzip der chemischen Systematik“,[3] worin sie eine neue Größe zur Ordnung der Verbindungen in der anorganischen Chemie (einschließlich Komplexen) einführten, die Elektroaffinität. Auch entwickelte Bodländer im analytischen Laboratorium der Bergakademie ein Gasgravimeter.[4] Aus seinen Forschungen zur Löslichkeit und zur damals neuen physikalischen Chemie entstand 1896 sein „Lehrbuch der Chemie für Studierende und zum Selbstunterricht“, das zeitgenössisch u. a. von Wilhelm Ostwald und Walther Nernst positiv aufgenommen wurde. Nernst forderte Bodländer 1897 auf, Assistent am Göttinger Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie zu werden. Hier habilitierte er im folgenden Jahr „Ueber langsame Verbrennung“ und war auch als Privatdozent tätig. 1899 erhielt er den Ruf als ordentlicher Professor für physikalische und anorganisch-technische Chemie und Elektrochemie an die Technische Hochschule Braunschweig. Bodländer forschte u. a. zur Thermodynamik des Solvay-Prozesses und zur Komplexbildung. Sein früher Tod verhinderte die Berufung auf den Lehrstuhl für physikalische Chemie in Göttingen als Nachfolger von Nernst, der 1905 an die Universität zu Berlin wechselte.
Bodländer war seit 1889 mit der am 1. November 1859 in Oberglogau geborenen Chemikerin Emma Bruck verheiratet, zuvor waren sie schon über ein Jahrzehnt verlobt. Als Witwe promovierte sie 1915 mit einer Arbeit zum Thema „Beiträge zur Systematik der seltenen Erden.“ Am 7. Juli 1942 wurde sie in das KZ Theresienstadt verbracht, wo sie im Dezember 1942 umkam.[5]
Literatur
- Jahresbericht 1878 des Gymnasiums St. Maria-Magdalena zu Breslau.
- J. Chr. Poggendorff: Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften. Band 4 (Die Jahre 1883 bis zur Gegenwart umfassend), S. 141. 1904. (Digitalisat)
- J. Tröger: Guido Bodländer. In: Naturw. Rundschau. 20 S. 78–79. 1905.
- W. Nernst: Bodländers Wirken. In: Zeitschrift für Elektrochemie. 11, S. 157–161. 1905.
- A. Coehn: Guido Bodländer. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. Band 38, Nr. 4, 1905, S. 4263–4290, doi:10.1002/cber.190503804111.
Weblinks
- Eintrag von "Guido Bodländer" im Braunschweiger Professor*innenkatalog
Einzelnachweise
- ↑ Herzogliche Technische Hochschule Carolo Wilhelmina. ( vom 4. Januar 2015 im Internet Archive) (PDF) S. 4.
- ↑ Bericht über das II. Decennium des Akademischen Naturwissenschaftlichen Vereins zu Breslau. Breslau 1894, S. 9; archive.org.
- ↑ Zeitschrift für anorganische Chemie, Band 20, Mai 1895, S. 453–499
- ↑ Das Gasgravimeter, ein bequemer Apparat für chemische Analysen auf gasometrischem Wege. In: Zeitschr. f. angew. Chemie. 1895, S. 49–55.
- ↑ Annette Vogt: Ehrendes Gedenken gegen das Vergessen. In: Berlinische Monatsschrift (Luisenstädtischer Bildungsverein). Heft 1, 2000, ISSN 0944-5560, S. 20–23 (luise-berlin.de).