Guedel-Tubus

Der Guedel-Tubus, ein Oropharyngealtubus, ist ein Hilfsmittel bzw. Adjunkt zum Freihalten des oberen Atemtraktes. Er wurde 1933[1] von dem US-amerikanischen Anästhesisten Arthur Ernest Guedel vorgestellt und entwickelt.

Er wird (bei Fehlen entsprechender Abwehrreflexe) zum Offenhalten der oberen Atemwege benutzt. Dabei wird er verwendet, wenn die Atemtrakte durch z. B. einer starken Bewusstseinsstörung blockiert, bzw. von der Zunge blockiert werden; dabei ist jedoch darauf zu achten, dass Oropharyngealtuben nur in Patienten ohne Abwer- bzw. Würgreflexe verwendet werden, im Gegensatz zu dem Nasopharyngealtubus, der bei Patienten, die im Bewusstsein sind, angewendet werden kann. Ein Oropharyngealtubus besteht aus einem abgeflachten, harten Plastikrohr, welches früher oft aus Gummi bestand, das auf der einen Seite eine runde, atraumatische Auflagefläche bzw. Schild besitzt, an die sich der etwa 2–3 cm lange Tubus anschließt. Dahinter beginnt ein Bogenstück, das zunächst einen Halbkreis nach oben beschreibt, der in einem erweiterten Radius über die gedachte Grundlinie des geraden Tubus ca. 1–2 cm hinunterreicht.

Der Oropharyngealtubus wird mit dem Ende rostral in den Mundraum eingeführt, entlang der Zunge geschoben und sodann mit einer 180° Drehung in seine Endposition gedreht, wodurch der Zungengrund nach vorne gedrängt wird.

Für die Notfallmedizin werden Oropharyngealtuben typischerweise in Sets mit bis zu neun verschiedenen Größen (000 bis 5) für Neugeborene, Kinder und Erwachsene bereitgestellt.[2] Die verschiedenen Größen sind zum Teil auch an ihrer unterschiedlichen Farbe zu identifizieren, wobei viele verschiedene Hersteller allerdings unterschiedliche Farbcodes verwenden.

Beim in die Mundhöhle eingelegten Tubus kommt der Schild vor den Lippen zu liegen und die Zähne liegen auf dem geraden Beißblock des Tubus. Der Bogen entspricht der Wölbung des Unterkiefers mit aufliegender Zunge und reicht bis zum Anfang des Hypopharynx. Durch solch einer Form wird die Zunge richtig im Atenweg platziert und das Atemhindernis entfernt, da diese bei einem Bewusstlosen meistens zurückfällt und letztendlich Atemwege verlegt. Eingesetzt wird der Oropharyngealtubus unter anderem bei der Maskenbeatmung mittels Beatmungsbeutel in der Notfall- und Intensivmedizin sowie der Anästhesie. Er kann weiterhin als Beißschutz beim endotracheal intubierten Patienten dienen, um eine Beschädigung oder Einengung des (auch am Tubus befestigbaren) Endotrachealtubus durch die Zähne zu verhindern, welches jedoch recht obsolet ist da die meisten neuen Endotrachealtuben einen eigenen Beißschutz für solch einen Zweck besitzen.

Gefahrenmöglichkeiten ergeben sich durch einen zu langen Oropharyngealtubus, der durch Druck auf den Kehldeckel eine Atemwegsverlegung bewirkt oder durch einen zu kurzen Tubus, bei dem sich der Zungengrund zwischen Tubusöffnung und Kehlkopf schieben kann und wodurch der Atemweg ebenfalls behindert werden kann. Bei nicht tief bewusstlosen Patienten können – insbesondere bei unvorsichtiger Anwendung – Husten, Würgen, Erbrechen sowie ein Stimmritzenkrampf ausgelöst werden.

Der Wendl- bzw. Nasopharyngealtubus hat dazu eine ähnliche Funktion, wird jedoch über die Nase eingeführt; weswegen der Nasopharyngealtubus schon bei geringer Sedierung wegen seiner geringeren Reizung besser toleriert wird als der Oropharyngealtubus.[3]

Literaturverzeichnis

  • McIntyre JW. Oropharyngeal and nasopharyngeal airways: I (1880-1995). Can J Anaesth. 1996 Jun;43(6):629-35. PMID 8773872.
  • Flake/Runggaldier: Arbeitstechniken A-Z für den Rettungsdienst: Bildatlas Rettungsdienst. Elsevier, München, 2008. ISBN 978-3437483202.
  • Walied Abdulla: Interdisziplinäre Intensivmedizin. Urban & Fischer, München u. a. 1999, ISBN 3-437-41410-0, S. 6 f.
  • Artikel Guedel-Tubus: Fridolin Bachinger, Dr. Frank Antwerpes, Dr. rer. nat. Fabienne Reh, Dr. med. Tim Selzer et al. Abrufbar unter: https://flexikon.doccheck.com/de/Guedel-Tubus DocCheck Flexikon 22.03.2024. Letzte Bearbeitung 31.10.2004
Commons: Guedel-Tubus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Arthur Ernest Guedel: A nontraumatic pharyngeal airway (Clinical Notes, Suggestions and New Instruments). In: JAMA. Band 100, 1933, S. 1862.
  2. [Artikel Guedel-Tubus: Fridolin Bachinger, Dr. Frank Antwerpes, Dr. rer. nat. Fabienne Reh, Dr. med. Tim Selzer et al. Abrufbar unter: https://flexikon.doccheck.com/de/Guedel-Tubus DocCheck Flexikon 22.03.2024. Letzte Bearbeitung 31.10.2004]
  3. Nasopharyngealtubus (Wendl-Tubus) In: thieme-connect.de